Red-Bull-Erbe wird wegen zwei Straftaten angeklagt

Red-Bull-Erbe Vorayuth „Boss
Red-Bull-Erbe Vorayuth „Boss" Yoovidhya. Foto: The Nation

BANGKOK: Die Staatsanwaltschaft will den Red-Bull-Erben Vorayuth „Boss" Yoovidhya wegen Konsums illegaler Substanzen und rücksichtslosen Fahrens mit Todesfolge anklagen, die auf seinen tödlichen Unfall mit Fahrerflucht in Bangkok im Jahr 2012 zurückzuführen sind.

Eine Arbeitsgruppe der Generalstaatsanwaltschaft (OAG) gab die Entscheidung der Staatsanwaltschaft am Freitag bekannt. Sie erfolgt zwei Monate, nachdem die Behörden den Fall unerwartet hatten fallen gelassen, was in der Öffentlichkeit Empörung und eine Reihe von Untersuchungen ausgelöst hat, die auf weit verbreitete Mängel in einem Justizsystem hinweisen, das offenbar zugunsten der Reichen operiert.

Laut Itthiphon Kaewthip, dem stellvertretenden Generaldirektor der Abteilung für Strafverfolgung, hat die Arbeitsgruppe unter Leitung des stellvertretenden Generalstaatsanwalts Somsak Tiyavanich dem Generalstaatsanwalt ihre Empfehlungen unterbreitet, und diese seien akzeptiert worden. Obwohl die Anklage gegen Vorayuth wegen rücksichtslosen Fahrens mit Todesfolge bereits früher fallen gelassen worden war, ergab eine neue Untersuchung des Falles, dass der Verdächtige Kokain genommen hatte. Zuvor waren wegen der Drogenanklage keine rechtlichen Schritte gegen ihn eingeleitet worden. Ittiporn sagte weiter, es gebe auch neue Beweise und Schlüsselzeugen, die dem Gericht die Anklage wegen rücksichtslosen Fahrens beweisen könnten.

Sathon Wicharnwannarak, Dozent für Physik an der Chulalongkorn-Universität, hatte die Geschwindigkeit des Ferrari des Angeklagten zum Zeitpunkt des Unfalls auf 110-145 Stundenkilometer berechnet, und der Experte Samart Ratchapolsitte kam auf eine Geschwindigkeit auf 160 bis 190 km/h. Die Verjährungsfrist für die Anklage wegen rücksichtslosen Fahrens mit Todesfolge beträgt 15 Jahre und läuft am 3. September 2027 ab, die Anklage wegen Kokainkonsums am 3. September 2022.

Vorayuth fuhr den Ferrari, der am frühen Morgen des 3. September 2012 den 47-jährigen Senior Sergeant Maj Wichian Klanprasert tötete. Er krachte auf der Sukhumvit Road in das Heck des Polizeimotorrads. Er floh dann vom Tatort zu seinem Haus in der Nähe. Er verzögerte die Anhörung der gegen ihn erhobenen Anklage sieben Mal. Erst am 27. April 2017 klagten ihn die Staatsanwälte schließlich wegen rücksichtslosen Fahrens mit Todesfolge und unterlassener Hilfeleistung für ein Unfallopfer an. Er floh zwei Tage vor der Anklageerhebung mit einem Privatflugzeug aus Thailand.

Vorayuth ist der Sohn von Chalerm Yoovidhya, dessen Familie Miteigentümer der Energy-Drink-Megamarke Red Bull ist. Mit einem geschätzten Nettovermögen von 20 Milliarden US-Dollar steht die Familie auf Platz zwei der reichsten Thais.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Hansruedi Bütler 20.09.20 19:52
„Rechtswissenschaftler“ Harms träumt von Rechts-
staatlichkeit.
Haben Sie schon einen Aufweckplan Herr Harms?
Volker Picard 20.09.20 14:28
So werden nun mal die Reichen
in Thailand °normal° behandelt. Ich kann mir bei aller Fantasie nicht vorstellen, dass so vermögende Bürger °normal° behandelt werden, sondern °Kohle° sorgt dafür, bitte nie eine Strafe, sondern nur ein paar lächerliche Millionen an die tüchtigen Anwälte.
Oliver Harms 19.09.20 17:22
Oha Rechtswissenschaftler haben wir auch
Wenn er für den Konsum angeklagt und verurteilt wird,entfällt mit 100% Sicherheit KEIN anderer
Anklagepunkt!
Es gibt in Thailand bekanntlich kein Zusammenschluß von Straftaten innerhalb einer strafbaren Handlung.
Ergo jede Tat wird einzelnd angeklagt und abgeurteilt.
Aber da von ab,auch in DACH werden sie nach einem Tötungsdelikt unter dem Einfluß von Bewustsein verändernden Substanzen verurteilt.Hier wird nur eine Tateinheit hergestellt und es wird nach der Tat verurteilt welche schwerer wiegt.

Die Rechtsstaatlichkeit sieht vor,daß der Beklagte grundsätzlich informiert werden muß.
Da dieser untergetaucht ist,wird also der Vertreter des Angeklagten-also der Rechtsbeistand-
über eine erneute Anklageerhebung informiert.Wenn nicht,haben sie einen juristischen Formfehler
verbracht der Konsequenzen haben kann.
Heinz Jörg 19.09.20 17:07
Null-Aktion
Das Ganze dient doch nur dazu das Volk zu beschwichtigen. Der "Boss" ist schon längs wieder in irgend einem anderen Land mit dem es keinerlei Abkommen mit Thailand gibt untergetaucht. Man hätte alle Aktionen erstmal als geheim einstufenn müssen und nicht öffentlich machen dürfen. Er wurde damit, bestimmt absichtlich, gewarnt. Frühestens am 4.September 2027 wird wieder in Thailand einreisen und das mit lachendem Gesicht.
Dietmar Kajnath 19.09.20 14:56
...ist er denn schon wieder zurueck in Thailand?