Start für Corona-Testpflicht: Kosten, Kontrollen, Kapazitäten

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn spricht während einer Pressekonferenz im Gesundheitsministerium in Berlin. Foto: epa/Clemens Bilan
Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn spricht während einer Pressekonferenz im Gesundheitsministerium in Berlin. Foto: epa/Clemens Bilan

BERLIN: Nach und nach enden die Sommerferien - und für Heimkehrer aus vielen Urlaubsregionen heißt das: Nicht nur Koffer auspacken, sondern auch einen Corona-Test machen. Chaos an den Flughäfen blieb bislang aus. Aber wie läuft das alles ab, wer trägt die Kosten und was sagen Ärzte zu den Pflichttests?

Im Kampf gegen das Coronavirus gilt seit Samstag eine Testpflicht für alle Urlauber, die aus Ländern mit vielen Infizierten zurückkommen. Wer kein negatives Test-Ergebnis von kurz vor der Abreise dabei hat, muss sich nach der Ankunft in Deutschland testen lassen. Dies ist bis zu drei Tage nach der Einreise kostenlos möglich, wie eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) festlegt. Die Tests sollen direkt an Flughäfen zu machen sein oder später in anderen Testzentren und Praxen. Freiwillig können sich schon seit vergangenem Samstag alle Urlauber kostenlos testen lassen.

Zu Chaos an den Flughäfen kam es am Samstag nicht. Am größten deutschen Airport in Frankfurt etwa war im Testzentrum vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) nur von «minimal mehr» Tests die Rede. Am Flughafen Hannover bildeten sich vor einem Testzentrum zumindest längere Schlangen. Am Hamburger Flughafen mussten die von der Testpflicht betroffenen Reisenden laut einem Sprecher der zuständigen Sozialbehörde nicht länger als 30 Minuten auf den Abstrich warten. Auch in Berlin verliefen die Tests an den Flughäfen Tegel und Schönefeld sowie auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) nach Angaben der Gesundheitsverwaltung weitgehend reibungslos.

Rückkehrer aus Risikogebieten, die nicht schon bei der Einreise ein aktuelles negatives Test-Ergebnis vorweisen können, müssen sich testen lassen. Dies ist bis zu drei Tage nach der Ankunft kostenlos möglich, wie eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorsieht. Die Tests sollen direkt an Flughäfen zu machen sein, aber auch in Testzentren oder Arztpraxen in Städten

Der Ärzteverband Marburger Bund begrüßte die neue Pflicht. An ersten Ergebnissen sei zu sehen, dass bei Rückkehrern aus Risikogebieten die Rate positiver Tests höher sei als bei den Tests im Inland, sagte die Vorsitzende Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur. «Die Testpflicht könnte dies sogar noch deutlicher zutage fördern - denn es liegt nahe, dass Menschen mit einer Tendenz zu Risikoverhalten im Urlaub auch eher an freiwilligen Teststationen vorbeigehen.» Auch bei einem ersten negativen Test sei eine kurze Quarantäne von einigen Tagen und dann ein zweiter Test sinnvoll. Tests seien Momentaufnahmen und deckten die vorangegangenen drei bis fünf Tage nicht ab.

Kritik kommt dagegen vom Vorsitzenden des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. Die Risikogebiete seien «viel zu pauschal» eingeteilt worden und viele Hausärzte seien nicht für einen riesigen «Ansturm von Testwilligen» ausgestattet, sagte Weigeldt der «Welt» (Samstag). Zudem sei es «absurd», dass Rückkehrer dem Arzt glaubhaft machen müssten, tatsächlich im Ausland gewesen zu sein - etwa durch einen Boarding-Pass oder eine Hotelrechnung. Die Hausärzte seien keine «Außenstelle des Bundesgesundheitsministeriums».

Aus der CDU gibt es Kritik daran, dass die Pflichttests für die Reisenden kostenlos sind. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff etwa sagte dem «Spiegel», die Regelung sei zwar vorübergehend richtig für die sofortige Umsetzung. «Für eine dauerhafte Lösung muss aber über Alternativen nachgedacht werden, zum Beispiel, ob die Kosten für die Tests auf die entsprechenden Flugtickets umgelegt werden.»

Für Heimkehrer aus Risikogebieten gibt es künftig zwei Möglichkeiten: Entweder sie lassen sich noch im Urlaubsland höchstens 48 Stunden vor der Abreise testen und legen einen Negativ-Nachweis in deutscher oder englischer Sprache vor. Tests im Ausland sind aber selbst zu zahlen. Oder sie lassen sich nach der Rückkehr in Deutschland testen, was bis zu drei Tage kostenlos möglich ist.

Ein Überblick über die konkreten Bestimmungen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums:

DIE RISIKOGEBIETE: Welche Länder als Risikogebiete gelten, geht aus einer Liste des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Sie umfasst etwa 130 Staaten von Ägypten über Russland bis zu den USA. Aus der EU sind aktuell Luxemburg, die belgische Provinz Antwerpen und die spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra sowie Teile Rumäniens und Bulgariens, darunter auch die Touristenhochburg Warna, auf der Liste. Zentrales Kriterium ist, in welchen Staaten oder Regionen es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Diese Einstufung als Risikogebiet ist nicht gleichbedeutend mit Reisewarnungen, die das Auswärtige Amt für Länder ausspricht.

DIE RÜCKKEHR: Schon seit einigen Wochen gilt generell, dass sich alle Rückkehrer aus Risikogebieten beim Gesundheitsamt melden und Angaben zu Symptomen und einem eventuellen Corona-Test machen müssen. Kommen sie per Flugzeug, Schiff, Zug oder Bus direkt aus einem Risikogebiet, sind an Bord «Aussteigekarten» mit diesen Angaben auszufüllen, die dann eingesammelt werden. Hat man kein negatives Testergebnis, wird das zuständige Gesundheitsamt informiert. Bei Rückkehrern per Auto sollen in Grenznähe Stichproben-Kontrollen gemacht werden können.

Generell gilt für Urlauber aus Risikogebieten zudem, sich direkt nach der Ankunft für 14 Tage in Quarantäne nach Hause zu begeben - es sei denn, man hat ein negatives Testergebnis. Testen lassen müssen sich grundsätzlich auch Kinder. Die Testpflicht greift nicht, wenn man ohne Zwischenstopp nur durch ein Risikogebiet gereist ist.

DIE TESTS: Wenn möglich, sollten sich Rückkehrer ohne Test gleich an Flughäfen, Bahnhöfen und Häfen testen lassen - oder später in anderen Testzentren und Praxen ihres Ortes. Teststellen soll man auch unter der ärztlichen Servicetelefonnummer 116.117 erfragen können. Den Test muss man nach Aufforderung des Gesundheitsamts binnen 14 Tagen nach Einreise machen - und in Quarantäne bleiben, bis das Ergebnis da ist. In der Regel dauert es laut Gesundheitsministerium 24 bis 48 Stunden.

Ein positives Ergebnis meldet das Labor direkt an das Gesundheitsamt, und man muss für bis zu 14 Tage in Quarantäne. Ein negatives Ergebnis heißt in den meisten Bundesländern, dass keine häusliche Quarantäne mehr nötig ist, wie das Ministerium erläutert. Die Test-Bescheinigung müssen Reisende selbst ans Gesundheitsamt schicken. Falls Einreisende aus Risikogebieten auf Aufforderung keinen Test dulden, drohen Bußgelder bis zu 25.000 Euro - die Höhe soll aber verhältnismäßig festgelegt werden. Zwangstests sind nicht geplant, betonte das Ministerium.

KOSTEN UND KAPAZITÄTEN: Alle Tests bei der Rückkehr nach Deutschland kosten Reisende bis zu 72 Stunden nach der Einreise nichts - egal, aus welchem Land man kommt. Um glaubhaft zu machen, dass man im Ausland war, kann man etwa einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder andere Nachweise vorlegen. Finanziert werden die Tests zunächst von den gesetzlichen Krankenversicherungen, auch für Privatpatienten. Der Bund übernimmt die Kosten dann aber über einen schon besiegelten höheren Milliardenzuschuss an die Kassen.

Dabei sind pro Test vorerst 50,50 Euro für Laborleistungen angesetzt, dazu kommen 15 Euro Vergütung für den Arzt. Kapazitäten für weitere Tests sind da, wie das Ministerium deutlich macht: Möglich seien inzwischen bis zu 1,2 Millionen Tests pro Woche, seit längerem werde aber nur knapp die Hälfte davon ausgeschöpft. In Urlaubsländern sind Kosten für Tests, die Reisende selbst zahlen müssen, unterschiedlich hoch. In der Türkei werden beispielsweise 15 bis 30 Euro fällig.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
required fields
Norbert Schettler 09/08/2020 09:07
@Stefan Reiter
Sie schreiben es am Anfang ja schon, "bei aller möglichen Gefährlichkeit"...
Und die beiden von Ihnen genannten Virologen sind doch bei weitem nicht die Einzigen, die so argumentieren.
Die Maske, die ich mir hier aufsetzte um in den Big C zu kommen, ist total harmlos, die Maske, die die beiden Herren nennen ist gemeingefährlich.
Norbert Kurt Leupi 09/08/2020 03:52
Corona-Testpflicht
Mit all`den Tests von all`den Virologen und Epidemiologen auf der ganzen Welt kann man von der Schwangerschaft bis zum Vaterschaftstest und der Abgasuntersuchung alles testen lassen ! In den USA bekommen die konservativen Trump-Anhänger Hydroxychloroquin und die Demokraten den Bill Gates - Impfstoff ! Oder ist etwa Corona nur ein Vorgeschmack dessen , was noch auf uns zukommt ?
Stefan Reiter 09/08/2020 02:07
Mal ein unpassender Kommentar dazu
Hatte mir mal jüngste Interviews von den Virologen Ian Lipkin (USA) und Denis Prozenko (Russland) angesehen. Bei aller möglicher Gefährlichkeit, fand ich doch verblüffend, was beide fast wortgleich aussagten:

"Die weitaus schlimmere Pest oder Pocken haben uns nicht heimgesucht, sondern ein mutierter Virus der gemeinen Grippe, der wie eine Maske den ökonomischen und sozialen Schaden rechtfertigt. Es bleibt abzuwarten, ob diese Maske vorwandlich zu rechtfertigen bleibt. Wir fragen uns deshalb, ob die Statistiken Exzess-Mortalität noch korrekt sein können und noch bei normalen 200.000- 600.000 Grippe Tote im Jahr, noch differenziert wird."

Weil sich Influenzaviren permanent verändern können, ist das ja alles so unheimlich und kompliziert.