Geschichte der Kaffeekultur in Thailand

Die „Royal Project Foundation“ bringt Natur und Mensch in Einklang

Kaffeekultur mit königlichen Wurzeln. Foto: saravut/Adobe Stock
Kaffeekultur mit königlichen Wurzeln. Foto: saravut/Adobe Stock

THAILAND: Thailand ist bekannt für seine palmengesäumten Strände, türkisblauen Meeresfluten und smaragdgrünen Dschungel. Bei Kaffee hingegen denken nur die wenigsten Menschen an das tropische Urlaubsparadies. Doch mit über 80.000 Tonnen pro Jahr ist das Königreich die Nummer Drei unter den südostasiatischen Kaffeeproduzenten und auch die Qualität thailändischer Kaffeebohnen kann durchaus mit denen aus Südamerika mithalten.

Zwei Akha-Frauen ernten reife Kaffeekirschen auf einer Plantage in der Nord-Provinz Chiang Rai. Umgangssprachlich werden sie fälschlicherweise oft Kaffeebohnen genannt. Foto: kamonrat / Adobe Stock
Zwei Akha-Frauen ernten reife Kaffeekirschen auf einer Plantage in der Nord-Provinz Chiang Rai. Umgangssprachlich werden sie fälschlicherweise oft Kaffeebohnen genannt. Foto: kamonrat / Adobe Stock

Die Kaffeekultur in Thailand ist noch recht jung. Durch die Initiative der „Royal Project Foundation“ – initiiert von König Bhumibol Adulyadej (Rama IX.) – fingen in den 1970er Jahren die ersten Kaffeebauern in den nördlichen Bergdörfern des Landes an, Arabica-Kaffee anzubauen. Davor wurden Jahrtausende lang Regenwälder gerodet, um Schlafmohn anzubauen. Aus dem Saft der Pflanzen wurden Drogen und Opium gewonnen. Die Initiative wollte bessere Bedingungen für die Natur und die Bergvölker schaffen. Da Kaffeebohnen unter ähnlichen Bedingungen wie Schlafmohn gedeihen, wurde damals der Boden aufgeforstet und Kaffeepflanzen kultiviert.

Thailandweit schießen hippe Cafés wie Pilze aus dem Boden, in denen Barista ihr Talent unter Beweis stellen. Foto: PhotoAventure Studio / Adobe Stock
Thailandweit schießen hippe Cafés wie Pilze aus dem Boden, in denen Barista ihr Talent unter Beweis stellen. Foto: PhotoAventure Studio / Adobe Stock

Bis heute möchte die „Royal Project Foundation“ hauptsächlich die Lebensbedingungen und die wirtschaftliche Lage der Menschen verbessern. Das Herzstück der Initiative ist, die Natur und den Menschen in Einklang zu bringen. Weitere wichtige Ziele sind die Verbesserung der Lebensqualität, die Gewährleistung von nachhaltigem Umweltschutz und zugleich die Bewahrung von Traditionen und Lebensgrundlagen der Bergvölker.

Kaffee verdrängt Opium

Bei den Einheimischen ist besonders Eiskaffee sehr beliebt. Bei den tropischen Temperaturen verständlich. Foto: THESHOTS.CO / Adobe Stock
Bei den Einheimischen ist besonders Eiskaffee sehr beliebt. Bei den tropischen Temperaturen verständlich. Foto: THESHOTS.CO / Adobe Stock

Der bekannteste thailändische Kaffeeproduzent ist Doi Chaang. Im ganzen Land finden sich mittlerweile viele Filialen der Marke, die hervorragende Kaffeespezialitäten anbieten. Um einen kleinen Einblick in die Firmengeschichte zu erhalten, reisen wir gedanklich in das kleine Dorf Doi Chaang in den Hügeln Nordthailands. Hier in den Bergen der Provinz Chang Rai ließ sich vor vielen Jahren eine Gruppe von Akha nieder. Die Akha sind ein nomadischer Bergstamm, die ursprünglich aus China stammen. Das Volk stand vor vielen Herausforderungen: Da sie keine Thais sind, hatten sie keinen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Sie hatten keine andere Wahl als sich dem illegalen Opiumanbau zuzuwenden. Durch die Initiative der „Royal Project Foundation“ erhielt das Bergvolk schließlich die Möglichkeit, sich als Kaffeebauern zu etablieren.

Ein Besucher des „Thailand Coffee Fest“, einer Fachmesse für Kaffee, überzeugt sich vom Geruch einer Sorte. Foto: epa/Narong Sangnak
Ein Besucher des „Thailand Coffee Fest“, einer Fachmesse für Kaffee, überzeugt sich vom Geruch einer Sorte. Foto: epa/Narong Sangnak

Die Anfangszeit war sehr hart. Die Akha hatten kein Wissen über Kaffeeanbau und scheiterten demzufolge an vielen Kaffeekulturen. Bis ein Mann namens Wicha Promyong beschloss, ihnen beim Anbau und der Verarbeitung von Kaffee zu helfen. Mit der Zeit entwickelten sie sich zu einem erfolgreichen und unabhängigen Kaffeeproduzenten unter dem Namen „Doi Chaang Original Coffee Co.“. Sie bauten eigene Verarbeitungsanlagen, Trocknungsanlagen und Lagerhallen und setzten sich für eine nachhaltige Landwirtschaft ein. Khun Wicha hatte die Vision, das Unternehmen zu erweitern und bat seinen Freund John M. Darch, einen kanadischen Bankier, um Mithilfe. Somit war das thailändisch-kanadische Geschäftsmodell geboren. Das selbstversorgende Dorf Doi Chaang erhielt für seinen hervorragenden Kaffee den Fair-Trade-Preis.

Seit 2007 wird der hochwertige „Doi Chaang Coffee“ auch nach Nordamerika geliefert und in Zukunft soll er auch nach Europa exportiert werden.

Bohne ist nicht gleich Bohne

Die Arabica-Ernte beträgt etwa 10 Prozent der Kaffeeproduktion in Thailand, mehr Kaffee wird im Süden des Landes geerntet. Dort vermehrt die Sorte Robusta, die widerstandsfähiger und kräftiger im Geschmack ist. Nicht nur geschmacklich gibt es Unterschiede, auch optisch. Die Robusta-Bohne ist hellbraun, hat einen geraden Einschnitt und ist sehr ertragreich. Die Arabica-Bohne hat dagegen eine intensiv grüne Farbe, ist empfindlicher und zeigt einen s-förmigen Einschnitt in der Bohne.

Doi Chaang-Kaffee aus Chiang Rai hat königliche Wurzeln und wird heutzutage in viele Länder der Welt exportiert. Foto: Doi Chaang
Doi Chaang-Kaffee aus Chiang Rai hat königliche Wurzeln und wird heutzutage in viele Länder der Welt exportiert. Foto: Doi Chaang

Traditionell wird der Kaffee in Thailand durch einen feinen Stoffbeutel gefiltert und anschließend im Glas mit Zucker und Kondensmilch serviert, am liebsten als Eiskaffee. Eine Alternative ist einfacher Instantkaffee, der mit heißem Wasser übergossen wird.

Feinster Kaffee in hippen Szene-Cafés

Mittlerweile eröffnen immer mehr angesagte, stylish eingerichtete Coffee-Shops, die viel mehr als Filterkaffee und Instantkaffee anbieten. Ausgebildete Spitzen-Barista geht es hier nicht nur um einfachen Kaffeeverkauf. Wer sich im „A Coffee Roaster by Li-bra-ry“ einen Kaffee bestellt, muss sich erstmal für den Mahlgrad und Säuregehalt der Kaffeebohne entscheiden. Auch die Zubereitung benötigt Zeit und Muße. Für den High-End-Kaffeegenuss lassen Besucher gerne mehr Geld da als in „gewöhnlichen“ Coffee-Shops. Hier wird für das Erlebnis gezahlt, die Räume sind stilvoll eingerichtet, klimatisiert und Instagram-tauglich.


Kaffee aus Elefantendung

„Black Ivory“ ist die teuerste thailändische Kaffeesorte. Jede Tasse kommt dem Elefantenschutz zugute. Foto: epa/Narong Sangnak
„Black Ivory“ ist die teuerste thailändische Kaffeesorte. Jede Tasse kommt dem Elefantenschutz zugute. Foto: epa/Narong Sangnak

Im Anantara Golden Triangle in Chiang Rai ist eine ganz besondere Kaffeesorte erhältlich: „Black Ivory“. Die Premiumsorte wird aus von Elefanten verdauten und wieder ausgeschiedenen Kaffeebohnen zubereitet und soll besonders mild im Aroma sein. Das exklusive Geschmackserlebnis hat allerdings seinen Preis: Ein Kilo „Black Ivory“-Kaffeebohnen wird für ca. 34.000 Baht gehandelt. Hotelgäste, die den Elefantendung-Kaffee einfach mal probieren möchten, erhalten ihn natürlich auch frisch gebrüht pro Tasse und unterstützen damit den thailändischen Elefantenschutz: Acht Prozent des erzielten Umsatzes kommen der „Golden Triangle Asian Elephant Foundation“ zugute. Mehr unter www.anantara.com/de/golden-triangle-chiang-rai/experiences/black-ivory-coffee.

Kaffee-Vokabular

Eiskaffee
gah-faeh jen

Kaffee mit Milch
ßai nom

Koffeinfreier Kaffee
gah-faeh mei mi ga-fe-in

Schwacher Kaffee
gah-faeh ohn

Schwarzer Kaffee
gah-faeh dam

Starker Kaffee
gah-faeh gae

Thai-Filterkaffee
gah-faeh tung

(1 Tasse) Tee
tschah (tuai nung)

mit Milch
ßei nom

ohne
mei ßei

Zucker
nam-dtahn

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