Neulich, am Strand: Der Pechvogel

In meiner Stamm-Bar komme ich mit einem weiteren Gast ins Gespräch. „Ich bin jetzt schon fast eine Woche hier. Doch bis heute hat es mit den Frauen noch nicht hingehauen“, beginnt er. „Das ist aber auch eine Leistung“, geht mir durch den Kopf.

Ich erkundige mich: „Du bist aber nicht etwa schwul? Dann wär’s ja normal.“ „Nee, aber ich könnte es bald werden, wenn das so weitergeht“, lacht er und setzt fort: „Ich finde einfach keine Frau.“ „Ha. DAS muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Da findet einer in Pattaya keine Frau“, amüsiere ich mich und proste ihm zu. „Vielleicht meinst du, noch nicht die richtige Frau gefunden?“, frage ich. „Nein, nein. Ich habe bisher wirklich noch überhaupt keine Lady abbekommen. Erst einmal war ich nahe dran“, antwortet er. „Dann bist du aber ein komischer Vogel“, stelle ich fest. Darauf er: „Ich glaube, die Thai-Ladys haben nur drei Wünsche: 1. Geld, 2. Viel Geld, 3. Noch mehr Geld.“ „Ja“, bestätige ich, „Das Grundprinzip hast du bereits erkannt. Woran kann es dann noch fehlen?“

So fängt er an zu erzählen: „So genau kann ich das auch nicht sagen. Ich wäre ja froh, wenn ich es wüsste.“ Seine Niedergeschlagenheit ist ihm ins Gesicht geschrieben. „Gleich am ersten Tag hat mich eine Lady vom Strand in eine Bar eingeladen. Sie habe Geburtstag und lade mich zu ihrer Geburtstagsparty ein. Da können wir trinken und feiern. Toll, dachte ich. Also, haben wir da gefeiert. Und sie bestellt ein Gesöff nach dem anderen. Bis mir aufgefallen ist, dass ich der einzige Partygast war. Wie alt sie denn heute werde, wollte ich von der Dame wissen. „26 Jahre und 5 Monate, dazu noch ein paar Tage“, lachte sie und meinte, sie müsse mal ‚Pipi müssen‘. Sie ging ins Klo und seither habe ich sie nicht mehr gesehen. Die ‚Geburtstagsparty‘ hat mich fast 4.000 Baht gekostet. Ohne Lady!“ Vorsichtig schaut er mich an. Doch ich übergehe das und meine nur: „Na, das kann hier jedem passieren. Vermutlich hockt sie heute noch auf dem Klo.“ Die Ladys begreifen das als ihren Job. „Catch a rich farang!“, nennt sich das. Oder: „Wait for big money!“

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Erleichtert, dass ich es als courant normal betrachte, fährt er fort: „Tags darauf lernte ich die Masseuse kennen, die ich zu mir abschleppte. Schon auf dem kurzen Weg nach Hause, wollte sie wissen, ob ich ihr eine Goldkette kaufen würde. Ich glaubte, sie mache einen Scherz. Doch, als sie dann aus der Dusche kam und ins Bett stieg, fragte sie wieder: „Kaufst du mir nun eine goldene Kette, oder nicht?“ Das war es mit der Privatmassage. Da habe ich sie rausgeschmissen. Scheiße“, ärgert er sich. „Scheiße sagt man nicht! Scheiße macht man!“, belehre ich ihn.

Ich sage ihm offen meine Meinung: „Weißt du was? Ich glaube, du machst hier irgendwie den Rühmann.“ „Den Rühmann?“, wiederholte er fragend. „Ja, klar. Quax, der Bruchpilot. Nur auf eine eigene Art und Weise“, lache ich ihm zu. Das heitert ihn auf. „Komm, ich gebe dir einen aus“, ruft er und will weitererzählen. „Wart mal. Ich glaube, du solltest dir eine Strategie zurechtlegen. Sonst trampelst du gleich wieder rein“, unterbreche ich ihn. „Genau das wollte ich dir jetzt erzählen. Das habe ich mir nämlich auch gedacht. Also bin ich die Sache mit Verstand angegangen. In einer anderen Bar habe ich mich deshalb an eine etwas ältere Dame herangemacht. Die war etwa Mitte 40, gut gebildet, konnte einwandfreies Englisch und war adrett angezogen. Nicht so, wie die übrigen Küken im Laden. Endlich mal was Seriöses, dachte ich mir. DIESE IST ANDERS. Sie war auch anders. Die hat Champagner gesoffen. Nachdem sie die zweite Flasche bestellt hatte, getraute ich mich endlich zur Sache zu kommen. Doch sie meinte nur so ganz trocken: Nix da! Ich bin der Boss des Ladens hier. Schnapp dir ein Mädchen von der Theke und lass mich in Ruhe.“ Ich kann mir das Lachen nicht verkneifen. „Ja, du hast gut lachen. Wenn dir das passieren würde, hättest du dich auch geärgert“, meint er und nimmt einen großen Schluck. Ich entgegne: „Ja, weißt du. Ich mach auch den Rühmann, aber anders. Ich sag nämlich: Ich breche die Herzen der stolzesten Frauen.“ Und füge hinzu: „Aber wegen drei Schlappen gibt man nicht auf.“ „Genau, dachte ich doch auch. Doch geholfen hat es auch nicht“, rappelt er sich auf. „Was denn? Hast du noch mehr Trophäen gesammelt?“, bin ich verwundert. „Na logisch. Oder glaubst du, ich wollte nach 4 Tagen Pattaya keusch nach Hause?“ „Hmm, dann mal los, lass hören“, proste ich ihm zu.

„Ok. Dann war da noch eine in Ledermontur. Lara Croft‘s ihre jüngere Schwes­ter. Die hat sich als Rockerbraut entpuppt. Ich konnte gerade noch abhauen, bevor der tätowierte Mannsbrocken, der da hereingestampft kam, merkte was läuft.“ „Oha. Das du dich mit Rockern anlegen würdest? So siehst du nicht gerade aus“, pflichte ich ihm bei. „Ich hätte ihn natürlich flach hauen können. Aber ich war eben nicht in Stimmung dazu“, lachte er. „Dann kam die, die kein Geld hatte“, setzte er fort. „Ja, das war aber Zufall. Solche gibt es doch in Thailand gar nicht“, leide ich belustigt mit. Sie meinte zu mir: „Ich habe kein Geld. Verstehst du? Keine Baht, keine Euros. Warum willst du Sch…-Farang nicht verstehen. So jemanden mag ich nicht, du dicker, fetter, alter Sack. „Na, na, na“, beruhigte ich sie. Wieviel sie denn haben will, fragte ich sie mal interessehalber. Da sprang sie vor Freude auf und ich war gleich ihr Tirak. „8.000 Baht, Liebling, würden im Moment eben noch knapp reichen. Ok?“ „Ok!“, meinte ich und ließ sie stehen, wo sie war. Ohne Kohle. Das erste Mal wenigstens, wo ich nicht draufgelegt habe“, berichtet er stolz. „Na, siehst du. Auch du lernst dazu“, lobe ich den Erzähler.

So hocken wir noch ein Weilchen zusammen und haben es lustig. Unsere Zeche übernehme ich. Der arme Kerl wird seine Munition noch gebrauchen können. „Hast du einen Tipp für mich?“, will er beim Verabschieden von mir noch wissen. „Ja, klar. Mach es à la Jopie Heesters: „Da geh ich ins Maxim, Dort bin ich sehr intim, Ich duze alle Damen, Ruf' sie beim Kosenamen, Joy, Bee, Nan, Ha, Jai, Dodo, Li, …“

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