Das Vertrauen der Reisfarmer verdorrt in Trockenheit

Ausgedorrt und versandet: Vor allem kleinere Farmbetriebe leiden unter der Dürre 2015. Der Reisanbau ist bis auf weiteres untersagt worden – erst soll der Monsunregen kommen. Foto: epa
Ausgedorrt und versandet: Vor allem kleinere Farmbetriebe leiden unter der Dürre 2015. Der Reisanbau ist bis auf weiteres untersagt worden – erst soll der Monsunregen kommen. Foto: epa

BANGKOK: Mit einem 51,5 Milliarden-Baht Hilfsprogramm will die amtierende Militärregierung das Wassermanagement in Zentral- und Nordthailand verbessern. Trotz dieser Ankündigung bleiben aktuell vor allem kleine Reisbauern auf der Strecke. Ihre Existenz hängt an einem seidenen Faden.

Wirtschaftsminister Chatchai Sarikulya, der auch für die nationalen Wasserressourcen und deren Verteilung zuständig ist, trat gestern mit einem gigantischen Projekt an die Öffentlichkeit. Die katastrophale Dürre dieses Sommers, die tausende von Reisbauern ihrer Ernte beraubt, ist bei der Regierung angekommen. Fehler in der Verwaltung der immensen Wasserreserven der drei Staudämme im Norden sind eingeräumt worden. In der feuchten Jahreszeit war voreilig wertvolles Wasser abgelassen worden – nun sitzen viele Farmer auf dem Trockenen und müssen auf Anordnung von Premierminister Prayuth Chan-ocha sogar die Aussaat ihrer Ernte verschieben.

Dass Prayuth zur Vorbeugung von „Wasserkriegen‘ Armeeeinheiten in die Dürregebiete entsendet hat, die notfalls mit Gewalt gegen rebellierende Reisbauern vorgehen, kam nicht gut an im ehemaligen Hoheitsgebiet von Taksin und Yingluck Shinawatra. Die Stimmung der Reisbauern, die nach dem Militärcoup 2014 noch den neuen Machthabern zugejubelt hatten, kippt.

Wer keinen Reis säen und ernten kann, ist dem Untergang geweiht. Es trifft fast ausschließlich die Kleinen. Den großen Reisbauern mit ihren Vertriebsgenossenschaften, die mit zum Milliardenverlust durch den gigantischen Reisskandal beigetragen hatten, versiegt nur selten der Wasser- und Geldfluss.  

Als Prayuth Chan-ocha im Juli 2014 die um ihren Erntelohn betrogenen Reisfarmer schnell und unbürokratisch entlohnte, flogen ihm die Herzen vieler zu, in deren Wohnzimmern die Fotos des Shinawatra-Clans wie Heiligenbilder aufgestellt standen. Taksin und die von ihm marionettisierten Nachfolger, zuletzt die eigene Schwester Yingluck, bedienten die Klientel der Reisfarmer großzügig im sozialistischen Stil. Das kam an und fühlte sich besser an als die Ignoranz der Eliten in Bangkok. Es sicherte die Macht einer einflussreichen Familie und ihrer Nutzniesser.

Die katastrophale Dürre des Sommers 2015 ist vor diesem Hintergrund gefährlich: politisch, sozial, volkswirtschaftlich. Weitere Missernten und Verdienstausfälle kann kaum eine Reisbauernfamilie kompensieren. Kein Schulgeld für die Kinder, keine Mittel für den Ankauf von Saatgut und die Miete von Erntemaschinen, keinen Baht fürs Überleben. Das ist die Mischung, aus der Revolten entstehen.

Dass Prayuth Chan-ocha eiligst seinen Wirtschaftsminister mit einem Milliardenprojekt für die Wasserversorgung in den Ring schickt, zeigt - die Problematik ist angekommen. Aber: Thailands amtierender Ministerpräsident wird im Norden des Landes nicht nur daran gemessen, wie viele neue Brunnen auf Staatskosten gebohrt werden. Ökonomen in Bangkok warnen schon länger, dass Thailands Reisproduktion und die Qualität der Produkte sinkt, während der Weltmarktpreis anzieht. Die Bauern brauchen mehr als Wasser. Sie brauchen ein tragendes Programm, das den Reisanbau in Thailand wettbewerbsfähig und effizienter macht.

Es wird ein totales Umdenken aller benötigt, um dem Notstand der kleinen Reisbauern Thailands dauerhaft zu begegnen. Wenn die Großgrundbesitzer im Überfluss schwelgen und nebenan die fleißigen Familien brotlos werden, hat diese Regierung strukturpolitisch nichts bewegt. Vielleicht – und das weiß der Premierminister mit seinem Stab – wird das mit darüber entscheiden, wie Thailands innere Zerrissenheit bewältigt werden kann. Die Dürre auf den Feldern ist auch durch jahrzehntelange Dürre in den Köpfen entstanden. 

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Alois Amrein 26.06.15 10:38
Leere Versprechen von Prayuth
Sehr interessanter Beitrag, wenn auch nicht in allen Teilen korrekt. Es könnte durchaus sein, dass der Isaan über die Zukunft von Prayuths Militärregierung entscheidet. Bisher hat er nämlich nur leere Versprechen gemacht, ohne die Probleme wirklich anzupacken. Als Repräsentant der Gelbhemden und der Bangkoker Elite scheint er auch kein oder nur minimes Interesse daran zu haben. Doch wer die Probleme der Reisbauern in Thailand nicht ernst nimmt, wird auf Dauer nicht überleben. Die Militärregierung spricht zwar von "Happiness for the people", weigert sich aber, den Mindestlohn von 300 auf 340 Baht zu erhöhen, und jetzt noch Konflikte mit den Reisbauern. Das Ende der Regierung ist programmiert, da sie nicht fähig ist, die Probleme der einfachen Leute zu lösen.
Jürgen Franke 25.06.15 23:14
Herr Keasling
Sie konnten sich wieder einen Seitenhieb auf Deutschland nicht verkneifen, weil nicht jeder begreift oder begreifen will, dass in Deutschland eine vom Volk gewählte Regierung am Ruder ist. In Thailand muss erst noch gewählt werden. Warten Sie doch erst mal das Ergebnis ab. Aber Demokratie ist nicht ganz einfach, wie die Griechen nun erfahren, da dort eine Regierung gewählt wurde, von Menschen, die auf die Wahlversprechungen reingefallen sind. Denn bevor man wählen geht, ist es empfehlenswert, sein Gehirn einzuschalten. Ich hoffe, in Thailand wird klüger gewählt, ohne große Wahlversprechungen. Und nochmals: Geld regiert die Welt, auch wenn es Ihnen nicht gefällt. Noch nicht gemerkt: Die Militärregierung gehört glücklicherweise zur Oberschicht.
Andreas Keasling 25.06.15 15:21
Ein Beitrag der uneingeschränkt meine Zustimmung findet!
Während überall auf der Welt die Großgrundbesitzer im Überfluss schwelgen und nebenan die fleißigen Familien brotlos werden, macht diese Militärregierung Hoffnung, denn überall auf der Welt, auch in Deutschland versagen die Regierungen. Sie bewegen in der Tat strukturpolitisch nichts. Da gibt es Wenige wie diese Militärregierung, oder die Regierung in Griechenland, die sich dagegen stemmen wollen. Allein, sie sind auf weiter Flur allein gelassen. Denn Geld regiert die Welt, nicht Regierungen. Es ist schön zu sehen dass das in Thailand noch anders ist. Hier bestimmt noch die Militärregierung und nicht nur die Oberschicht mit ihrem Geld.

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