Zum Tod von Ruedi Rüegsegger

​Nachruf auf einen liebevollen Ehemann und Vater

In Thailand faszinierte Ruedi besonders die Naturvielfalt. In der Hand hält er stolz eine interessant geformte Baumwurzel.
In Thailand faszinierte Ruedi besonders die Naturvielfalt. In der Hand hält er stolz eine interessant geformte Baumwurzel.

„Nach einem erlebnisreichen und bewegten Leben ist unser gutherziger Papi nur 24 Tage nach dem Tod seiner geliebten Ehefrau Jnge im Alter von 91 Jahren in Zürich am 9. Februar 2021 für immer eingeschlafen.“

Ruedi Rüegsegger erblickte am 3. Juli 1929 in Langnau im Schweizer Emmental das Licht der Welt. Zusammen mit seinem Bruder verbrachte Ruedi eine strenge Jugendzeit, die geprägt war durch diszipliniertes Lernen und harte Arbeit.

Im Anschluss an seine Schreinerlehre fand Ruedi eine Arbeitsstelle in Uster im Zürcher Oberland, wo er sich erfolgreich zum Schreinermeister weiterbildete. Im Nachbardorf Mönchaltorf lernte er 1953 seine spätere Ehefrau Jnge Iten kennen. Als talentierter Jodler und Chormitglied des Bernervereins Mönchaltorf hatte Ruedi Jnges Herz im Sturm erobert. Das junge Paar gab sich 1956 das Ja-Wort, bis der Tod sie schied.

Um sein gelerntes Fachwissen weiterzugeben und damit auch jungen Menschen zu helfen, entschloss sich Ruedi nach seiner erfolgreich abgeschlossenen Schreinermeisterprüfung für die Weiterbildung zum nebenamtlichen Berufsschullehrer an der Gewerbeschule Zürich. Da er erfolgreich und mit großer Freude unterrichtete, war er an der Bildungsstätte sowohl bei seinen Schülern als auch bei seinen Berufskollegen sehr beliebt, weshalb er später zum Hauptlehrer gewählt wurde.

1958 kam Jnges und Ruedis erster Sohn Walter auf die Welt, der als angesehener Musiklehrer Karriere machte, 1964 ihr zweiter Sohn Martin, der 2006 zusammen mit seiner Frau Bussaba das Magazin DER FARANG übernahm und herausgibt.

In seiner Freizeit teilte Ruedi mit seiner Frau Jnge die Leidenschaft fürs Reisen – den Sommer verbrachte die Familie zumeist in ihrer Ferienwohnung im Appenzellerland, die Wintermonate in Braunwald. Es folgten viele gemeinsame Reisen ins Trentino in Italien. Da sich für Ruedi als praktisch veranlagter Mensch der Umbruch ins Internetzeitalter schwierig gestaltete, schätzte er sich sehr glücklich, dass er 1991 in Vorruhestand gehen konnte.

Reisen nach Thailand empfand Ruedi in Anbetracht auf die Aufenthalte in einem komplett fremden Kulturkreis als eine wertvolle Bereicherung für seinen Erfahrungshorizont. Gemeinsam mit Jnge verbrachte er viele Stunden am Wongamat-Strand in Pattaya, insbesondere in Santi’s Restaurant am Bamboo Beach, auch wenn er nicht so ein passionierter Schwimmer war wie seine Frau. Sein Inte­resse galt stattdessen der asiatischen Pflanzenwelt sowie den Tropenwäldern und den Bergen des thailändischen Nordens. Als natur- und kulturinteressierter Mensch unternahm er viele Ausflüge in die thailändischen Nationalparks, zum Beispiel, um wilde Elefanten zu beobachten und verbrachte mit seinem Sohn Martin sogar einige Zeit in einem buddhistischen Kloster in Sakon Nakhon um die Bräuche des Theravada-Buddhismus kennenzulernen. Unvergessen bleiben auch die gemeinsamen Ausflüge zur Affenstadt Lopburi. Die unzähligen, die Stadt bevölkernden Makaken, übten eine große Faszination auf Ruedi aus.

Auch unter vielen Leserinnen und Lesern des Magazins DER FARANG war Ruedi wohlbekannt. Gemeinsam mit seiner Gattin Jnge unterstütze er seinen Sohn Martin jedes Jahr am Medienstand des Magazins auf den Thai-Festivals in Bülach und Bern in der Schweiz. Da Ruedi fast alle Bücher aus dem FARANG-Shop selbst gelesen hatte, war seine persönliche Bewertung der Inhalte der verschiedenen Thailand-Romane bei den Besuchern des Medienstandes sehr gefragt.

Trotz der schönen Erlebnisse in Thailand schlug sein Herz dennoch nach wie vor für seine geliebte „Schweiz“. Heimatverbundenheit und Bodenständigkeit gehörten schon immer zu den Grundzügen seines Charakters.

Im Dezember 2017 erlitt Ruedi einen Hirnschlag. Auch wenn er sich dank seines starken Willens sowie der fürsorglichen Unterstützung durch seine Frau und Familie wieder erholte, klagte er fortan über Gefühllosigkeit in der rechten Hand.

Bei einem Sturz zog sich Ruedi im Dezember 2020 einen komplizierten Be­ckenbruch zu. Zur medizinischen Rehabilitation nach der Operation wurde er in der Übergangspflegeeinrichtung Convita Bethanien in Zürich aufgenommen, wo er sich in kleinen Schritten erholte. Den überraschenden Tod seiner geliebten Gattin am 16. Januar 2021 verkraftete er nicht. Zu groß war der Schmerz über den Verlust seiner Frau, zu erdrückend die immer wiederkehrende Frage, warum er nicht mit ihr gehen durfte. Nach Jnges Beisetzung verschlechterte sich sein Gesundheitszustand schlagartig. Ruedi verstarb am 9. Februar 2021.

Ruedi Rüegsegger hatte einen schönen, aber oft auch steinigen Lebensweg. Seiner Familie wird er für seine Ausdauer, Sensibilität, Fürsorge und Zielstrebigkeit unvergessen bleiben. Mit diesem Nachruf möchten wir ihn als einen besonderen Menschen in Erinnerung halten. Lieber Ruedi, ruhe in Frieden.

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