Königliche Zeremonie des Pflügens

By: Redaktion DER FARANG
Start Date: Monday, 14. May 2018 00:00 Uhr
End Date: Monday, 14. May 2018 23:59 Uhr
Location: Bangkok, Sanam Luang

Der Hof-Astrologe hat Montag, 14. Mai 2018, als Termin zum königlichen Pflügen festgelegt. Der König oder ein Mitglied des Königshauses sowie hohe Regierungsvertreter werden ab 8 Uhr morgens auf dem Sanam Luang-Platz in Bangkok die symbolische Aussaat zu Beginn der Pflanz-Saison beaufsichtigen. Brahmanen-Priester geben dabei Prophezeiungen über die zu erwartenden Ernten ab.

Der König bestimmt einen Zeremonienmeister, der für den Ablauf verantwortlich ist. Mit einem geschmückten Pflug, gezogen von Büffeln, wird eine Furche gepflügt. Reiskörner werden gesegnet undin die Furche gesät. Den Büffeln werden veschiedene Speisen dargeboten. Die Brahmanen beobachten genau, welche Speisen die Büffel bevorzugen und in welcher Reihenfolge und auf welche Weise dieReiskörner in die Furche fallen. Das Resultat dieser Beobachtungen ist eine Voraussage, wie die nächste Ernte ausfallen wird.

Die Zeremonie ist hinduistischen Ursprungs, hat eine jahrtausendalte Tradition und wurde 1960 vom herrschenden König Bhumibol Adulyadej wieder eingeführt.

Zahlreiche Bauern aus allen Teilen des Landes werden wieder das Pflügen verfolgen. Nach Beendigung der Zeremonie stürzen sich die Bauern auf die Furche, in der Hoffnung, ein paar der gesegneten Reiskörner zu ergattern, um sie dann unter die eigenen zu mischen, die sie bald säen werden. Das soll eine besonders ertragreiche Ernte werden.

Der Brahmanismus in Thailand

Während der Brahmanismus in Indien weit verbreitet ist, hat dieser Glaube in Thailand nur eine begrenzte Zahl von Anhängern. Nach einem Dokument, das im Devasthan Bosth Brahmina aufbewahrt wird(das übrigens auf einem Stück Land steht, welches der brahmanischen Gemeinde von König Rama I. zur Verfügung gestellt wurde), kam die erste Gruppe Brahmanen in der Dvaravati-Periode (6. bis 11.Jahrhundert) im damaligen Siam an, und zwar in Nakhon Pathom. In dieser Zeit herrschten die Khmer über weite Teile des heutigen Thailand, und der Brahmanismus nahm in deren Imperium einenbedeutenden Platz ein.

Später setzte das Siamesische Königreich Sukhothai die brahmanischen Traditionen und Kulte fort, die sie von den Khmer geerbt hatten. Die Präsenz brahmanischer Priester an den Gerichten warursprünglich nur eine Konzession an den Glauben breiter Bevölkerungsteile, auf die die Herrscher von Sukhothai ihre Souveränität ausgeweitet hatten.

Auch heute noch spielen brahmanische Priester eine wichige Rolle in der thailändischen Gesellschaft. Die vornehmste Pflicht derer, die der Königlichen Hofhaltung zugeordnet wurden, ist dasFungieren bei Zeremonien. Die wichtigste dieser Art ist das all- jährliche Königliche Pflügen, ausserdem die Königliche Zeremonie des Tiruvempavay Tripavay, die Krönung eines neuen Monarchen,das dreimal im Jahr stattfindende Wechseln der Kleider des Emerald Buddha im Wat Phra Kheo sowie der Ritus des Wassertrinkens während der Zeremonie, bei der Angehörige des Öffentlichen Dienstesihren Eid der Ergebenheit gegenüber dem König ablegen.

Brahmanische Priester nehmen auch an staatlichen Veranstaltungen teil, die organisiert werden, um Frieden und Stabilität des Landes sicherzustellen, zum Beispiel die Feiern am Krönungstag oderdie Verehrung wichtiger Buddha-Statuen.

Zusätzlich zu diesen Aktivitäten besuchen die Priester auch Wohnungen, Büros, Schulen und Läden, wenn sie dazu eingeladen werden, um dort ihren Segen zu erteilen. Dann rezitieren sieBeschwörungs- formeln für die Devas und bieten ihnen Kerzen, Weihrauch und Blumen an. Die Geister werden durch Speisen wie Schweinsköpfe, Fisch und Geflügel zufriedengestellt.

Zu solchen privaten Ritualen gehören die Teilnahme bei Hochzeiten, Einweihungen von Geisterhäuschen oder Grundsteinlegungen, Einzugsfeiern im neuen Haus oder das Vertreiben von bösen Geisternbei von Pech Verfolgten.

Das Büro der Königlichen Hofhaltung hat elf brahmanische Priester auf seiner Gehaltsliste, die ihr geringes Salär mit den Gaben aufbessern, die sie für die zuvor beschriebenen privaten Ritualeerhalten.