Ausreisesperre für Tochter von deutscher Inhaftierter

Archivfoto: Twitter
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ISTANBUL (dpa) - Die Tochter einer in der Türkei inhaftierten Kölnerin ist nach Angaben ihrer Anwältin bei der Einreise in die Türkei kurzzeitig festgenommen worden. Mittlerweile sei sie wieder frei, dürfe das Land aber nicht verlassen, sagte ihre Anwältin Newroz Akalin am Samstag.

Die Tochter war demnach am späten Freitagnachmittag auf dem Flughafen Sabiha Gökcen in Istanbul festgenommen worden. Sie hatte ihre Mutter, die Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane, in der Haft besuchen wollen. Cane war im November 2018 wegen Terrorvorwürfen zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Die Familie hat kurdische Wurzeln.

Grund für die Festnahme sei eine Protestaktion in Köln, an der die Tochter im Jahr 2012 teilgenommen haben soll, sagte Akalin. Daran sei eine Gruppe beteiligt gewesen, die als PKK-nah gelte. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK gilt in der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation.

Hozan Cane war Ende Juni 2018 kurz vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Edirne festgenommen worden. Sie hatte dort eine Wahlkampfveranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP unterstützt. Die Anklage stützte sich unter anderem auf Inhalte, die die Sängerin zwischen 2014 und 2018 auf ihrem Facebook- und Twitter-Profil geteilt haben soll. Sie selbst hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. In der Türkei werden immer wieder auch Ausländer wegen Inhalten in den sozialen Medien festgenommen.

2017 hatte eine Reihe von Festnahmen deutscher Staatsbürger in der Türkei eine schwere Krise zwischen Berlin und Ankara ausgelöst. Prominente Fälle sind die des «Welt»-Reporters Deniz Yücel, der Übersetzerin und Journalistin Mesale Tolu und des Menschenrechtlers Peter Steudtner. Sie durften mittlerweile ausreisen. Ihre Prozesse gehen aber weiter. Der Kölner Sozialarbeiter Adil Demirci, der ebenfalls wegen Terrorvorwürfen angeklagt ist, muss weiter in der Türkei bleiben, während sein Prozess fortgesetzt wird.

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Juergen Bongard 28.05.19 00:38
@Sigrist, ich fürchte
da werden wir leider sehr lange warten müssen, da sehr viele Türken - und ich kenne einige- sehr fanatisch pro Erdogan sind und ein "grosses" Land haben wollen. Weiterhin müssen wir uns darauf vorbereiten, dass solche Diktaturen auch in Europa Bestand zunehmen werden, da immer mehr Menschen den Populisten nachlaufen. Siehe Europawahl-Ergebnis in Brandenburg usw. Ganz zu schweigen von einigen Ost-Europa Ländern.
Joerg Obermeier 27.05.19 16:25
Abgesehen davon, dass auch ich die Türkei für ein autokratisch geführtes Land, fern jeglicher Rechtsstaatlichkeit halte, finde ich es für Leute die hier leben und Urlaub machen etwas verwegen sich derart negativ über die Türkei zu äußern. Ich wäre mir nicht sicher, was einem Ausländer hier passieren könnte, der sich mit den Mächtigen in diesem Land anlegen würde. Nur hier ist das im Unterschied zur Türkei eine langjährig gelebte Selbstverständlichkeit, warum auch immer, es nicht zu tun.
Ingo Kerp 27.05.19 14:14
Kein Medium, das nicht über das tyrannische Herrschen von Erdowahn und seiner Clique berichtet. Da muß man sich doch fragen, wieso reisen noch Menschen in die Türkei?
Beat Sigrist 26.05.19 18:49
Wer in die Türkei
reist, muss sich bewusst sein: Dies ist kein demokratisches Land mehr, sondern eine 100% Diktatur, welche von dem Präsidenten geleitet wird. Menschenrechte werden wie in radikalen moslemischen Ländern wo die Scharia regiert mit den Füssen getreten. Die ganze westliche Welt freut sich schon jetzt, auf den Tag an dem dieses wunderschöne Land endlich wieder eine richtige demokratische Regierung bekommt.