ATHEN: Ein belgischer Sammler bietet Fotos einer NS-Hinrichtung von 200 Menschen in Griechenland an. Warum die Bilder als historisch einzigartig gelten und was jetzt mit ihnen passieren soll.
Gut acht Jahrzehnte nach der Hinrichtung von 200 Griechen im Athener Vorort Kaisariani sind erstmals Fotos der Erschießung während der Nazi-Besatzung aufgetaucht. Sie sollen die Tat zeigen und wurden zunächst von einem belgischen Sammler auf der Plattform eBay zum Verkauf angeboten. Bislang war kein Bildmaterial dieser Hinrichtung bekannt. Entdeckt wurden die Aufnahmen von der Facebook-Gruppe «Greece at WWII Archives», die regelmäßig Dokumente und Bilder aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs veröffentlicht.
Regierung prüft Echtheit
Die Fotos sollen die letzten Momente der in ihrer Mehrheit kommunistischen Widerstandskämpfer vor ihrer Erschießung am 1. Mai 1944 dokumentieren. Die griechische Regierung leitete ein Verfahren zur möglichen Übernahme der Fotos ein. «Unter der Voraussetzung, dass deren Eigentümer die Echtheit nachweisen können oder einer Überprüfung durch die vom Kulturministerium bestimmten Experten zustimmen», sagte Regierungssprecher Pavlos Marinakis. Unterdessen wurden mindestens zwei der auf den Fotos abgebildeten Männer von Angehörigen erkannt, berichtete die Athener Zeitung «Ta Nea».
Anbieter stoppt Auktion
Der Anbieter der Fotos, der belgische Sammler Tim de Craene, sagte der Athener Zeitung «Kathimerini», er habe die geplante Auktion auf eBay persönlich gestoppt. Er verstehe, dass die Bilder besonders sensibel seien, sagte er dem Blatt. Zugleich forderte er die Anerkennung seiner rechtlichen Eigentümerschaft und erklärte sich zu Gesprächen mit den griechischen Behörden bereit.
Die 200 Griechen waren am 1. Mai 1944 als Vergeltung für den Tod von vier Wehrmachtsoldaten in Südgriechenland hingerichtet worden. Fünf Monate später verließ die Wehrmacht unter dem Druck der vorrückenden Roten Armee in Eile den Südosten Europas.