Anti-Drogen-Kampf: sechs Tote auf Philippinen

Foto: epa/Robert Dejon
Foto: epa/Robert Dejon

MANILA (dpa) - In dem vom Präsidenten verordneten kompromisslosen Kampf gegen den Rauschgifthandel haben Polizisten auf den Philippinen sechs Männer erschossen. Es waren Anhänger eines Bürgermeisters und dessen Sohnes, die Präsident Rodrigo Duterte des Drogenhandels bezichtigt hatte. Als die Polizei am Mittwoch zum Haus des Bürgermeisters in Albuera kam, sei das Feuer auf sie eröffnet worden, berichtete ein Polizeisprecher. Bei der anschließenden Schießerei seien sechs Anhänger des Bürgermeisters erschossen worden.

Duterte hatte dem Bürgermeister und seinem Sohn ein Ultimatum gestellt, sich zu ergeben und andernfalls mit Erschießung gedroht. Der Vater stellte sich am Dienstag, aber der Sohn war flüchtig. Der Vater beteuerte seine Unschuld, räumte aber ein, dass sein Sohn ein Drogendealer sei. Polizeichef Ronald Dela Rosa drängte den Sohn, sich zu stellen. «Ansonsten wirst Du sterben», sagte er.

Duterte ist mit dem Versprechen, die Drogenkriminalität auszurotten, im Mai mit großer Mehrheit gewählt worden. In seiner Heimatstadt Davao wurden in seiner langjährigen Amtszeit als Bürgermeister Hunderte mutmaßliche Dealer getötet. Menschenrechtler werfen Duterte vor, Todesschwadronen geduldet zu haben. Seit seinem Amtsantritt sind nach Polizeiangaben mindestens 400 mutmaßliche Drogendealer getötet worden.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
dodojero 08.08.16 17:38
Im Krieg gibt es immer Opfer
Dass auch das eine oder andere unschuldige Opfer dabei ist, das kann bei einem Krieg (hier ist es ein Krieg gegen die Drogenkriminalität) nie ausgeschlossen werden. Ist zwar bedauerlich, aber anders geht es nicht vorwärts. Hier hilft nur ein Rundumschlag. Andere Länder sollten nachziehen. Schon bald wäre der weltweite Drogenhandel auf ein Minimum reduziert. Weiter so!
Dracomir Pires 05.08.16 11:47
Menschenrechtler?
Unter dem Strich sind Menschenrechtler allzu oft nur Handlanger der Kriminellen. Nicht nur auf den Philippinen.
Ingo Kerp 04.08.16 12:09
Der philippinische Präsident
bezichtigt jemanden des Drogenhandelns und schon ist man tot. Keiner prüft ob es stimmt, kein Gericht nimmt eine Gerichtsverhandlung vor, bis zu deren Urteil die Unschuldsvermutung gilt. Dein Nachbar paßt Dir nicht, sag er sei ein Drogendealer, schon wird die Wohnung frei. 400 mutmaßliche Drogendealer sind schon tot. Keiner weiß ob sie wirklich schuldig waren. Macht sich gut bei den Touris, wenn ein paar erschossene Leichen vor dem Hotel oder am Strand liegen.

Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.