Welt begrüßt 2026: Licht & Schatten

Zwischen Feuerwerk und Unruhen – Europa startet ins Jahr

Feuerwerk erleuchtet den Himmel über der Quadriga auf dem Brandenburger Tor während der Silvesterfeiern in Berlin zum Jahreswechsel 2026. Foto: epa/Hannibal Hanschke
Feuerwerk erleuchtet den Himmel über der Quadriga auf dem Brandenburger Tor während der Silvesterfeiern in Berlin zum Jahreswechsel 2026. Foto: epa/Hannibal Hanschke

BERLIN: Der Globus hat sich einmal um die eigene Achse gedreht und dabei die gesamte Menschheit in das Jahr 2026 befördert. Während in Deutschland die Aufräumarbeiten nach einer kalten Silvesternacht begonnen haben, blickt die Welt auf ein Fest zurück, das von spektakulären Lichtshows, aber auch von schweren Ausschreitungen, Sicherheitsbedenken und emotionalen Gedenkmomenten geprägt war.

In der Bundesrepublik markierte der Jahreswechsel einen erneuten Kraftakt für die Sicherheitsbehörden. Allein in der Hauptstadt Berlin waren rund 4.300 Polizisten im Einsatz – ein massives Aufgebot, um die Eskalationen der vergangenen Jahre zu verhindern. Trotz Dauerfrost und glatten Straßen versammelten sich Zehntausende an markanten Punkten wie dem Brandenburger Tor, dem Hamburger Hafen und in München, um das neue Jahr zu begrüßen.

Sicherheit im Fokus und neue TV-Pfade

Die Feierlichkeiten verliefen medial in neuen Bahnen. Die traditionelle ZDF-Silvestershow mit Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner verließ ihren Stammplatz in Berlin und sendete stattdessen vor der maritimen Kulisse der Hamburger Hafencity. Zeitgleich lud Florian Silbereisen das ARD-Publikum zu einer großen Show aus München ein, womit die großen TV-Anstalten den Fokus in diesem Jahr verstärkt in den Süden und Norden der Republik verlagerten.

Doch abseits der glitzernden Bühnen brodelte es. Die anhaltende Diskussion um ein generelles Böllerverbot für Privatpersonen erhielt durch die Ereignisse der Nacht neue Nahrung. Während Ärzte und Tierschützer ein Ende der privaten Pyrotechnik fordern, haben die Niederlande bereits Fakten geschaffen: Dort war dies der letzte Jahreswechsel mit privatem Feuerwerk, bevor 2027 ein komplettes Verbot greift – eine Entscheidung, die im Vorfeld für massive Spannungen sorgte.

Ausschreitungen in Mitteleuropa und Holland

Die Bilanz der Neujahrsnacht ist in vielen europäischen Städten ernüchternd. In Deutschland kam es trotz des massiven Polizeiaufgebots in mehreren Großstädten zu gezielten Angriffen auf Einsatzkräfte. In Berlin-Neukölln und Teilen Leipzigs brannten Barrikaden; Polizisten und Feuerwehrleute wurden massiv mit Pyrotechnik beschossen. Die Unzufriedenheit über soziale Brennpunkte und die politische Lage entlud sich vielerorts in blinder Zerstörungswut.

Auch in Österreich und der Schweiz blieb es nicht friedlich. In Wien und Linz meldeten die Behörden zahlreiche Festnahmen nach Straßenschlachten zwischen Jugendlichen und der Polizei. In Zürich kam es zu unschönen Szenen, als Feuerwerkskörper in Menschenmengen geworfen wurden. Besonders heftig traf es jedoch die Niederlande: In Erwartung des kommenden Verbots glich die Nacht in Städten wie Rotterdam und Den Haag teilweise einem Ausnahmezustand mit zahlreichen Bränden und massiver Gewalt gegen Behördenvertreter.

Von der Südsee bis nach Down Under

Den weltweiten Auftakt machten bereits am Vormittag des gestrigen Silvestertages thailändischer Zeit die Bewohner des Atolls Kiritimati. In der Südsee begann das Jahr 2026 friedlich, gefolgt von Neuseeland und Australien. In Sydney stand der Jahreswechsel im Zeichen der Resilienz. Nur zwei Wochen nach dem erschütternden Anschlag am Bondi Beach bewiesen die Bürger der Metropole Stärke und ließen sich die Feierlaune nicht nehmen.

Rund um die Harbour Bridge erstrahlte der Himmel in einem gigantischen Feuerwerk, doch der Abend war auch von leisen Tönen geprägt. In einer bewegenden Schweigeminute gedachten Tausende der Opfer des Terrorakts. Die Pfeiler der Brücke wurden in weißes Licht getaucht und mit einer Chanukkia-Projektion versehen, was ein starkes Zeichen des Zusammenhalts und der religiösen Toleranz setzte.

Asiens Metropolen zwischen Glanz und Trauer

In Asien präsentierten sich die Glitzermetropolen Singapur und Bangkok mit gewohnt spektakulären Lichtinszenierungen. In Südkorea feierte die Stadt Busan den Start ins Jahr 2026 mit modernen Drohnenshows, die zunehmend das klassische Feuerwerk ersetzen. Ein gänzlich anderes Bild bot sich in Hongkong, wo es in diesem Jahr ungewöhnlich still blieb.

Aufgrund eines tragischen Brandunglücks in einem Wohnkomplex Ende November, bei dem mindestens 160 Menschen ihr Leben verloren, sagten die Behörden das traditionelle Feuerwerk über dem Victoria Harbour ab. Stattdessen hielten viele Bewohner inne, um der Opfer der Katastrophe zu gedenken, was die sonst so lebhafte Metropole in eine nachdenkliche Atmosphäre tauchte.

Kuriose Traditionen und die Flucht vom Land

Ein besonderes Schauspiel bot sich im spanischen Dorf Villar de Corneja. Dort feierten die Bewohner das neue Jahr bereits um zwölf Uhr mittags am Silvestertag. Der Grund ist so pragmatisch wie traurig: Die verbliebenen, meist hochbetagten Einwohner möchten um Mitternacht längst schlafen. Bei zwölf Glockenschlägen wurden traditionell zwölf Weintrauben verzehrt, um das Glück für 2026 heraufzubeschwören.

Bürgermeisterin Carmen Hernández nutzte den Anlass jedoch auch für mahnende Worte. Die vorgezogene Party könnte bald Geschichte sein, da das Dorf, wie viele andere ländliche Regionen Spaniens, massiv unter Abwanderung leidet. Von einst 350 Einwohnern in den 1950er Jahren sind heute kaum noch ständige Bewohner übrig, was den feierlichen Rahmen mit einem wehmütigen Beigeschmack versah.

Amerika feiert das Vierteljahrtausend

An der US-Ostküste und in New York wird der berühmte „Ball Drop“ am Times Square exakt zur Mittagsstunde thailändischer Zeit gefeiert. Da die Vereinigten Staaten 2026 das 250. Jubiläum ihrer Unabhängigkeit begehen, erstrahlt die ikonische Kugel in diesem Jahr besonders prächtig in Rot, Weiß und Blau. Es ist der Startschuss in ein historisches Jahr für die USA.

Während New York also gerade erst das neue Jahr begrüßt, müssen die Bewohner von Amerikanisch-Samoa noch am längsten warten. Als letzter bewohnter Ort der Erde werden sie erst heute Abend um 18:00 Uhr Bangkok-Zeit das Jahr 2026 willkommen heißen – volle 18 Stunden nach Thailand und 26 Stunden nach dem Startschuss in der Südsee.

Gesellschaftliche Spaltung und staatliche Ordnung

Die Silvesternacht 2025/2026 verdeutlicht eine tiefe Spaltung in der Gesellschaft. Während Millionen Menschen friedlich feierten und spektakuläre Shows genossen, zeigt die Gewalteskalation in Mitteleuropa eine wachsende Unzufriedenheit und Respektlosigkeit gegenüber staatlichen Institutionen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Rufe nach Verschärfungen des Waffen- und Sprengstoffgesetzes in Deutschland und den Nachbarländern nun politisch Gehör finden.

Hintergrund dieser Entwicklung ist nicht nur die Debatte um den Umweltschutz, sondern primär die Sicherheit im öffentlichen Raum. Für das begonnene Jahr 2026 steht fest: Die Konzepte für öffentliche Großveranstaltungen müssen grundlegend überdacht werden, um die Balance zwischen Feierfreude und dem Schutz der Bürger sowie der Einsatzkräfte wiederherzustellen.

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