ISLAMABAD/MUZAFFERABAD: Seit Anfang Juni wird in Kaschmir gegen das Wahlrecht demonstriert. Jetzt beginnen die Regionalwahlen. Warum gibt es die Proteste?
Nach fast zweimonatigen Protesten mit Toten und Verletzten beginnen im pakistanisch verwalteten Kaschmir Regionalwahlen. Seit dem Morgen können Menschen in der Region Mirpur abstimmen, während andere Wahlkreise Anfang August folgen sollen, wie die Wahlbehörde mitteilte.
Seit Anfang Juni kommt es in der Region zu Protesten gegen das örtliche Wahlrecht. Das lokale Netzwerk JAAC hatte sich vor den Wahlen für eine Änderung von dessen Zusammensetzung eingesetzt und war verboten worden. Es folgten wochenlange Sitzproteste, eine weitgehende Internetsperre und in einigen Orten sind Schulen, Geschäfte und Banken geschlossen.
Demonstranten: Wahlrecht erlaubt Einmischung von außen
Die Himalaya-Region Kaschmir wird von den Atommächten Indien und Pakistan beansprucht. Beide Staaten kontrollieren jeweils einen Teil des Gebiets. Seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft und der Teilung Britisch-Indiens im Jahr 1947 kam es dort wiederholt zu bewaffneten Konflikten zwischen beiden Ländern. Die aktuellen Wahlen spielen sich im pakistanisch kontrollierten Teil Asad Jammu und Kaschmir ab.
Das Wahlrecht dort erlaubt, dass in Pakistan lebende Flüchtlinge aus dem indischen Kaschmir auch von anderen Provinzen aus für die Lokalregierung im pakistanischen Kaschmir abstimmen dürfen. Beobachter sowie Demonstranten sehen darin die Möglichkeit zur Einmischung der Zentralregierung in Islamabad in örtliche Angelegenheiten.
Tote nach Protesten
Nach Angaben der JAAC sind in den vergangenen Wochen 40 Demonstranten bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften getötet worden. Sechs Sicherheitskräfte seien getötet worden, sagte zuletzt ein Polizeisprecher.
Die Stadt Rawalakot gilt als Zentrum der Proteste. Pakistanische Sicherheitskräfte kontrollieren dort den Personen- und Warenverkehr. Menschen aus der Stadt berichten von massiven Einschnitten. «Dort wurden Nahrungsmittel knapp und daher musste ich meine Familie dort herausholen», sagte Haris Qadeer, ein freier Journalist aus Rawalakot der Deutschen Presse-Agentur.
Am Sonntag hatte Pakistans Informationsminister, Attallah Tarar, der JAAC Unterstützung durch den Erzrivalen Indien vorgeworfen. JAAC weist die Vorwürfe zurück.