Wettrüsten im Weltraum

Wenn Satelliten Angriffswaffen werden

Foto: epa/Salvatore Di Nolfi
Foto: epa/Salvatore Di Nolfi

GENF (dpa) - Raketen, Laser, Spreng-Satelliten: Mit neuen Technologien ist Krieg im All ein Schreckensszenario, das nicht mehr nur als Science Fiction denkbar ist. Die Vereinten Nationen wollen das verhindern.

Der Kampf um die militärische Dominanz des Weltraums ist entbrannt: China, Russland und die USA haben ehrgeizige Weltraumprogramme, und US-Präsident Donald Trump hat eine neue Teilstreitkraft «Space Force» angekündigt. Experten beraten im Rahmen der UN-Abrüstungskonferenz in Genf jetzt darüber, wie ein Wettrüsten im Weltraum verhindert werden kann.

Was genau sind Weltraumwaffen?

Das zu definieren, ist eines der Probleme. Dazu dürften Laser gehören, die Satelliten außer Gefecht setzen können, satellitengestützte Raketen, die Ziele auf der Erde treffen, und Satelliten mit Sprengladung, die andere Weltraumobjekte zerstören können.

Die gibt es aber noch nicht?

Schwer zu sagen. Denn theoretisch kann zum Beispiel jeder Satellit, der bewusst auf Kollisionskurs mit dem Satelliten eines anderen Landes gebracht wird, zur Waffe werden. Das ist die Dual-Use-Problematik: Weltraum-Objekte können sowohl für zivile Zwecke als auch als Waffe eingesetzt werden. Technologie, um den Funkverkehr anderer Länder mit ihren Satelliten zu stören, oder für Cyberattacken ist theoretisch auch vorhanden.

Wer ist besonders aktiv?

«Die USA sind dominant im Weltraum, aber Russland und China sind ebenfalls aktiv», sagt Götz Neuneck vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH). «Vieles findet aber im Geheimen statt.» Der US-Militärgeheimdienst Nasic schreibt: «(China und Russland) sind dabei, raffinierte Anti-Satelliten-Waffen zu entwickeln, zu testen und weiterzuverkaufen, die Systeme im von den USA und von Verbündeten kontrollierten Weltraum bedrohen.»

Deshalb will US-Präsident Donald Trump sein «Space Command» gründen?

Genau. Trump will nicht nur eine im Weltraum stationierte Abwehr von feindlichen Raketen: «Es wird ein wichtiger Bestandteil unserer Defensive, aber auch unserer Offensive», kündigte er im Januar an. Sein Space Command soll eine sechste Teilstreitkraft werden, neben Armee, Marine, Luftwaffe, Marineinfanterie und Küstenwache.

Was ist die Reaktion?

«Die Militarisierung des Weltraums ist der Weg in die Katastrophe», sagt der Verteidigungsexperte im russischen Föderationsrat, Wiktor Bondarew. China reagierte ähnlich - ohne dass beide ihre eigenen Aktivitäten offenlegen. «Die USA forcieren mit Trumps Ankündigung und Milliardeninvestitionen die Ängste Chinas und Russlands», sagt Neuneck. «Trump stößt die Tür zu einem neuen teuren und gefährlichen Offensiv-Defensiv-Wettrüsten mit Russland und China auf.»

Gibt es nicht schon einen Weltraumvertrag?

Ja, seit 1967. Er bekräftigt die friedliche Nutzung des Weltraums, ist angesichts neuer Technologien und Akteure aber nicht mehr zeitgemäß. Damals steckte die Satellitentechnologie noch in den Kinderschuhen. Die US-Wissenschaftlervereinigung für Abrüstung und Umweltschutz «Union of Concerned Scientists» schätzt die Zahl der aktiven Satelliten im All heute auf knapp 2000. Davon gehörten Russland 152, China 284 und den USA 849. Von diesen 849 würden 167 vom Militär genutzt. «Je mehr im Weltraum stationiert wird, desto gefährlicher wird es auch für zivile Objekte», sagt Neuneck. So könnten durch Kollisionen Weltraumtrümmer entstehen. «Die Internationale Raumstation ISS musste schon öfter mal Manöver fliegen, um Weltraumschrott auszuweichen.

Wie könnte so ein neuer Vertrag aussehen?

Russland und China haben der UN-Abrüstungskonferenz in Genf 2014 einen neuen Entwurf für so einen Vertrag vorgelegt. Sie wollen bestimmte Waffen verbieten. Aber weil die Entwicklung von Waffen so rasant vorangeht, glauben viele, dass das nicht reicht - auch unter dem Aspekt, dass harmlose Satelliten bei böser Absicht zu Waffen werden können. Besser sei es, allgemeiner den Einsatz von Objekten im Weltall für kriegerische Zwecke zu verbieten. Denkbar wäre etwa, alle Objekte im Weltraum zu verbieten, es sei denn, sie dienen erlaubten Zwecken: etwa der Forschung, Telekommunikation, der Geo-Ortung oder Ähnlichem.

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