Wenn der Akku nicht mehr richtig lädt

Früher hat Julia fast jede freie Minute bei ihrem Pferd Gellir verbracht. Heute strengt sie schon die Autofahrt zum Stall sehr an. Foto: Charlotte Erdmann/dpa
Früher hat Julia fast jede freie Minute bei ihrem Pferd Gellir verbracht. Heute strengt sie schon die Autofahrt zum Stall sehr an. Foto: Charlotte Erdmann/dpa

BERLIN: – Julia war ständig auf den Beinen: Die Zwölfjährige hat Sport gemacht, getanzt und viel Zeit mit ihren Freunden verbracht. Dann steckte sie sich zum zweiten Mal mit dem Corona-Virus an. Danach wurde Julia plötzlich sehr krank. «Ein Vierteljahr lag ich fast nur im Bett», erzählt die Schülerin. Sie hat Post Covid.

Davon spricht man, wenn Kinder sich auch zwei bis drei Monate nach einer Corona-Erkrankung nicht wieder erholt haben. Dauert es nur einige Wochen, sagt man meist Long Covid dazu. Viele verschiedene Symptome

Betroffene sind oft kraftlos und haben Schmerzen oder Atemprobleme. «Es gibt mehr als 200 verschiedene Symptome und deshalb keinen einfachen Test, um die Krankheit festzustellen», sagt der Arzt Daniel Vilser. Häufig kommt es auch zu einer Art Nebel im Gehirn. «Man kann sich Dinge nicht mehr gut merken und braucht für Aufgaben länger.»

Bei den meisten Menschen erholt sich der Körper im Schlaf. Man kann sich das vorstellen wie einen Akku, der auflädt. Bei Kindern mit Long Covid funktioniert das anders. Ihr Akku lädt nicht mehr richtig und ist deshalb schnell wieder leer. Genug Pausen einlegen

Deshalb rät der Arzt: «Wichtig ist, immer genug Pausen zu machen.» Denn überanstrengen sich Kinder mit Long Covid, fühlen sie sich am nächsten Tag noch schlechter.

Das kennt auch Julia. Sie erzählt: «Wenn ich an einem Tag zu lange spiele oder unterwegs bin, kann ich am nächsten Tag nicht zur Schule oder in den Stall fahren.» Früher ist Julia oft auf ihrem Pferd geritten. Inzwischen geht es zwar wieder, aber viel seltener als früher.

Manche Kinder brauchen Monate oder Jahre, um sich zu erholen. Bei einigen bleibt die Krankheit für immer. Wie viele an Post Covid erkrankt sind, weiß man nicht genau. Daniel Vilser vermutet, dass es mehrere zehntausend sind. Andere gehen von noch viel mehr aus. Verständnis für erkrankte Kinder

«Manche denken, diese Kinder müssten an die frische Luft und sich bewegen, um gesund zu werden», sagt Katja Sielemann vom Verein «NichtGenesenKids». Der Verein unterstützt betroffene Familien wie die von Julia. «Bei Long Covid ist es besser, genau auf den eigenen Körper zu hören, was er noch schafft», sagt Frau Sielemann.

Medikamente helfen Julia, etwas stärker zu werden. Sie kann jetzt wieder zur Schule gehen. Manchmal schafft sie zwei Tage pro Woche, manchmal auch mehr.

Julia hat Glück, denn ihre Lehrer unterstützen sie sehr. «Sie sagen, meine Gesundheit ist das Wichtigste.» Es sei egal, wenn sie für den Lernstoff länger brauche. «Das würden wir uns für alle kranken Kinder wünschen», sagt Katja Sielemann.

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