Großbrand auf Mülldeponie Koh Tao hausgemacht

Gase entzündeten Reifen – Ein lange schwelendes Problem

Die Mülldeponie Koh Tao ist mit 45.000 Tonnen Abfall überlastet und immer wieder brechen seit Monaten durch Gas verursachte Schwelbrände aus. Seit heute steigt eine große Rauchsäule gen Himmel.
Die Mülldeponie Koh Tao ist mit 45.000 Tonnen Abfall überlastet und immer wieder brechen seit Monaten durch Gas verursachte Schwelbrände aus. Seit heute steigt eine große Rauchsäule gen Himmel.

KOH TAO: Kilometer hoch steigen schwarze Rauchwolken über der Taucherinsel in die Lüfte. Vermutlich haben heute am Morgen Müllgase zunächst Altreifen und danach die Deponie auf Koh Tao entzündet und für ein hässliches Spektakel gesorgt – sogar die nationale Tageszeitung The Nation in Bangkok berichtet darüber.

Dass der weitum sichtbare Brand einen weitaus dramatischeren Hintergrund hat als eine in den Himmel qualmende schwarze Säule, wissen auf Koh Tao ansässige Einheimische und ausländische Touristikunternehmer. Die Mülldeponie ist mit geschätzten 45.000 Tonnen Abfall längst über ihre Kapazitäten hinausgewachsen, und die Verbrennungsanlage steht wie auf der großen Schwesterinsel Koh Samui seit vielen Jahren still.

Anwohner schilderten dem FARANG, dass sich dort schon seit Monaten Müllgase entzündeten und für großflächige Brände sorgten. Den Behörden sei es nie gelungen, diese Schwelbrände zu stoppen. Koh Taos Verwaltungschef Kobchai Saowalak sagte laut der Zeitung The Nation, möglicherweise hätten Brandstifter die verwitterten Reifen angesteckt und so die Situation zugespitzt. Diese Version glaubt nicht jeder.

Das Problem auf Koh Tao ist, dass durch die seit etwa sieben Jahren defekte Verbrennungsanlage der Abfallberg soweit angewachsen ist, dass nur noch eine externe Entsorgung Abhilfe schaffen könnte. Laut Informationen eines Umweltaktivisten habe ein Unternehmen angeboten, für 1.800 Baht pro Tonne einen Abtransport aufs Festland zu garantieren. Die Zustimmung des Gouverneurs von Surat Thani sei bis heute jedoch nicht erfolgt.

Die auf Koh Tao instrumentalisierten Recyclings-Programme mit Altglas, Papier und Plastik reichen bei weitem nicht aus, den Müllbergen Herr zu werden. Während der Gamnan Kobchai Saowalak heute von einem schlechten Signal an die ohnehin kriselnde Tourismusindustrie der Insel sprach, plagen die meisten Koh Tao Bewohner andere Sorgen. Sie haben schlichtweg Angst, dass die stetig qualmende und schwelende Mülldeponie extrem gesundheitsschädigende Gase freisetzt.

Fotos:privat, Facebook
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Leserkommentare

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Wieland Wenz 01.10.17 08:46
"mehr müssen Sie im Moment nicht wissen"
Lieber Herr Bütler, danke fuer diese "Benotung"!Jede Deponie wird am Ende der Verfuellung abgedeckt und dann noch bis zu 30 Jahre nachbehandelt. Siehe dazu auch ArtikelVO zur Änderung der TASI. Die notwendige Feuchtigkeit fuer KompostAblaeufe ist eine Sache, die (finanzielle)Bewaeltigung des Sickerwassers in der Regenzeit, eine ganz andere! Wenn, wie von mir vorgeschlagen, das Wasser STAENDIG nach oben in den Muellberg gepumpt wird, bildet sich keine "stinkende Faulgrube"und es wird nicht nur in den heissen Monaten verdunsten. Dabei bleiben nach meinem Wissen die gebundenen Schwermetalle+Gifte zurueck und der Dampf kann auch durch die schindelartig verlegten Dichtungsbahnen in der Schraege entweichen. TH braucht keine wissenschaftlich untermauerten Musterloesungen, die niemals finanziert werden koennen!!! HEUTE darf eigentlich gar kein NICHT vorbehandeltes Material (zB Kompostierung, Verbrennung, ..) in den Deponiekoerper mehr rein! Nur noch inertes Material(das nur in verschwindend geringem Maße reagier1), wo Bakterien keine Rolle mehr spielen. Wuerde es in DACH so regnen wie teilweise in TH, wuerde man ganz sicher das "stark verduennte" Sickerwasser ueber einen Vorfluter an der Sickerwasserreinigung vorbei laufen lassen. "Gruen" muss vor allem finanzierbar bleiben. Schade, wenn sich unser DeponieFachmann nicht mehr aeussert. Koh Tao waere ideal als PilotProjekt fuer meinen Vorschlag! 1.10.2017, 8:46
Hansruedi Bütler 30.09.17 15:59
Die Gunst der Stunde liegt im "Grunde"!
Lieber Herr Wenz, hier bekommt niemand schlechte Kürnoten. Korrekte Fragen implizieren oft eine entsprechende Antwort. Dumme Fragen gibt es nicht - aber umsomehr dumme Antworten. Nun zu Ihren gestellten Fragen: vorab aber empfehle ich Ihnen sich bei "Einführung in die Abfallwirtschaft" und "Abfallwirtschaft: Handbuch für Praxis und Lehre" einzulesen. Darin wird auch beschrieben, warum Ihre Idee so nicht funktioniert. Ich mache eine "Kurzfassung":-). Bei gemischten Deponien wird auch Wasser in Form von gespeicherter Feuchtigkeit mit eingebracht. Abdeckung kann sogar kontraproduktiv wirken! Warum? Beim Abbau in der Phase 1 + 2 der Versäuerungsphase entstehen vorwiegend organische Säuren, welche auch giftige Schwermetalle lösen und mit dem Wasser zum Deponiegrund transportiert werden. Wird nun dieses Wasser, angereichert mit Giften und Säuren, werden die empfindlichen Deponiebakterien nach und nach vergiftet. Der mikrobiologische Abbau wird eingestellt und es entsteht eine jämmerlich, stinkende Faulgrube, die auf Jahrzehnte Probleme macht. Ich denke, mehr müssen Sie im Moment nicht wissen. Überdenken Sie alles nochmals und dann begreifen Sie, warum man Deponie-Sicker-Wasser ableiten und gegebenenfalls separat aufbereiten muss. MfG Hansruedi
Wieland Wenz 30.09.17 06:12
Gunst der Stunde nutzen!
Auch auf die Gefahr hin, ich bekomme schlechte KuerNoten, moechte ich nochmal eine Frage an die Fachleute stellen. Bei allen Deponien ist das Problem das Sickerwasser, in dem zB Schwermetalle, Gifte sind. Das zu fassen und zu reinigen, kostet ein Vermoegen. Ist der Depomiekoerper abgedeckt und ausgetrocknet, sind diese Belastungen immer noch in grossen Mengen ungeloest im Muell, verursachen aber so kein Problem mehr. RICHTIG? Also sollten wir doch unseren Freunden den Thais sagen, je weniger es da rein regnet, "um so gut"! Das ist in DACH ein Problem, wo es 800-1.000l/m² regnet, aber in TH mit bis zu 5-6.000l/m² ABSOLUT NICHT BEZAHLBAR! Deswegen soll das Einbaufeld nicht in die Breite gehen, sondern eher als stumpfer Kegel eingebaut werden. Die Schraegen muessen abgedichtet werden, auch all die Flaechen oben, die aktuell nicht zur Verfuellung gebraucht werden und ich gehe sogar so weit, ein grosses, bewegliches, freitragendes Dach fuer den Rest wuerde viel Geld sparen. Der Ladenhueter ARA/SWR, wird den Thais die Haare+Haut vom ganzen Koerper fressen! Deswegen dann auch der Vorschlag, das gefasste Wasser einfach immer wieder nach oben in den Muellkoerper pumpen, wo es ueber nicht verklebte, aber ueberlappte Folien ausdunsten kann. DAS koennte eine finanzierbare Loesung fuer die Tropen sein!? 30.09.17, 6:12
Sam Gruber 29.09.17 14:32
Danke lieber Hansruedi Bütler!
In einem Forum, wo gerne auch mal das verbale 'Schwert' gezogen wird und der faire Umgangston beizeiten entgleist, sind Beiträge wie die von Hansruedi Bütler ein Sahnehäubchen. Fachkompetent, detailgenau, immer bei der Sache. So kann's auch gehen. Clint Eastwood hätte gesagt: You made my day! Ich sage einfach danke lieber Hansruedi und schön, dass es so was in diesem Forum gibt. Ein Beitrag zum Thema und nicht unter die Gürtellinie und daran vorbei...
Hansruedi Bütler 28.09.17 19:51
@LeO-Friedl Paierl & Wieland Wenz
Ich möchte Ihre Beiträge nicht schmälern, sondern sinnvoll erweitern. Lehm als Absperrmaterial hat sich 100%ig als ungeeignet erwiesen. Ein Copolymerisat aus Ethylen/Propylen, so wie es Herr Paierl beschreibt, ist Stand der Technik, was man auch heute noch verwendet. Die beiden nachfolgend erwähnten Deponien waren "nur" für Sondermüll gedacht. Weil aber in TH keine wirkliche Trennung von Kehricht vorgenommen wird, enthalten sie auch problematischen Sondermüll! Auszug aus den Deponien Kölliken und Bonfol. Beides waren ehemalige Lehmgruben. "Damals begann man in Kölliken mit dem Abbau von Lehm. Später hielt man den Ort dann geeignet, um gefährliche Abfälle zu lagern. Dass man sich darin getäuscht hatte, wollte man erst viel später wahrhaben. Um die Sünden der Vergangenheit zu korrigieren, musste man sehr viel Geld investieren. Bis zum Abschluss der letzten Kontrollarbeiten etwa im Jahr 2030 wird die Sanierung der Sondermülldeponie Kölliken rund 900 Millionen Franken gekostet haben. Bonfol: nach knapp sechs Jahren Arbeit ist der Aushub von rund 202'200 Tonnen chemischen Abfällen und verschmutztem Material aus der Sondermülldeponie Bonfol (JU) abgeschlossen. Die Kosten belaufen sich auf 380 Millionen Franken." Das Deponiewasser konnte keiner ARA zugeführt werden und musste kostenaufwenig mit Peroxid und Katalysator vor Ort gereinigt werden, da Inhaltsstoffe (Schwermetalle, Gifte) die Bakterien der kommunalen ARA vernichteten. Genauso ist es mit einer "wilden" Deponie.