Morde im Modelmilieu

Solider TV-Krimi «Die Füchsin - schön und tot»

Foto: Martin Rottenkolber/Wdr/dpa
Foto: Martin Rottenkolber/Wdr/dpa

DÜSSELDORF (dpa) - Ehemalige Stasi-Agenten taugen nicht wirklich zu Hauptfiguren in Fernsehfilmen, könnte man meinen. Die WDR-Reihe «Die Füchsin» probiert es dennoch: Eine Ex-Geheimdienstlerin und heutige Detektivin gerät in ihrem fünften Fall in eine mörderische Model-Welt.

Das Licht geht aus, der Mörder sticht zu - das Licht geht wieder an, doch statt einer Leiche ist nur ein Blutfleck zu finden. Was wie ein Plot aus einem Agatha-Christie-Krimi klingt, ist Auftakt des WDR-Fernsehfilms «Die Füchsin - Schön und tot» (Donnerstag, 17.10., um 20.15 Uhr im Ersten der ARD). Zwei ungleiche Detektive begeben sich auf die Suche nach dem Opfer. Eine Freundin meint, den Mord im Halbdunkel einer Modenschau-Probe gesehen zu haben. Die fünfte Episode aus der 2015 gestarteten «Füchsin»-Reihe gibt Einblick in eine dubiose Model-Welt. Wie schon in vorigen Episoden sind Habgier, Ausbeutung und enttäuschte Hoffnungen übergeordnete Themen.

Im Zentrum des Geschehens steht eine ungewöhnliche Filmfigur: Anne Marie Fuchs - die «Füchsin» - ist eine ehemalige Stasi-Agentin, die sich in Düsseldorf in der Gegenwarts-BRD mehr schlecht als recht über Wasser hält und sich als Privatdetektivin versucht. Eine spröde, wortkarge Frau, auf der noch immer ihre Vergangenheit als Täterin, aber auch als späteres Opfer lastet - Ende der 80er Jahre kehrte sie dem DDR-Geheimdienst den Rücken, was dieser grausam bestrafte.

Die gebürtige Ost-Berliner Lina Wendel spielt ihre «Füchsin» souverän, hält sich in Sachen Mimik aber zurück. Wendel begann ihre Schauspiellaufbahn schon zu DDR-Zeiten, doch erst in diesem Jahrzehnt nahm die Karriere der Mittfünfzigerin an Fahrt auf, zum Beispiel mit Nebenrollen im «Tatort» und in anderen TV-Kimis.

Gewissermaßen als heiter-unbeschwertes Gegenstück zur «Füchsin» fungiert Karim Chérif in der Rolle des Youssef el Kilali, der mit seiner Frau (Jasmin Schwiers) ein Café betreibt und ein gemeinsames Kind erwartet. Eher zufällig wurden el Kilali und Fuchs zu Beginn der Filmreihe Geschäftspartner, seither lösen sie die Fälle als ungleiches Paar. Die Spuren, die sie verfolgen, sind mitunter überdeutlich: Rote Blutflecken weisen den Weg und UV-Licht zeigt dank eines Spezialmittels weggewischte Blutspuren auf Schuhen.

Filmfiguren sind klischeehaft überzogen: Ein machohafter Autohausbesitzer führt Nachwuchs-Models als Sexobjekte vor, um seine Autos zu bewerben. Eine Modelschule-Inhaberin zockt ihre armen Schülerinnen ab. Ein Modenschau-Manager und Ehemann steht auf Seitensprünge mit jungen Frauen. Und wie üblich der tumbe Polizist, dem die beiden Detektive stets einen Schritt voraus sind und der sich darüber immer wieder empört. Neben viel Erwartbarem birgt der Plot auch Überraschungen, was über logische Brüche und Simplifizierungen hinweghilft. Regie führte die Österreicherin Sabine Derflinger, die für ihren Wiener Tatort «Ausgezählt» 2014 den Grimme-Preis bekam.

In dem breiten Krimi-Kosmos der deutschen Fernsehlandschaft hat «Die Füchsin» eine wundersame Rolle, die Reihe ist ein buntes Sammelsurium unterschiedlicher Erzählstile: Die Filme sind eine Prise Aufarbeitung deutsch-deutscher Vergangenheit, ein Hauch Miss Marple mit harmlosen Comedy-Elementen und schließlich gibt es noch etwas gewollt wirkende Ansätze eines Sozialdramas. Alles in allem handelt es sich um solide, kurzweilige Fernsehunterhaltung.

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