Sechs Monate auf See: 300 Rohingya-Flüchtlinge landen

Rohingya-Flüchtlinge ruhen sich nach dem Aussteigen aus einem Boot aus, als sie am Strand von Lancok in Nord-Aceh ankommen. Foto: epa/Hotli Simanjuntak
Rohingya-Flüchtlinge ruhen sich nach dem Aussteigen aus einem Boot aus, als sie am Strand von Lancok in Nord-Aceh ankommen. Foto: epa/Hotli Simanjuntak

MEDAN: Mehr als 300 Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar sind am Montag nach Monaten auf See auf der indonesischen Insel Sumatra gelandet. Eigentlich hätten sie nach Malaysia gewollt, sie seien aber von verschiedenen Ländern immer wieder abgewiesen worden, teilte das UN-Flüchlingshilfswerk UNHCR mit.

Am Ende landeten sie mit ihrem Boot in der streng muslimischen Provinz Aceh in Indonesien, wie der Chef des örtlichen Roten Kreuzes der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. «Sie sind schwach und einige von ihnen sind krank.» Nach eigenen Angaben waren die 181 Frauen, 102 Männer und 14 Kinder vor mehr als einem halben Jahr in Bangladesch aufgebrochen.

Mehr als 30 Mitglieder der Gruppe sind UNHCR-Angaben zufolge auf See gestorben. Die «kollektive mangelnde Bereitschaft» verschiedener Staaten, die Rohingya aufzunehmen, habe deren Leidensweg dramatisch verlängert, sagte der UNHCR-Direktor für die Region Asien-Pazifik, Indrika Ratwatte. «Die Gruppe hat über einen Zeitraum von mehr als 200 Tagen auf See wiederholt versucht, irgendwo von Bord zu gehen - ohne Erfolg.»

Die Rohingya seien zunächst in provisorischen Unterkünften in der Stadt Lhokseumawe untergebracht worden. Zudem wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Initiative Corona-Schnelltests durchgeführt. In den vergangenen Jahren sind Tausende Rohingya in Aceh angekommen, weil ihre Boote auf dem Weg nach Malaysia und andere Länder der Region vom Kurs abkamen oder abgewiesen wurden.

Im früheren Birma werden die Rohingya seit Jahrzehnten verfolgt und diskriminiert, viele verloren durch ein 1982 erlassenes Gesetz die Staatsbürgerschaft und sind staatenlos. Hunderttausende von ihnen sind aus Myanmar geflohen. Die meisten leben in dicht besiedelten Lagern in Bangladesch. Die UN bezeichnen die Verfolgung der Minderheit als Völkermord. Das Militär von Myanmar und die Regierung unter der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi stehen wegen der Verfolgung international in der Kritik.

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