Trump beginnt Besuch mit Verbalattacke gegen Macron

Der französische Präsident Emmanuel Macron (l.) begrüßt US-Präsidenten Donald J. Trump (r.). Foto: epa/Ian Langsdon
Der französische Präsident Emmanuel Macron (l.) begrüßt US-Präsidenten Donald J. Trump (r.). Foto: epa/Ian Langsdon

PARIS (dpa) - In Paris versammeln sich Staats- und Regierungschefs, um des Endes des Ersten Weltkriegs zu gedenken. Auch US-Präsident Trump ist angereist - und meldet sich mit einer Breitseite gegen den Gastgeber zu Wort.

Zum Auftakt seines Paris-Besuchs hat US-Präsident Donald Trump seinen Gastgeber, den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, angegriffen. Unmittelbar nach der Landung seiner Regierungsmaschine Air Force One am Freitagabend in Paris übte Trump scharfe Kritik am Vorschlag von Macron, eine eigene europäische Armee zum Schutz vor Russland aufzubauen. «Sehr kränkend», schrieb Trump auf Twitter. «Vielleicht sollte Europa zuerst seinen gerechten Anteil an der Nato bezahlen, die die USA erheblich bezuschussen!»

Macron hatte dem Sender Europe 1 am vergangenen Dienstag gesagt, Europa müsse sich gegen Russland militärisch wappnen und dazu eine eigene Armee aufstellen. Die Europäer dürften sich bei ihrer Sicherheit nicht nur auf die USA verlassen. In einer anderen Antwort - in der es nicht um den Aufbau der von Macron vorgeschlagenen Armee ging - hatte der französische Präsident gesagt, die Europäer müssten sich gegen Russland, China und sogar gegen die USA schützen.

Trump und Macron kamen am Samstag im Élyséepalast zusammen.Vor Fotografen zeigten beide Präsidenten mit dem Daumen nach oben, bevor sie sich zu einem bilateralen Gespräch zurückzogen. Später war ein Mittagessen Trumps und Macrons gemeinsam mit den Ehefrauen geplant. Trump wirft europäischen Nato-Verbündeten seit langem vor, nicht genug für ihren eigenen Schutz auszugeben und sich stattdessen auf die USA zu verlassen.

Der US-Präsident ist zu den Feierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren nach Paris gereist. Daran nehmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, der russische Präsident Wladimir Putin, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und zahlreiche weitere Staats- und Regierungschefs teil.

Macron und Merkel gedenken am Samstag (15.30 Uhr) gemeinsam des Endes des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Sie fahren dazu zu einer Gedenkstätte in die Nähe der nordfranzösischen Stadt Compiègne, wo am 11. November 1918 auf einer Waldlichtung der Waffenstillstand in einem umgebauten Speisewagen unterschrieben worden war.

Am Sonntag beginnt dann der «Weltkriegs-Gipfel» in Paris. Höhepunkt wird eine große Gedenkfeier im Schatten des Pariser Triumphbogens sein. Am Nachmittag besucht die Kanzlerin ein Friedensforum, bei dem sie die Eröffnungsrede hält.

Das Spitzentreffen in Paris sei spannungsgeladen, meinten Diplomaten. Zu Verstimmungen zwischen den USA auf der einen und Frankreich und Deutschland auf der anderen Seite kam es spätestens mit Trumps einseitigem Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran. Zudem entfachte Trump einen Handelskonflikt mit der EU und stieg aus dem Weltklimaabkommen aus. Für Trump ist es die erste Auslandsreise nach den US-Kongresswahlen.

Der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff forderte zum Jahrestag des Kriegsendes neue Impulse für die deutsch-französische Partnerschaft. 100 Jahre danach «reicht es nicht aus, dieser europäischen und insbesondere deutsch-französischen Katastrophe nur zu gedenken», sagte Lambsdorff der Deutschen Presse-Agentur.

«Klar ist: Deutschland muss jetzt endlich die ausgestreckte Hand des französischen Präsidenten für eine Reform Europas ergreifen und die Vorschläge Emmanuel Macrons aufgreifen», sagte der FDP-Fraktionsvize im Bundestag weiter. «Wir brauchen eine europäische Außenpolitik mit einer Verteidigungsunion, wirksames Management von Migration und Außengrenzen, gemeinsame Initiativen für den Klimaschutz und konsequenten Einsatz für Freihandel.» Berlin und Paris müssten «auf all diesen Feldern die Führung übernehmen».

Um die deutsch-französische Freundschaft auf Dauer zu erhalten, müssten sich Deutsche und Franzosen noch viel besser kennenlernen, forderte der frühere Europa-Abgeordnete. «Deshalb setzen sich die Freien Demokraten für die Stärkung des Austauschs von Schülern, Studenten, Auszubildenden und jungen Berufstätigen zwischen unseren Ländern ein.»

Der Erste Weltkrieg gilt manchen Historikern als «Urkatastrophe» des 20. Jahrhunderts. Fast 9 Millionen Soldaten und mehr als 6 Millionen Zivilisten starben. Die Kaiserreiche Österreich-Ungarn, Deutschland und Russland brachen ebenso zusammen wie das Osmanische Reich. Aus den Trümmern ging eine Vielzahl neuer Staaten vor allem in Mitteleuropa und auf dem Balkan hervor. Auch Machtzentren verschoben sich danach allmählich, etwa von Großbritannien zu den USA.

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Leserkommentare

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Jürgen Franke 11.11.18 13:08
Es ist davon auszugehen, dass auch
Vertreter Thailands an den Feierlichkeiten in Frankreich zum Ende des 1. Weltkrieges teilnehmen, denn auch Thailand hatte Deutschland seinerzeit den Krieg erklärt.