Gewissensbisse oder Party nonstop?

Die Wasserkrise trübt die Freude an der größten Wasserschlacht der Welt

Feuchtes Vergnügen. Foto: epa/How Hwee Young
Feuchtes Vergnügen. Foto: epa/How Hwee Young

THAILAND: Die feucht-fröhlichen Wasserschlachten stellen für Touristen und Einheimische gleichermaßen den Höhepunkt des thailändischen Neujahrsfes­tes Songkran dar, das je nach Region zwischen dem 13. und 20. April gefeiert wird. Tausende Besucher aus aller Welt werden wieder nach Thailand strömen, um dieses einmalige Spektakel zu erleben. Doch in diesem Jahr sind dunkle Wolken über die größte Wasserschlacht der Welt aufgezogen: Wegen der schweren Dürre leiden immer mehr Bevölkerungsteile unter akuter Wassernot, weshalb die Regierung die Menschen auffordert, während der Songkran-Feiertage sehr sorgfältig mit dem kostbaren Nass umzugehen. Somit wird das Befüllen der Wasserpistole zur Gewissenssache, auch wenn anzunehmen ist, dass sich der Großteil der Bevölkerung nicht den Spaß an der traditionellen Wasserschlacht verderben lässt.

Wasserkrise hin oder her. Während in der ländlichen Provinz die Felder der Landwirte verdürren, fließt in den Städten und Touristenzentren das kostbare Nass in Strömen. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Wasserkrise hin oder her. Während in der ländlichen Provinz die Felder der Landwirte verdürren, fließt in den Städten und Touristenzentren das kostbare Nass in Strömen. Foto: epa/Rungroj Yongrit

Zwischen dem 13. und 20. April schallt es wieder „sawasdee pee mai“ - „frohes neues Jahr“ durch die Straßen, wenn die Thais feucht-fröhlich den Wechsel in ein neues Tierkreiszeichen feiern. Das Songkranfest steht vor der Tür, eine bunte Mischung aus traditionellen Riten, ausgelassenen Wasserschlachten und kollektivem Massenbesäufnis. Doch in Anbetracht der vorherrschenden Wasserkrise, hat das thailändische Neujahrsfest in diesem Jahr einen bitteren Nachgeschmack wie nie zuvor…

Denn der Wassernotstand im Land trifft immer mehr Menschen. Während große Teile der Bevölkerung, insbesondere in den ländlichen Provinzen, auf die Hilfe vom Staat angewiesen sind und ihr Brauchwasser per Tankwagen beziehen, wird das kostbare Nass zu Songkran in den Touristengebieten verschwenderisch verbraucht.

Reicht es oder reicht es nicht?

Urlauber aus aller Welt strömen zu Songkran nach Thailand und lassen die Kassen der Tourismusindustrie klingeln. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Urlauber aus aller Welt strömen zu Songkran nach Thailand und lassen die Kassen der Tourismusindustrie klingeln. Foto: epa/Rungroj Yongrit

In den Städten sind Wasserschlachten angesagt, überschütten sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Rohren, Eimern und Wasserpistolen mit Millionen Litern. Kein Wunder, dass die Regierung nach Songkran mit dem Höhepunkt des Wassernotstands rechnet. In sozialen Netzwerken und Foren haben Ausländer eine Lösung parat: Wasserschlachten verbieten, besser noch, Songkran ausfallen lassen. Das sieht Tourismus- und Sportministerin Kobkarn Wattanavrangkul anders. Sie will nicht auf die hohen Einnahmen aus dem Songkran-Tourismus verzichten. Denn jedes Jahr reisen Tausende ausländische Besucher nach Thailand, um an der größten Wasserschlacht der Welt teilzunehmen und bescheren dem Land hohe Einnahmen. Sie fordert, eine für alle Seiten verträgliche Lösung des Problems zu finden.

Songkran ja, Wasserschlachten nein

Bei der „Rod nam dam hue“-Zeremonie wird aus einer kleinen Schale ein wenig Wasser auf andere Personen gespritzt. Foto: epa/Pongmanat Tasiri
Bei der „Rod nam dam hue“-Zeremonie wird aus einer kleinen Schale ein wenig Wasser auf andere Personen gespritzt. Foto: epa/Pongmanat Tasiri

Ministerpräsident Prayut Chan-o-cha hingegen hält weiter an seiner Meinung fest: Songkran feiern, ja, Wasserschlachten, nein! Er appelliert an seine Landsleute, sich auf die Tradition des thailändischen Neujahrsfestes zu besinnen und auf überbordende Wasserspritzereien in diesem Jahr zu verzichten. Das bedeutet: Aus einer kleinen mit Wasser gefüllten Schale wird mit der Hand ein wenig Wasser auf andere Personen gespritzt. „Rod nam dam hua“ heißt diese überlieferte Zeremonie, mit der anderen Menschen ein gutes neues Jahr gewünscht wird.

So zerstritten die Meinungen, versucht man in Bangkok einen Zwischenweg zu finden. So hat die Stadtverwaltung angekündigt, wegen der Wasserkrise einen der bisherigen vier Songkran-Tage zu streichen. Laut dem stellvertretenden Gouverneur Amorn Kijchawengkul soll die Bevölkerung Wasser sparen und am 12. April auf Wasserschlachten verzichten. Das gilt besonders für die Khao San Road und die Silom Road, den Songkran-Hotspots der Hauptstadt. Bisher zelebrierten Thais und Ausländer das thailändische Neujahrsfest in Bangkok vom 12. bis einschließlich 15. April, in diesem Jahr nur an drei Tagen, von Mittwoch, 13. April bis Freitag, 15. April.

Niemand zweifelt am Feier-Marathon

Songkran ohne Wasserpistolen ist für viele unvorstellbar. Foto: bj
Songkran ohne Wasserpistolen ist für viele unvorstellbar. Foto: bj

Soweit zur Theorie. Die Realität wird jedoch durch einen rund siebentägigen Partymarathon bestimmt, an dem landesweit gefeiert wird, als wenn es kein Morgen gäbe. Besonders die sonnenverwöhnte Ostküste gilt sowohl bei ausländischen als auch einheimischen Urlaubern als das Partymekka schlechthin. Jedes Jahr strömen unzählige Besucher nach Pattaya, um an einer der größten Songkran-Sausen des Landes teilzunehmen. Zur Freude der lokalen Hotellerie und Gastronomie, schließlich fließt nicht nur das Wasser in Strömen, sondern auch der Alkohol und das Geld.

Wasserkrise hin oder her. In Pattaya zweifelt wohl niemand daran, dass die jungen Wilden auch in diesem Jahr wieder mit Wasserpistolen, Gartenschläuchen sowie mit Wasser oder Puder gefüllten Eimern in den „Wasserkrieg“ ziehen werden. In der Touristenmetropole, in der wie so oft alles etwas anders ist als im restlichen Land, wird übrigens erst am 18. April und 19. April gefeiert…

Pattaya gilt als die Partyzentrale

Da während der Songkran-Feiertage die meisten Verkehrstoten verzeichnet werden, gelten sie als die „sieben tödlichen Tage“. Foto: epa/Narong Sangnak
Da während der Songkran-Feiertage die meisten Verkehrstoten verzeichnet werden, gelten sie als die „sieben tödlichen Tage“. Foto: epa/Narong Sangnak

Los geht es am Montag, 18. April, wenn sich die Naklua Road im hohen Norden der Stadt in eine Mischung aus Loveparade und Karneval in Rio verwandelt: Johlende, angetrunkene Jugendliche und Erwachsene auf den Ladeflächen von Pick-ups bestimmen das Straßenbild und werden dafür sorgen, dass niemand, der das Haus verlässt, trocken bleiben wird. Unter deutschsprachigen Urlaubern und Residenten gilt traditionell das Pit-Bull-Barcenter an der Ecke zur Soi 33 als Partyzentrale, wo auch in diesem Jahr eine feucht-fröhliche Sause mit einem Gratis-BBQ veranstaltet wird.

Den absoluten Höhepunkt der Feierlichkeiten in Pattaya stellt das große Songkran-Festival auf der Beach Road am Dienstag, 19. April dar, das jedes Jahr in Kooperation mit der thailändischen Fremdenverkehrsbehörde veranstaltet wird. Die Strandstraße wird an diesem Tag komplett für den Verkehr gesperrt und in eine mehrere Kilometer lange Partymeile verwandelt. Wummernde Bässe locken zum ausgelassenen Straßentanz, einst für den Anlass installierte Sprinkleranlagen und Schaumkanonen sorgen für nötige Abkühlung…

Traditionelle Riten

Zu den rituellen Aspekten des Songkranfestes zählen unter anderem Opfergaben, die am Morgen vor Beginn des Wasserfestes in den buddhistischen Tempeln dargebracht werden sowie das Reinigen der Buddha-Statuen mit geweihtem Wasser. Älteren Familienangehörigen wird mit zeremoniellen Handwaschungen Hochachtung erwiesen. Die traditionellen Zeremonien in den Tempeln finden landesweit in den frühen Morgenstunden statt.

Kinderfest

Im Waisenhaus der Human Help Network Foundation Thailand (HHNFT) an der Sukhumvit Road in Pattaya wird am Dienstag, 19. April, 9 Uhr wieder ein Songkranfest zusammen mit den Waisen- und Straßenkindern gefeiert. Die Festlichkeiten beginnen mit traditionellen Zeremonien und fröhlichen Tänzen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen bildet die große Wasserschlacht den krönenden Abschluss. Infos: www.hhnft.org.

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Alkoholkontrollen

Verkehrsteilnehmer müssen zu Songkran landesweit mit Alkoholkontrollen rechnen. Haben Motorisierte zu tief ins Glas geschaut, wird das Fahrzeug mindestens sieben Tage konfisziert, der Führerschein bis zu 30 Tage einbehalten, und es droht die Ausnüchterungszelle. Zudem kann die Teilnahme an einem zweiwöchigen Rehabilitationsprogramm folgen.

Reisewelle

An Songkran benötigen Reisende starke Nerven. Denn während der Feiertage ist das ganze Land auf den Beinen. Landesweit setzt eine Völkerwanderung ein: Jeder möchte das Fest zu Hause im Kreis der Familie feiern. Kilometerlange Staus auf den Autobahnen sowie überfüllte Bahnhöfe und Busstationen sind die Folge.

Keine Mautgebühr

Um lange Staus an den Mautstellen zu verhindern werden von Samstag, 9. April bis Sonntag, 17. April auf zwei Motorways die Mautgebühren ausgesetzt. Freie Fahrt haben Motorisierte auf dem Motorway 7 (Bangkok-Chonburi) und auf der Outer Ring Road/ Motorway 9 (Bangkok-Bang Pa In-Bang Phlii).

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Alois Amrein 19.04.16 23:31
Die Folgen des Klimawandels
Den Bauern verdorrt der Reis auf den Feldern, weil die Regierung nicht fähig ist, ein effizientes Water Management aufzustellen. Wenn die betroffenen Bauern dann für Thaksin und die Redshirts stimmen, ist das dann natürlich auch wieder nicht recht. An vielen Orten wurden die Feierlichkeiten zu Songkran auf 1Tag statt 3 Tage beschränkt, aber leider nicht überall. Angesichts der leeren Stauseen wäre mehr Voraussicht angesagt. Thailand sollte endlich seine wirklichen Probleme anpacken, dazu gehören die Folgen des Klimawandels. Aber dazu scheint keine thailändische Regierung fähig zu sein, weder die aktuelle noch die vorherige. Da braut sich was zusammen, denn die betroffenen Bauern im Norden und im Isaan werden das nicht einfach akzeptieren, wie die Vergangenheit gezeigt hat.

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