Seoul kritisiert Raketentest des Nordens - Trump beschwichtigt

Foto: Twitter/@shaolintom
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SEOUL/WASHINGTON (dpa) - Nordkorea reagiert mit dem jüngsten Raketentest auf Militärmanöver zwischen US- und südkoreanischen Streitkräften. Südkoreas Militär rechnet mit weiteren Provokationen - und US-Präsident Trump beschwichtigt und freut sich über Post aus Pjöngjang.

US-Präsident Donald Trump hat ein erneutes Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Aussicht gestellt und zugleich Manöver seiner eigenen Streitkräfte mit Südkorea kritisiert. Trump twitterte am Samstag, ein langer Brief von Kim an ihn sei auch «eine kleine Entschuldigung dafür gewesen, Kurzstreckenraketen zu testen». Nordkoreas Militär hatte am Samstag nach südkoreanischen Angaben zum fünften Male binnen gut zwei Wochen mehrere Raketen abgefeuert. Nach Ansicht der Präsidialkanzlei in Seoul war dies eine «Machtdemonstration» des Nordens gegen die Militärmanöver im Süden.

Auch die EU verurteilte den neuerlichen Raketentest scharf. Damit untergrabe Nordkorea weiter die internationalen Bemühungen, Vertrauen aufzubauen und nachhaltigen Frieden ohne Nuklearwaffen auf der koreanischen Halbinsel zu etablieren, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini am Samstag. «Wir erwarten, dass die Demokratische Volksrepublik Korea von weiteren Provokationen absieht, seine Zusagen einhält und seine internationalen Verpflichtungen aus mehreren Resolutionen des UN-Sicherheitsrats vollständig umsetzt.»

Trump teilte am Samstag in zwei Twitter-Nachrichten mit, Kim habe in dem Schreiben «sehr nett» bekundet, dass er nach einem derzeit laufenden gemeinsamen Manöver von US- und südkoreanischen Truppen bereit für ein Treffen und die Aufnahme von Verhandlungen sei. Nach der von Kim kritisierten Militärübung würden auch die Raketentests enden. Trump schrieb: «Ich freue mich darauf, Kim Jong Un in nicht allzu ferner Zukunft zu sehen!»

Streitkräfte der USA und Südkoreas hatten am vergangenen Montag ihre halbjährlich angesetzten, gemeinsamen Militärmanöver begonnen. Details über das Ausmaß der Manöver waren zunächst nicht bekannt. Die USA haben rund 28 500 Soldaten auf südkoreanischem Boden stationiert. Trump nannte die gemeinsamen Manöver am Samstag «lächerlich und teuer».

Die von Nordkoreas Ostküste abgefeuerten Raketen hätten eine Flughöhe von 48 Kilometern erreicht und seien nach rund 400 Kilometern Flugstrecke ins Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer) gestürzt, teilte die südkoreanische Truppenführung mit. «Wir sehen die Möglichkeit weiterer Raketentests, da Nordkorea derzeit seine Militärübungen im Sommer durchführt und auch die kombinierten Militärübungen Südkoreas mit den USA anlaufen», hieß es in der Stellungnahme des Militärs.

Schon bei vorherigen Provokationen aus Nordkorea hatten sich die US-Regierung und vor allem Trump zuletzt auffallend zurückhaltend geäußert. Ende Juli sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums, die Regierung setze im Umgang mit Nordkorea auf Diplomatie und hoffe hier auf Fortschritte nach dem jüngsten Treffen von Trump und Kim Ende Juni.

Ebenfalls am Freitag bekräftigte US-Verteidigungsminister Mark Esper bei einem Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, dass die USA weiter zu diplomatischen Gesprächen mit Nordkorea bereit seien, um Fortschritte bei der nuklearen Abrüstung des Landes zu erzielen. Allerdings werde man die Sanktionen gegen Nordkorea aufrechterhalten, solange Pjöngjang nicht sein Atomprogramm aufgebe.

Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump hatten Ende Juni bei einem kurzen Treffen im Grenzort Panmunjom auf der koreanischen Halbinsel Arbeitsgespräche zur atomaren Abrüstung in der Region vereinbart. Nach ihrem gescheiterten Gipfeltreffen im Februar in Vietnam weckte das Treffen neue Hoffnung auf Fortschritte in den festgefahrenen Verhandlungen über das Atomprogramm Nordkoreas.

Der Abschuss ballistischer Raketen kurzer, mittlerer und langer Reichweite ist Nordkorea - das mehrfach Atombomben getestet hat - durch UN-Resolutionen verboten. Derartige Raketen sind in aller Regel Boden-Boden-Raketen, die einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf befördern können.

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