Das Alter im Paradies genießen

Bessere Pflege und mehr Lebensqualität im Ruhestandsparadies Thailand

Sorgenfreier Ruhestand in Thailand. Foto: aletia2011
Sorgenfreier Ruhestand in Thailand. Foto: aletia2011

Lange Wartezeiten und steigende Kosten für einen Pflegeplatz in der Heimat zählen zu den Gründen, weshalb sich immer mehr Rentner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dazu entscheiden, ihren Lebensabend in den Tropen zu verbringen.

Am Himmel hängt eine graue Wolkendecke, Regentropfen prasseln auf die Dächer und künden den endenden Sommer an. Ein Blick aus dem Fenster, der einen frösteln lässt. Doch auch drinnen, im geheizten Zimmer im Pflegheim macht sich Kälte breit: Gefühlskälte, Einsamkeit. So hat man sich seinen goldenen Herbst des Lebens nicht vorgestellt. Viel Reisen und dort überwintern, wo stets die Sonne scheint. So war es geplant, doch das Schicksal wollte es anders: Der geliebte Lebenspartner verstirbt plötzlich ohne Vorwarnung, ein Unfall zerstört die eigene Individualität und Unabhängigkeit mit einem Schlag. Statt den Müßiggang des Lebens auf der Sonnenseite des Lebens zu genießen, bestimmt plötzlich Abhängigkeit und Tris­tesse aus Zweckmäßigkeit mit Krankenhauscharakter ausgerechnet die Lebensphase, der man so lange entgegengefiebert hat.

Die stets sommerlichen Tropentemperaturen wirken sich nicht nur positiv auf lästige Beschwerden des Alters wie Rheuma aus, sondern sorgen auch für ein sonniges Gemüt. Foto: Mirko / Fotolia.com
Die stets sommerlichen Tropentemperaturen wirken sich nicht nur positiv auf lästige Beschwerden des Alters wie Rheuma aus, sondern sorgen auch für ein sonniges Gemüt. Foto: Mirko / Fotolia.com

Ob Pflegefall oder rüstiger Rentner: Immer mehr deutschsprachige Ruheständler streichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Segel und verlegen ihren Lebensmittelpunkt nach Thailand. Während auf medizinische Betreuung angewiesene Senioren oder die mit der Pflege völlig überforderten Angehörigen – sei es aus beruflichen oder auch psychischen Gründen – auf die unzumutbar langen Wartezeiten und dras­tisch steigenden Pflegekos­ten verweisen, wollen aktive Rentner ihren Lebensabend zu einem akzeptablen Preis so sorglos und komfortabel wie nur möglich verbringen. In einem serviceorientierten Umfeld zu leben, in dem jede erdenkliche Hilfestellung oder Pflegeleistung wie auf Knopfdruck schnell und unkompliziert hinzugebucht werden kann, ist für sie eine attraktive Option.

Alternative zum Pflegenotstand

So unterschiedlich die Beweggründe für Pflege oder Ruhestand in Thailand auch sind,  eines haben sie eines gemeinsam: den Kostenfaktor.

Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung können sich in der Heimat heutzutage nur noch die wenigsten Privilegierten leisten. Und selbst wenn, übersteigen die Kosten nicht selten die tatsächlich gebotene Qualität. Personalmangel, schlechte Gehälter und teils katastrophale Arbeitsbedingungen schließen eine gute Pflege bereits von vornherein aus. So gestehen Pflegekräfte unter Zusicherung der Anonymität, dass in vielen Einrichtungen selbst der minimale Grundsatz „satt, sauber, schmerzfrei“ nicht mehr gewährleistet werden kann. Auch davon, Kranken und ihren Angehörigen in der belastenden Situation beizustehen, sie zu beraten oder ihnen zuzuhören, könne längst keine Rede mehr sein. Was zurückbleibt, sind hilflose, vereinsamte Patienten und überfordertes, ausgebranntes Personal. Nach Einschätzungen von Wissenschaftlern ist das eklatante Behandlungsdefizit dafür verantwortlich, dass 25 bis 45 Prozent der über 65-Jährigen in Pflegeheimen unter Depressionen leiden.

Doch auch im Alltag außerhalb der Heime beklagen immer mehr ältere Menschen, dass ihre Heimat immer teurer und gefühlloser wird. Viele empfinden zudem ein Desinteresse ihrer Umwelt. Wenn dann auch noch der Partner stirbt, der zuvor Lebensmittelpunkt war, bleibt ein großes Loch zurück. Die Tage verlieren auf einmal ihre gewohnte Struktur, ein Gefühl der Leere entsteht. Ein Phänomen, das Psychologen als „Bore-out“ bezeichnen, abgeleitet von „Boredom“ bzw. Langeweile, was wiederum Depressionen hervorrufen kann, wovon fünf bis zehn Prozent der Senioren leiden, die zuhause wohnen.

Menschlichkeit statt Desinteresse

Der Pflegenotstand in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat im fernen Thailand im Laufe der letzten Jahre eine boomende Industrie entstehen lassen, die sich bemüht zeigt, die in der Heimat entstandene Lücke zu füllen. Alle Anbieter haben gemein, dass der persönliche, menschliche Kontakt und die individuellen Bedürfnisse ihrer Gäste – auf das Wort „Patienten“ wird in allen Einrichtungen bewusst verzichtet – im Mittelpunkt ihres Pflegekonzeptes stehen, weshalb auch der Umfang der Pflege von Gast zu Gast variieren kann. Die meisten Altersresidenzen – auch hier verzichtet man auf das Wort „Pflegeheim“ – werden von deutschsprachigen Ausländern betrieben, die entweder durch einen Pflegefall in der eigenen Familie den Weg zur menschenwürdigen Pflege in Thailand gefunden haben oder das finanzielle Potential der jungen Branche entdeckt haben.

Viele Ruheständler schätzen besonders, den Lebensabend mit Gleichgesinnten in der Gemeinschaft zu verbringen. Foto: Monkey Business / Fotolia.com
Viele Ruheständler schätzen besonders, den Lebensabend mit Gleichgesinnten in der Gemeinschaft zu verbringen. Foto: Monkey Business / Fotolia.com

Als Pionier gilt der Schweizer Martin Woodtli, der im Jahr 2004 in Faham bei Chiang Mai mit seiner thailändischen Frau aus der Not heraus das Alzheimerzentrum Baan Kamlangchay gründete, dessen Name sich mit „ermutigend“ oder „Begleitung des Herzens“ übersetzen lässt. Denn der Anstoß zu dem ehrgeizigen Projekt erfolgte durch einen Schicksalsschlag in der eigenen Familie. Seine Mutter erkrankte an Alzheimer, woraufhin sich sein Vater kurz darauf das Leben nahm. Gegen die Bedenken von Freunden und Ärzten, wanderte er mit seiner demenzkranken Mutter ins Königreich aus, um gemeinsam ein letztes Abenteuer zu erleben. Das Projekt gelang und zählt bis heute zu den erfolgreichsten Alzheimerzentren in Thailand.

Erschwinglicher Luxus und Top-Pflege

Seit der Eröffnung des Baan Kamlangchay hat sich der Markt natürlich enorm weiterentwickelt. Wie überall auf der Welt geht es in vielen Projekten nicht mehr um die eigene kranke Mutter, sondern um viel, viel Geld. Das Angebot beschränkt sich schon längst nicht nur auf Alzheimerzentren, sondern umfasst die ganze Palette an Pflege- und altersgerechten Wohnprojekten – von der luxuriösen Altersresidenz mit Swimmingpool und Cocktailempfang bis hin zu professionellen Rehabilitationsangeboten in Strandnähe. Natürlich versteht sich von selbst, dass die Gäste Unterstützung bei Behördengängen, der Eröffnung eines thailändischen Bankkontos oder beim Abschluss einer Krankenversicherung erhalten. Besonderes der Krankenversicherungsschutz ist ein viel diskutiertes Thema. Zwar sind die Beiträge für thailändische Verhältnisse recht teuer, doch immer noch deutlich günstiger als in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zudem bieten die Versicherungen im Vergleich sogar wesentlich bessere Leistungen. Zu beachten gilt jedoch, dass eine Aufnahme nur bis zum 75. Lebensjahr möglich ist.

Tipp: Schnupperzeit und Probewohnen

Da sich die Erfahrungen als Urlauber in Thailand grundlegend von denen als Ruheständler unterscheiden, gerade auch im Hinblick auf die lokale Mentalität, empfiehlt es sich, erst eine zwei- bis dreimonatige Schnupperzeit im Königreich zu verbringen. So lässt sich am besten herausfinden, ob man wirklich dazu bereit ist, in einem fremden Kulturkreis seinen Lebensabend zu verbringen. Alle führenden Altersresidenzen bieten deshalb ein sogenanntes Probewohnen an.

Die zweiteilige Serie Ruhestand in Thailand wird in der Ausgabe FA17/2019 fortgesetzt.


TV-Doku: Rente unter Palmen

Sonne und Wärme das ganze Jahr. Immer mehr deutsche Rentner träumen vom Umzug nach Thailand. Ein halbes Jahr lang hat Autorin Jule Sommer deutsche Ruheständler in Hua Hin und Pattaya begleitet, die diesen Schritt gewagt haben oder gerade dabei sind und noch abwägen. Das Ergebnis ist die sehenswerte Dokumentation Rente unter Palmen – Thailand und die Suche nach dem Glück (DE/TH 2018, 39:09 Min.), in der deutsche Rentner in Hua Hin und Pattaya von ihrem Leben in Thailand erzählen. Drehorte waren u. a. Sunshine International Retirement Residences in Hua Hin und das Begegnungszentrum Pattaya. Die Reportage wurde im Rahmen der ZDF -Reihe „37 Grad“ produziert und kann weltweit über die ZDF Mediathek unter nachfolgenden Link angeschaut werden: https://bit.ly/2XxOmTC.

Gute Gründe für den Lebensabend in Thailand

Thailand bietet eine gute Infrastruktur und erstklassige ärztliche Versorgung, Grundvoraussetzung für Rentner. Foto: anekoho / Fotolia.com
Thailand bietet eine gute Infrastruktur und erstklassige ärztliche Versorgung, Grundvoraussetzung für Rentner. Foto: anekoho / Fotolia.com

Angenehme Temperaturen, eine freundliche Bevölkerung, die älteren Menschen mit Respekt begegnet; gute Infrastruktur und medizinische Versorgung zählen zu den Hauptgründen, die deutschsprachige Rentner benennen, warum sie ihren Lebensabend in Thailand verbringen. Von großer Bedeutung ist für viele auch das tropische Klima. Die das ganze Jahr konstant hohen Temperaturen und 365 Tage Sonnenschein im Jahr haben nicht nur eine positive Wirkung aufs Gemüt, sondern lassen auch lästige Alterskrankheiten wie Rheuma oder Schuppenflechte ein für alle Mal der Vergangenheit angehören. Niedrigere Lebenshaltungskosten bei einer weitaus höheren Lebensqualität als in der Heimat zählen zu den weiteren Annehmlichkeiten, die deutschsprachige Ruheständler in Thailand auf keinen Fall mehr missen möchten. Dabei nehmen die Altersresidenzen einen ganz besonderen Stellenwert ein. Sie bieten ihren Gästen einen luxuriösen Standard zu einem attraktiven Preis, von dem man in Deutschland, Österreich oder der Schweiz nur träumen kann. Hotelähnliche Ausstattungsmerkmale wie Swimmingpool, Fitnesscenter, Restaurant, Wäsche- und Zimmerservice oder eine medizinische Betreuung durch professionelles Pflegepersonal, gehören in den meisten Einrichtungen zum Standard. Besonders alleinstehende Senioren loben, dass sie hier in der Gemeinschaft von deutschsprachigen Gleichgesinnten ihren Lebensabend in vollen Zügen genießen, anstatt ihn allein und einsam verbringen zu müssen. Und da die gesamte Infrastruktur in den Altersresidenzen auf die Bedürfnisse europäischer Senioren ausgerichtet ist, bereiten auch mangelnde Sprachkenntnisse keine Probleme.

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