Zeitungen kommentieren das Weltgeschehen am Sonntag

Foto: Adobe Stock/©elis Lasop
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«La Stampa»: Trump will Fokus im Wahlkampf verschieben

ROM: Zum Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump und zu seinem Auftritt im Weißen Haus nach seiner Covid-19-Erkrankung schreibt die italienische Zeitung «La Stampa» aus Turin am Sonntag:

«Er will das Thema der Diskussionen im Präsidentschaftswahlkampf verschieben, den Fokus verlagern weg von Covid hin zur Sicherheit. Dabei versucht er, die Unterstützung der schwarzen und hispanischen Bürger für seinen Rivalen (Joe) Biden zu untergraben, indem er diesen beschuldigt, eine Geisel von linken Extremisten zu sein, die die USA zerstören wollten. (...) Die Veranstaltung wurde als eine Art «friedlicher Protest für Recht und Ordnung» präsentiert, mit dem offensichtlichen Ziel, die Aufmerksamkeit der Wähler auf das Sicherheitsproblem zu lenken, das nach dem Tod von George Floyd in Minneapolis explodiert war. (...) Trump schien nicht in Eile zu sein, sprach aber nur knapp 20 Minuten, was für ihn in solcher Kürze selten ist. Sein Ziel war es, Stärke zu zeigen und die tatsächliche Wiederaufnahme des Wahlkampfs auf die kommende Kundgebung in Florida zu verschieben, vorausgesetzt dass es noch nicht zu spät ist.»


«Sunday Times»: Wahlsieg von Biden schlecht für Johnson?

LONDON: Die Londoner «Sunday Times» beschäftigt sich mit möglichen Folgen eines Wahlsiegs von Joe Biden für die britisch-amerikanischen Beziehungen:

«Das Team von Premierminister Boris Johnson erwartet Schwierigkeiten, sollte Joe Biden die Wahl gewinnen. Der Präsidentschaftsanwärter twitterte im vergangenen Monat, er könne ein Handelsabkommen zwischen den USA und Großbritannien «nicht zulassen», wenn Nordirland «ein Opfer des Brexit» ist.

Diplomaten sagen, Biden werde Johnson gegenüber zurückhaltend sein wegen dessen Kommentaren zu Barack Obama, in denen er während des Brexit-Referendums 2016 die «ererbte Abneigung des halb-kenianischen Präsidenten gegen das Britische Empire» kritisiert hatte. (...) Großbritanniens Diplomaten in den USA haben Depeschen mit der Einschätzung geschickt, dass Biden wahrscheinlich einem transpazifischen Handelsabkommen oder sogar einem Deal mit der EU den Vorzug vor einem bilateralen Deal mit Großbritannien geben würde.»


«Sonntagszeitung»: Trump irritiert die Europäer

ZÜRICH: Die Schweizer «Sonntagszeitung» beschäftigt sich mit der Europa-Politik von US-Präsident Donald Trump:

«Trump irritiert die Europäer, vor allem deren Establishment, aus inhaltlichen Gründen, was man aber nicht so gerne zugibt, weshalb man sich lieber mit seiner bizarren Persönlichkeit abgibt. Trump irritiert, weil er so gut wie alles, worauf die europäischen Eliten stolz sind, infrage gestellt hat. Dreißig Jahre ihrer Politik: Für Trump bedeuten sie nur Untergang und Desaster - und er sagt es auch. Als erster amerikanischer Präsident hat er etwa die Europäische Union als entbehrlich, ja funktionsuntüchtig hingestellt und den Briten gratuliert, dass sie der EU den Rücken kehren. Ein Sakrileg.(...)

Ob Bill Clinton, George W. Bush oder Barack Obama: All diese Präsidenten der jüngeren Vergangenheit kümmerten sich nicht mehr sonderlich um Europa, weil Europa seit dem Ende des Kalten Kriegs rasant an geopolitischer Bedeutung eingebüßt hat. Doch gutmütig und wohlerzogen, wie sie waren, ließen sie das die Europäer, besonders deren Politiker in Paris, Berlin und London, nicht so deutlich spüren. Geduldig, aber desinteressiert hörten sie zu, wenn diese mitzureden versuchten, aber sehr ernst nahmen sie sie nicht. Trump, der Grobian, wurde auch hier deutlicher: Selten hat ein Amerikaner die Europäer so gedemütigt, indem er ehrlich mit ihnen war.»


«NZZ am Sonntag»: Angespannte Stimmung vor der US-Wahl

ZÜRICH: Zum Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump schreibt die «Neue Zürcher Zeitung am Sonntag»:

«Seit Wochen hat er nur ein Ziel: die Wahlen am 3. November als getürkt zu verunglimpfen. Er würde nicht zurücktreten bei einer Niederlage, sagt er. Doch sollte Trump eine Niederlage nicht akzeptieren, würde das auch ein Großteil seiner Wähler nicht tun. Es wären Proteste zu erwarten und viel Schlimmeres. Trump ist das egal: Er ruft offen zu Wahlbetrug auf, schmäht die bewährte Briefwahl, und seine Partei versucht, das Wahlrecht der Minderheiten einzuschränken, die mehrheitlich demokratisch wählen. Wenn man das Wählen vereinfachen würde, sagte Trump kürzlich, würde nie mehr ein Republikaner gewinnen. Das will er verhindern.

Die Stimmung so kurz vor dem 3. November ist gespannt. Im TV-Duell mit Biden forderte Trump Rechtsextreme auf, sich bereitzuhalten. Trump scheint im Inland keine Angst zu haben vor gewalttätigen Konflikten. Vier Jahre Trump brachten nicht das Ende der Welt, aber vielleicht das Ende von Amerika (wie wir es kennen).»

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