Netanjahus «Abendmahl» - Künstler kritisiert Israels Regierungschef

Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu. Photo: epa/DAN BALILTY / POOL
Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu. Photo: epa/DAN BALILTY / POOL

TEL AVIV: Mit einer lebensgroßen Nachbildung des «Abendmahls» von Leonardo da Vinci prangert ein israelischer Künstler die Politik von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an. Auf dem Rabin-Platz im Zentrum Tel Avivs hat Itai Salait einen langen Tisch aufgebaut, an dem er mittig eine Figur des Regierungschefs platzierte. Neben der Figur sitzt niemand. Der Tisch ist voll mit Essen, Champagnerflaschen und Kerzen. Die linke Hand des nachgebildeten Ministerpräsidenten liegt in einem Kuchen in Form der israelischen Fahne.

«Wir sind einen Moment vom letzten Abendmahl der Demokratie entfernt. Wir sind beim Nachtisch», sagte Salait am Mittwoch vor Reportern. «Die Stühle der Regierung sind leer, es gibt niemanden, der uns repräsentieren wird.» Salait warf der Regierung zugleich vor, das Land zu spalten, etwa in Linke und Rechte, in Araber und Juden sowie in Religiöse und Säkulare.

Netanjahu steht derzeit stark unter Druck. Zum einen werden ihm Fehler im Corona-Krisenmanagement vorgeworfen. Zum anderen ist der 70-Jährige wegen Korruptionsvorwürfen angeklagt. Kritiker befürchten, er könne versuchen, eine Verurteilung über eine systematische Schwächung des Justizsystems und Gesetzesänderungen zu verhindern.

Kurz vor der Präsentation des Werks waren bei einer Demonstration gegen Polizeiminister Amir Ochana in Tel Aviv mehrere Menschen verletzt worden. Demonstranten sagten israelischen Medien, eine Gruppe Rechter habe sich unter sie gemischt und sie angegriffen. Ochana wird vorgeworfen, Proteste gegen Netanjahu verhindern zu wollen. Zuvor hatten Medien eine entsprechende Aufnahme eines Gesprächs des Ministers mit einem hochrangigen Polizisten veröffentlicht. Ochana ist ein Unterstützer Netanjahus.

Der Ministerpräsident kündigte eine Untersuchung der Vorfälle an. Es gebe keinen Platz für Gewalt, egal aus welchem Grund, twitterte Netanjahu. «Und genauso wenig gibt es Platz für Aufwiegelung und Todesdrohungen - explizit oder implizit - gegen mich und meine Familie, dazu zählt auch die schändliche Drohung mit Kreuzigung heute in Tel Aviv.»

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