Zehn Jahre nach Magaths Titel-Coup mit Wolfsburg

«Hatte immer Angst»

Foto: epa/Maurizio Gambarini
Foto: epa/Maurizio Gambarini

WOLFSBURG (dpa) - Am 23. Mai 2009 holte sich der VfL Wolfsburg überraschend die deutsche Fußball-Meisterschaft. Noch zur Halbserie sah es überhaupt nicht nach dem Titelgewinn aus. Ein Sturm-Duo sorgte für einen Rekord - und ein Trainer-Abschied ließ die Mannschaft zusammenrücken.

Felix Magath genoss die Ovationen sichtlich. Als sich der Meistermacher und seine fast vollzähligen Titelhelden von 2009 am vergangenen Samstag vor der 8:1-Gala des VfL Wolfsburg gegen den FC Augsburg den Fans zeigten, kannte zehn Jahre nach dem sensationellen Coup der Jubel keine Grenzen. «Es ist großartig, wieder hier zu sein. Es ist ein bisschen, wie nach Hause zu kommen», sagte der Brasilianer Grafite, dessen Hackentor zum 5:1 gegen den FC Bayern München damals den Glauben an die Überraschung erst so richtig wachsen ließ.

Magath hatte aber lange Zeit kein gutes Gefühl. «Ich habe immer Angst gehabt, dass es noch schiefgehen konnte», sagte der frühere Fußball-Nationalspieler im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Deswegen gab es für mich keinen Zeitpunkt vorher, an dem ich wusste: Wir haben es geschafft.» Erst mit dem 5:1-Erfolg gegen Werder Bremen beim Saisonfinale am 23. Mai 2009 war auch für Magath klar: «Wir sind Meister.» Mit zwei Punkten Vorsprung vor Rekordchampion FC Bayern München holte der VfL seinen bisher einzigen Meistertitel.

«Danach gab es dann richtig einen», erinnerte sich Magath an die Meisterfeier und den Verlauf des Abends mit rund 100.000 Fans rund um die VW-Stadt. Richtig Alkohol gab es für den heute 65-Jährigen immer nur direkt nach Saisonende. «Entweder aus Frust oder mit einem Glücksgefühl. Damals war ich aber zufrieden.»

Denn mit seinem Wolfsburger Team sprengte er damals sämtliche Rekorde. Nie zuvor wurde eine Mannschaft, die in der Vorrunde noch auf Rang neun stand, am Ende Erster. Mit Grafite (28 Tore) und Edin Dzeko (26) besitzt der VfL noch bis heute das mit insgesamt 54 Treffern gefährlichste Sturm-Duo der Bundesliga-Geschichte. Und es war bis heute die letzte Saison, in der der deutsche Meister nicht Bayern München oder Borussia Dortmund hieß.

Magath verabschiedete sich mit dem Titelgewinn aus Wolfsburg. Er gab Anfang Mai 2009 seinen Wechsel zum Liga-Konkurrenten FC Schalke 04 bekannt, mitten im Meisterrennen. Er fühlte nicht mehr die volle Unterstützung von Volkswagen. Doch der Magath-Abgang zum Saisonende machte den VfL noch stärker. «Für uns war das vielleicht der entscheidende Punkt», sagte Magath. «Die Mannschaft ist danach zusammengerückt und hat sich gesagt: jetzt erst recht. Man muss nur wissen, wie man mit den Geschehnissen richtig umgeht.»

Zuvor hielten sich wochenlang Gerüchte um einen Magath-Abschied. «Jemand hat das ja zuvor bewusst lanciert und in die Öffentlichkeit gebracht. Es hat aber nicht dazu geführt, Unruhe bei uns zu schaffen», erklärte Magath. Im Gegenteil: Der VfL düpierte mit tollem Offensivfußball die Konkurrenz.

Dabei sah es nach der Hinrunde überhaupt nicht nach Meisterkampf aus. Platz neun, neun Punkte hinter Herbstmeister TSG Hoffenheim war nicht unbedingt die beste Ausgangslage. Die Integration von Andrea Barzagli (US Palermo) und Zvjezdan Misimovic (1. FC Nürnberg) dauerte etwas länger als geplant. «In der Winterpause haben wir uns die Tabelle angeguckt. So schlecht lagen wir nicht. Doch ich wollte nicht in die Europa League, sondern in die Champions League. Es war ein hohes Ziel und gewöhnungsbedürftig für die Spieler», erklärte Magath.

Mit zehn Siegen aus den ersten elf Rückrunden-Partien legte Wolfsburg den Grundstein zur Meisterschaft. «Mit jedem Erfolg haben wir mehr daran geglaubt und dieses Ziel hat sich in unseren Köpfen eingebrannt», sagte der damalige Linksverteidiger und heutige VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer. Mit dem Höhepunkt am 26. Spieltag - dem 5:1 gegen Jürgen Klinsmanns FC Bayern. «Da hatte ich die Überzeugung, dass wir es schaffen können», sagte Torjäger Dzeko.

Zum Saisonende spielte das Team fast perfekt zusammen. Kapitän Josué kämpfte im Mittelfeld, der Italiener Barzagli hielt die Abwehr zusammen, Misimovic führte Regie und überragte mit 20 Torvorbereitungen, und im Angriff glänzten die beiden Tor-Maschinen. «Wir waren wie Brüder», sagte der damalige Torschützenkönig Grafite in einem Interview mit dem «Kicker». «Es war die beste Zeit meiner Karriere.»

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