Unterschätzte Strandperle Koh Larn

Von der chinesischen Enklave zum reizvollen Inselgeheimtipp

Check-in am Beach.
Check-in am Beach.

PATTAYA: Wurde Koh Larn in Vor-Corona-Zeiten zwischen Dezember und April von vorwiegend chinesischen Gruppenreisenden nahezu überrannt, geht es derzeit auf dem Pattaya vorgelagerten Eiland lediglich an Wochenenden und an Feiertagen lebhaft zu. Um den Inlandstourismus anzukurbeln, wurden an den Stränden der Insel dekorative Selfie-Hotspots installiert, die als Check-in-Punkte für soziale Netzwerke dienen. Überhaupt hat sich auf der beliebten Badeinsel vieles verändert – und das meist zum Positiven!.

Quitschbunte Badeutensilien warten am Samae Beach auf ihren Einsatz. Der zuvor bei russischen und deutschsprachigen Urlaubern beliebte Strand ist derzeit jedoch verwaist. Foto: Jahner
Quitschbunte Badeutensilien warten am Samae Beach auf ihren Einsatz. Der zuvor bei russischen und deutschsprachigen Urlaubern beliebte Strand ist derzeit jedoch verwaist. Foto: Jahner
Check-in-Punkte am Strand sollen Besucher anlocken. Foto: Jahner
Check-in-Punkte am Strand sollen Besucher anlocken. Foto: Jahner

War ein Besuch auf Koh Larn vor zwei Jahren noch bei vielen westlichen Urlaubern und Residenten wegen des dort vorherrschenden chinesischen Massentourismus verpönt, hat die durch Corona erzwungene Verschnaufpause dem Pattaya vorgelagerten Eiland sichtlich gut getan: Der viele Jahre lang in den Himmel stinkende Müllberg nahe dem Samae Beach wurde abgetragen und auf dem Festland entsorgt, die Strände bieten seit dem Ausbleiben der Touristenmassen im Vergleich zu früher sehr viel Privatsphäre und auch die Wasserqualität erlaubt ungetrübte Badefreuden. Die Neuausrichtung der Insel auf Inlandstouristen hat zudem zur Eröffnung vieler neuer Boutique-Resorts und zu einer Belebung des gastronomischen Angebots der Insel geführt. Allesamt positive Entwicklungen, weshalb es sich durchaus lohnt, mal wieder vorbeizuschauen!

Ob gemächlich mit der Fähre oder rasant mit dem Speedboat – die Anreise nach Koh Larn beginnt bei allen Besuchern am Hafen Bali Hai im südlichen Stadtgebiet von Pattaya. Bevor die Ausflügler die Anlegestelle betreten dürfen, müssen sie erst eine Corona-Hygieneschleuse durchlaufen, die sich im Hafengebäude vor dem Pier befindet. Vorausgesetzt wird die Installation der MorChana-App auf dem Smartphone zur Personenrückverfolgung, sollte ein Covid-19 Fall auftreten, sowie die obligatorische Temperaturmessung und Händedesinfektion.

Mit der Fähre beginnt der Urlaub

Touristenexodus: Jede Menge freie Strandliegen am Samae Beach. Wer Ruhe am Strand sucht, der findet sie hier. Foto: Jahner
Touristenexodus: Jede Menge freie Strandliegen am Samae Beach. Wer Ruhe am Strand sucht, der findet sie hier. Foto: Jahner

Erfreulich: Der Fahrpreis zu der ca. sieben Kilometer vor der Küste Pattayas liegenden Insel kostet wie auch in Vor-Corona-Zeiten unverändert lediglich 30 Baht pro Person. Positiv fällt auch der gute Zustand der Fähren auf, die modernisiert wurden und im Vergleich zu früher keinen Zweifel an deren Sicherheit aufkommen lassen. Vor dem Ablegen wird zudem sichergestellt, dass alle Passagiere eine Schwimmweste angelegt haben.

Von Pattaya zum Na-Baan-Pier, dem Hauptpier der Insel, erfolgen täglich sieben Fahrten: Um 07.00, 10.00, 12.00, 14.00, 15.30, 17.00 und 18.30 Uhr.

• In Gegenrichtung, vom Na-Baan-Pier nach Pattaya, werden täglich acht Fahrten angeboten: um 06.30, 07.30, 09.30, 12.00, 14.00, 15.30, 17.00 und 18.00 Uhr.

Die Fähre ist das zuverlässigste Transportmittel zwischen Pattaya und Koh Larn. Der Fahrpreis beträgt 30 Baht. Foto: Jahner
Die Fähre ist das zuverlässigste Transportmittel zwischen Pattaya und Koh Larn. Der Fahrpreis beträgt 30 Baht. Foto: Jahner

Die Fahrtzeit beträgt in beide Richtungen ca. 40 Minuten. Auskünfte werden unter den Rufnummern 089-244.9020 und 086-996.6743 erteilt. Schneller erreicht man das Eiland mit dem Speedboat, was jedoch – besonders bei rauer See – ein abenteuerliches Unterfangen sein kann, das nicht jedermanns Geschmack ist. Der Fahrpreis beträgt 300 Baht pro Person.

Beach-Club-Feeling am Tawaeng Beach: Nach dem Abzug der Chinesen ist der schönste Strand der Insel wieder fest in thailändischer Hand. Im Bild der Bereich vor der Mare Beachbar. Foto: Jahner
Beach-Club-Feeling am Tawaeng Beach: Nach dem Abzug der Chinesen ist der schönste Strand der Insel wieder fest in thailändischer Hand. Im Bild der Bereich vor der Mare Beachbar. Foto: Jahner
Auch dieser Hund outet sich als Selfie-Fan. Foto: Jahner
Auch dieser Hund outet sich als Selfie-Fan. Foto: Jahner

Auf dem Eiland angekommen, erfolgt für diejenigen, die eine oder mehrere Nächte bleiben möchten, zunächst der Transfer zur gebuchten Unterkunft. Hierbei ist anzumerken, dass die meisten Resorts, die sich nicht im direkten Umfeld des Na-Baan-Piers befinden, einen kostenlosen Abholservice anbieten, insofern dies im Vorfeld vereinbart wurde. Als Alternative stehen Motorradtaxis zur Verfügung, deren Fahrer an der Anlegestelle um Kundschaft buhlen. Tagesausflügler, die lediglich für einige Stunden zum Baden auf die Insel kommen, stehen vor der Entscheidung, welchen der sechs Strände der Insel sie besuchen möchten: Tawaen Beach, Samae Beach, Nual Beach (Monkey Beach), Ta Yai Beach, Tien Beach oder Tong Lang Beach. Wer als Selbstfahrer die Strände der Insel erkunden möchte, der kann im direkten Umfeld vom Na-Baan-Pier Motorroller der gängigen Marken wie Honda und Yamaha zu einer Tagesmiete von zumeist 300 mieten. Auffallend: Fast alle Vermieter bieten neue, hervorragend gewartete Modelle an. Bei vielen Resorts ist ein Mietmotorrad zudem bereits im Zimmerpreis inklusive, jedoch zumeist nur bei Direktbuchung und nicht über Buchungsportale wie Agoda oder Booking.com. Wer keine Motorradfahrpraxis hat, der sollte jedoch die Finger davon lassen. Denn die Straßen auf Koh Larn gleichen gepflasterten Pfaden, die sehr schmal und oftmals mit Sand bedeckt sind, sowie an vielen Stellen ein extremes Gefälle aufweisen, wodurch das Unfallrisiko steigt.

Die außergewöhnlichste Unterkunft ist die Sangwan Beach Villa. Genächtigt wird in Komfortzelten direkt am Strand. Foto: Sangwan Beach Villa
Die außergewöhnlichste Unterkunft ist die Sangwan Beach Villa. Genächtigt wird in Komfortzelten direkt am Strand. Foto: Sangwan Beach Villa

Hauptverkehrsmittel auf Koh Larn sind deshalb – wie auch in Pattaya – Pick-up-Taxis (Songthaews), die ab dem Markt von Na Baan, direkt gegenüber vom sehenswerten Wat Koh Larn, alle Strände der Insel ansteuern. Fahrpreis: 40 bis 50 Baht pro Person, je nach Entfernung. Da die Abfahrt erst dann erfolgt, wenn genug Fahrgäste zusammengekommen sind, was angesichts der derzeit niedrigen Besucherzahlen durchaus eine Weile dauern kann, könnte der Abfahrtsort nicht besser gelegen sein: Denn auf dem Markt kann man sich wunderbar mit Proviant für den Strandbesuch zum günstigen Preis eindecken. Das Angebot umfasst gegrillte und frittierte Hühnerschenkel, Fleischspießchen in allen Variationen, Som Tum (Mango-Salat), Klebreis, Yum Wun Sen (Glasnudelsalat) und vieles mehr.

Verwaiste Selfie-Spots

Das brandneue Resort befindet sich nur einen Steinwurf vom Tawaeng Beach entfernt und ist ideenreich gestaltet. Foto: Sangwan Beach Villa
Das brandneue Resort befindet sich nur einen Steinwurf vom Tawaeng Beach entfernt und ist ideenreich gestaltet. Foto: Sangwan Beach Villa

Das Ausbleiben der internationalen Touristen ist besonders an den Stränden unübersehbar: Galt der 500 Meter lange Samae Beach in Vor-Corona-Zeiten als Hotspot von überwiegend russischen aber auch deutschen Besuchern, die es sich hier in hunderten, eng aneinandergereihten Liegestühlen der kleinen Strandrestaurants bequem machten, stundenlang im Meer planschten oder den Service der fliegenden Masseurinnen in Anspruch nahmen, ist von der Lebhaftigkeit vergangener Tage nichts mehr zu spüren. Selbst an Sonntagen, an denen man früher nur mit Mühe und Not eine freie Sonnenliege ergattern konnte, ist man hier heutzutage fast allein am Strand. So romantisch sich die neue Einsamkeit am zuvor bei Europäern populärsten Strand auch gestaltet, hat sie leider auch zur Folge, dass die gesamte Infrastruktur zusammengebrochen ist und verwahrlost erscheint, worüber auch nicht die farbenfrohen, dekorativen Selfie-Spots hinwegtäuschen können, die hier direkt im Sand installiert wurden.

In den Abendstunden ist Camping & Bed Koh Larn ein Magnet für hungrige, hübsche, junge Inlandstouristinnen. Foto: Camping & Bed Koh Larn
In den Abendstunden ist Camping & Bed Koh Larn ein Magnet für hungrige, hübsche, junge Inlandstouristinnen. Foto: Camping & Bed Koh Larn

Die meisten Besucher zieht es deshalb gleich zum 700 Meter langen Tawaen Beach, der bereits in Vor-Corona-Zeiten wegen seines weißen Sandstrandes und kristallklaren Wassers die höchsten Besucherzahlen erzielte. Drängten sich hier vor zwei Jahren noch Tausende Tagesausflügler aus der Volksrepublik, was besonders bei Europäern zu einer Flucht zum Samae Beach geführt hat, ist die traumhafte Badebucht heutzutage wieder fest in thailändischer Hand, auch wenn das Besucheraufkommen zahlenmäßig weit entfernt ist von der chinesischen Invasion der Vergangenheit. Für die in den Vorjahren vergraulten Farangs ist deshalb jetzt der perfekte Zeitpunkt, um dem Tawaen Beach eine zweite Chance zu geben – sie werden nicht enttäuscht!

Jede Menge Beach Club Feeling

Le Wave befindet sich gleich neben der Sangwan Beach Villa und gilt als derzeit angesagteste Beach Bar der Insel. Foto: Le Wave
Le Wave befindet sich gleich neben der Sangwan Beach Villa und gilt als derzeit angesagteste Beach Bar der Insel. Foto: Le Wave

Zum Baywatch-Spot schlechthin hatsich Mare Beachbar & Restaurant Koh Larn entwickelt, zu erkennen an den vielen bequemen orangenen Sitzkissen, die direkt vor dem Sundowner-Treff im Sand platziert sind. Mit ihrer tropischen Bambus-Bar mit Sitzplätzen direkt am Tresen, ihrem stilvollen Restaurant mit weißen Baldachin-Logen sowie dekorativen Surfbrettern, Zelten und Wegweisern als Foto-Motive, ist die Beach Club ähnliche Strandlokalität ein Magnet für die Generation Selfie. Dort fühlen sich aber auch alle anderen Gäste wohl, die mit einem Cocktail oder Mocktail den Müßiggang des Lebens in vollen Zügen genießen möchten. Einen ähnlichen Charme versprüht สุขเสมอ – Camping & Bed Koh Larn. Das mit Liegestühlen und bequemen Sitzkissen ausgestattete Strandrestaurant ist bei Thais aus der Mittelschicht wegen seiner hervorragendem Seafood-Auswahl sehr beliebt, weshalb es hier zumeist erst nach Sonnenuntergang voller wird. Obendrein werden hier auch moderne, in weiß gehaltene Gästezimmer angeboten, die mit 2.000 bis 3.500 Baht pro Nacht jedoch nicht zu den güns­tigsten Unterkünften der Insel zählen, Komfort und Strandlage haben eben ihren Preis!

Chillout mit Schwein und Badewanne

Ein Hängebauchschwein ist der Liebling aller Gäste, die fleißig Selfies mit dem Borstenvieh am Strand schießen. Foto: Le Wave
Ein Hängebauchschwein ist der Liebling aller Gäste, die fleißig Selfies mit dem Borstenvieh am Strand schießen. Foto: Le Wave

Zu den neuesten und gewiss auch spektakulärsten Unterkünften gehört Sangwan Beach Villa am gleichnamigen Sangwan Beach, der direkt an den Sawaeng Beach angrenzt. Hier nächtigen die Gäste in Luxuszelten, die von Luigi Colani gestaltet sein könnten, direkt am Strand und ausgestattet mit Klimaanlage, Kühlschrank, einem bequemen Bett sowie mit Badezimmer und Toilette. Das gesamte Resort ist ideenreich gestaltet und möbliert, gechillt wird hier zum Beispiel in ausrangierten Badewannen anstatt in gewöhnlichen Strandliegen! Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich mit Le Wave die angesagteste Beach Bar der Insel, die erst Ende Februar dieses Jahres eröffnet wurde und als Maskottchen ein gemächlich über den Strand oder auch durch die Bar schlenderndes Hängebauschwein besitzt, das die Herzen der Besucher im Sturm erobert hat! Serviert werden gut geschüttelte Cocktails und Mocktails, eiskaltes Bier sowie Pizza und leckere Snacks.

Alle Neuheiten auf Koh Larn aufzuzählen, würde gewiss eine ganze Ausgabe des Magazins DER FARANG füllen. Daher mehr sollten ausländische Urlauber und Residenten jetzt einen Aufenthalt auf dem malerischen Eiland einplanen, bevor die internationalen Touristenmassen eintreffen.

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