Thailand ehrt seine grauen Riesen

Am 13. März wird im ganzen Land der Nationale Elefantentag zelebriert

Am Nationalen Elefantentag wird den Tieren vielerorts Obst dargeboten, in Ayutthaya sogar in Buffetform. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Am Nationalen Elefantentag wird den Tieren vielerorts Obst dargeboten, in Ayutthaya sogar in Buffetform. Foto: epa/Rungroj Yongrit

THAILAND: Am Freitag, 13. März findet in Thailand ein für Westler ungewöhnlicher Feiertag statt. Dann nämlich feiert das ganze Land den Nationalen Elefantentag. Mit dem Ehrentag zuguns­ten der Dickhäuter soll die Öffentlichkeit für die Rettung der grauen Riesen und deren Lebensraum sensibilisiert werden. Denn Elefanten genießen in der thailändischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert: Die Tiere sind wichtige Symbole für die Nation und auch für das Königshaus.

Die Initiative für den Nationalen Elefantentag ergriff im Jahr 1998 die thailändische Regierung, um das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung der Dickhäuter als nationales Symboltier zu stärken. Dass der Feiertag auf den 13. März fällt, ist natürlich kein Zufall, sondern historisch begründet. Das Datum wurde von der Regierung bewusst gewählt, da am 13. März 1855 die erste offizielle Flagge Siams durch König Mongkut (Rama IV.) eingeführt wurde. Sie zeigte einen weißen Elefanten (das königliche Symbol) auf rotem Grund, da die rein rote Flagge für internationale Beziehungen einen zu geringen individuellen Charakter besaß. Sie wurde erst am 28. September 1917 durch die heute noch gültige Variante mit dem Streifendesign ersetzt.

Nationales Symboltier gefährdet

Im Hinblick auf die kulturhis­torische Relevanz von Elefanten ist es umso erstaunlicher, dass der Bestand der Rüsseltiere in Thailand stark gefährdet ist. Nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF wird die Zahl wildlebender Elefanten im Königreich auf etwa 2.500 bis 3.200 Tiere geschätzt. Zudem gilt das Land trotz der hohen Verehrung der Tiere immer noch als Umschlagplatz für afrikanisches Elfenbein, auch wenn sich die Lage gemäß WWF bereits verbessert habe. So wird seit einigen Jahren mittels forensischer Tests überprüft, ob das Elfenbein im Land wirklich nur wie erlaubt aus Thailand stammt, was die Strafverfolgung vereinfacht.

Ein weißer Elefant zierte die erste offizielle Flagge Siams (1855–1916), eingeführt durch König Mongkut (Rama IV.).
Ein weißer Elefant zierte die erste offizielle Flagge Siams (1855–1916), eingeführt durch König Mongkut (Rama IV.).

Der Nationale Elefantentag ist vor diesen Hintergründen auch als Versuch der Regierung zu betrachten, in der Bevölkerung ein öffentliches Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen sowie auf die Gefahren von Wilderei und auf die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes der Tiere hinzuweisen.

Obst-Banketts und Segnungen

Auch wenn der Nationale Elefantentag kein arbeitsfreier Tag ist, werden am 13. März in den Elefantencamps und Zoos des Landes viele unterhaltsame Veranstaltungen zu Ehren der Dickhäuter ausgerichtet. Im Laufe der Jahre haben sich bei den Feierlichkeiten zwei feste Rituale herausgebildet: Das Besprenkeln der prachtvoll geschmückten Tiere mit geweihtem Wasser durch Mönche und das Füttern der gefräßigen Riesen mit Obst und anderen Elefantenleckereien. So wird z. B. in Ayutthaya jedes Jahr ein opulentes „All-You-Can-Eat-Buffet“ mit Bananen, Mais, Ananas und Melonen für Elefanten angerichtet.

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Ingo Kerp 08/03/2020 17:24
Die alte Flagge sah gut aus und zeigte die Wertschätzung den Dickhäutern gegenüber. Der "Ehrentag" für die Elefanten sollte über diesen Tag hinaus gelten, die die Elefanten, wie alle tierischen Lebewesen, viel Aufmerksamkeit, Pflege und Rücksichtnahme genießen sollten.