Daimler unter Druck wegen Dalai-Lama-Zitat

Foto: epa/Jagadeesh Nv
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Peking (dpa) - Der deutsche Autobauer Daimler hat eine Kontroverse ausgelöst, weil er sich in China für die Nutzung eines Dalai-Lama-Zitates entschuldigt hat. Die Menschenrechtsorganisation International Campaign for Tibet (ICT) bezeichnete die Entschuldigung in einer Mitteilung am späten Dienstagabend als einen «beschämenden Kotau vor der Diktatur.»

Daimler hatte zuvor auf Instagram ein Bild eines Mercedes zusammen mit dem Schriftzug «Betrachte Situationen von allen Seiten und Du wirst offener» veröffentlicht, ein Zitat des tibetischen Führers. Eine Sprecherin des Autobauers bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der Beitrag gelöscht wurde, nachdem es Beschwerden chinesischer Internetnutzer gab.

Damit sich Vorfälle dieser Art nicht wiederholen, werde man «sofort Maßnahmen ergreifen, um das Verständnis der chinesischen Kultur und Werte zu vertiefen», hieß es zudem in einer auf dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo von Mercedes verbreiteten Mitteilung.

Kritik für die Entschuldigung erntete der Autobauer auch von Michael Bran, dem Menschenrechtspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. «Wenn Rückgratlosigkeit ausgezeichnet werden würde, dann hätten die Mercedes-Manager den ersten Preis für ihr peinliches Verhalten verdient» teilte Brand mit. «Der Konzern sollte sich nicht bei der chinesischen Regierung entschuldigen, sondern schleunigst beim Dalai Lama und den Tibetern.»

Zuletzt gab es eine ganze Reihe ähnlicher Vorfälle, bei denen sich ausländische Firmen nach Kritik aus China entschuldigen mussten, darunter die Hotelkette Marriott und die Fluggesellschaft Delta.

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Comments

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LeO-Friedl Paierl 09/02/2018 06:34
Traurig, aber wahr!
Eine Ziege und eine Schnecke machen ein Wettrennen um einen Häuserblock, wobei die Schnecke siegte. Fragt die Ziege erstaunt: wie hast du das geschafft? Antwortet die Schnecke: kriechen muss man, nicht meckern!
Hans-Gerd Englich 08/02/2018 14:35
Daimler unter Druck wegen Dalai-Lama-Zitat
Ein Zitat des Dalai Lama zu Werbezwecken zu nutzen zeugt schon von einer gewissen Geschmacklosigkei. Sich dann aber auch noch für dieses Zitat, welches in China genutzt wurde zu entschuldigen, weil die chinesische Regierung den Dalei Lama und Alles, was mit Ihm zusammenhängt nicht duldet, ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit und zeigt wie Rückratlos der oder die entscheidenden Manager sind. Ganz zu schweigen vom Fehlen jeglicher Empathie. Aber was will man von diesen Leuten schon erwarten, die warscheinlich alles tun würden, um Ihre Wahre an den Mann oder die Frau zu bringen. Eine notwendige Entschuldigung beim Dalai Lama, wird es sicherlich nicht von diesen Bucklern geben. Ein Schlag ins gesicht für Viele. Ja, nicht jeder Stern leuchtet!
Jürgen Franke 07/02/2018 21:37
In der Realität stehen wirtschaftliche
Verpflichtungen bedauerlicherweise vor Menschenrechte.
Dagmar Rachbauer 07/02/2018 21:26
Steh zu dem, was Du schreibst
Warum kann man als Firma nicht zu dem stehen, was man schreibt sondern gibt alle Macht an den ¥? Noch dazu als Deutsche...einem Diktatur kleinbeigeben...