Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

Symbolfoto: Freepik/poringdown
Symbolfoto: Freepik/poringdown

Dax leicht im Minus - Hoher Wochen- und Monatsverlust

FRANKFURT/MAIN: Der Dax hat sich am Freitag nach zunächst deutlichen Abschlägen etwas gefangen. Der Leitindex pendelte meist um seinen Vortagesschluss und notierte am Nachmittag mit minus 0,36 Prozent auf 11.556,62 Punkten. Für den gesamten Monat Oktober sieht es mit einem Minus von derzeit 9,4 Prozent noch etwas schlimmer aus. Bei 11.450 Punkten hatte der Dax im frühen Freitagshandel etwa 38 Prozent der Erholung von seinem Corona-Crashtief im März bis zum Zwischenhoch Anfang September wieder abgegeben. Der MDax der 60 mittelgroßen Börsentitel legte vor dem Wochenende bislang um 0,10 Prozent auf 25.827,84 Punkte zu. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab leicht nach. Der Euro kletterte am Nachmittag wieder über die Marke von 1,17 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1704 Dollar festgesetzt.


BBVA überrascht mit Milliardengewinn

MADRID: Die spanische Großbank BBVA hat im dritten Quartal überraschend viel verdient.

Der Gewinn sank zwar um sieben Prozent auf 1,14 Milliarden Euro, wie die Bank am Freitag in Madrid mitteilte. Experten hatten allerdings mit einem deutlich stärkeren Rückgang gerechnet. Bereinigt um die Folgen des starken Euro wäre der Gewinn der Bank, die viel Geschäft in Mittel- und Südamerika, der Türkei und den Vereinigten Staaten hat, sogar um gut vier Prozent gestiegen.


Nach Milliardenverlust: Air France-KLM streicht Flugplan zusammen

PARIS/LONDON: Die Fluggesellschaft Air France-KLM folgt nach einem Milliardenverlust und dem Lockdown in Frankreich ihren Konkurrenten und streicht ihren Flugplan für den Rest des Jahres zusammen. Im vierten Quartal soll die französische Sparte Air France wegen der Coronavirus-Pandemie nur noch 35 Prozent ihres Flugangebots aus dem Vorjahr anbieten, wie der Konzern am Freitag in Paris mitteilte. Bei der niederländischen KLM sollen es etwa 45 Prozent sein. Zuvor hatte das Management mit einem Flugangebot von fast zwei Dritteln des Vorjahres geplant. Die Konzernführung um Benjamin Smith kann nach eigener Darstellung derzeit kaum einschätzen, wie sich die Nachfrage nach Flugtickets weiter entwickelt. Die Menschen buchten inzwischen viel kurzfristiger als früher, hinzu kämen die wechselnden coronabedingten Reisebeschränkungen.


Exxon und Chevron mit roten Zahlen - Corona-Krise dämpft Ölnachfrage

IRVING/SAN RAMON: Die Corona-Pandemie setzt den größten US-Ölmultis ExxonMobil und Chevron weiter zu. Im dritten Quartal erlitten beide Konzerne hohe Verluste. US-Branchenführer Exxon geriet in den drei Monaten bis Ende September mit 680 Millionen US-Dollar (582 Mio Euro) in die roten Zahlen, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Vor einem Jahr hatte Exxon noch 3,2 Milliarden Dollar verdient, doch seit der Corona-Krise macht der texanische Konzern nur noch Minus - es war bereits der dritte Quartalsverlust in Folge. Beim zweitgrößten US-Ölkonzern Chevron fiel im vergangenen Quartal ein Minus von 207 Millionen Dollar an. Zum Vergleich: Vor einem Jahr hatte noch ein Nettogewinn von 2,6 Milliarden Dollar zu Buche gestanden.


Fluggesellschaften starten am BER mit verringertem Angebot

BERLIN: Viele Fluggäste werden zum Start des neuen Hauptstadtflughafens BER an diesem Samstag (31. Oktober) nicht erwartet - mit einem entsprechend verringerten Angebot stellen sich die Fluggesellschaften darauf ein. Der bislang größte Anbieter in Berlin, die britische Easyjet, hat sich mit den Gewerkschaften darauf geeinigt, die in Berlin im vergangenen Jahr stationierte Flotte von 34 Flugzeugen auf 18 zu reduzieren. Die Fluggesellschaft bietet zum Auftakt 23 Strecken zu internationalen Zielen an, wie sie mitteilte. Damit plant Easyjet für die Betriebsaufnahme am BER mit rund 180 Flügen in der ersten Woche. Im Jahr 2019 waren es demnach von den Berliner Airports Tegel und Schönefeld aus rund 250 Flüge am Tag.


Bundesgerichtshof pocht auf korrekte Info zur Verbraucherschlichtung

KARLSRUHE: Unternehmen, die eine Internetseite haben und Allgemeine Geschäftsbedingungen verwenden, müssen an beiden Stellen über ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einer Verbraucherschlichtung informieren. Eine Angabe nur im Impressum der Homepage und auf einem separaten Infoblatt reiche nicht, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe nach einer Klage von Verbraucherschützern. Das Urteil wurde am Freitag veröffentlicht. Verbraucher können sich seit 2016 kostenlos an speziell eingerichtete Schlichtungsstellen wenden, wenn sie einen Streit mit einem Unternehmen außergerichtlich klären lassen möchten. Ein unabhängiger Streitmittler unterbreitet beiden Seiten einen Schlichtungsvorschlag. Unternehmen müssen Verbraucher darüber informieren, ob sie bereit sind, an einer solchen Schlichtung teilzunehmen, oder das sogar müssen.


Flixbus und Flixtrain stellen Betrieb vorübergehend ein

BERLIN/MÜNCHEN: Der Fernbus-Anbieter Flixbus stellt aufgrund der neuen Corona-Kontaktbeschränkungen seinen Betrieb in Deutschland, Österreich und der Schweiz ab 3. November vorübergehend ein. Auch das Fernbahn-Unternehmen Flixtrain wird von Dienstag an vorläufig nicht mehr fahren, wie das Unternehmen Flixmobility am Freitag mitteilte. Wenn es die Situation erlaube, wolle Flixbus den Betrieb bis zu den Feiertagen wieder aufnehmen. «Auch Flixtrain wird, sobald es möglich und sinnvoll ist, wieder fahren.» Mitgründer und Geschäftsführer André Schwämmlein sagte, diese Entscheidung falle nicht leicht. «Schließlich sind unsere Verkehrsträger auch in Zeiten von Corona zwei der sichersten Verkehrsmittel überhaupt.» Dennoch müsse man auf die derzeitige Lage reagieren.


Conti-Betriebsrat zu Degenhart-Rücktritt: Zeitnah Nachfolge klären

HANNOVER: Der Continental-Betriebsrat hat die Konzernführung nach der überraschenden Rücktrittsankündigung von Vorstandschef Elmar Degenhart aufgefordert, die Nachfolge möglichst rasch zu klären. «Angesichts des laufenden Transformationsprogramms und der Corona-Krise ist jetzt nicht die Zeit für Experimente», mahnte der Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Hasan Allak, am Freitag. Chefkontrolleur Wolfgang Reitzle hatte am Donnerstagabend eine kurzfristige Entscheidung versprochen - bis wann ein neuer Conti-Chef gefunden werden kann, ist aber noch unklar. Am Kurs Degenharts hatte es zuletzt Kritik aus der Belegschaft, vonseiten der Gewerkschaften und auch aus der Politik gegeben - die geplanten Einsparungen, Stellenstreichungen und Standortschließungen lösten vielerorts Unverständnis aus.


Anerkennung von EU-Berufsqualifikationen: Brüssel macht Druck

BRÜSSEL: Deutschland hat wegen Mängeln bei der Anerkennung von Berufsqualifikationen von EU-Bürgern weiter Ärger mit Brüssel. Die EU-Kommission trieb am Freitag ein bereits laufendes Vertragsverletzungsverfahren voran und droht nun mit Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, wenn Berlin nicht binnen zwei Monaten Abhilfe schafft.

Konkret geht es um die EU-Richtlinie zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen, die Arbeitnehmern das Umziehen innerhalb der Staatengemeinschaft erleichtern soll. Deutschland habe die Richtlinie bei Bestimmungen für Gesundheits- und Handwerksberufe sowie Architekten falsch umgesetzt. Zudem bemängelt die EU-Kommission Regeln der Bundesländer zur Anerkennung von Ingenieuren und zur Möglichkeit, Ingenieur-Dienstleistungen anzubieten.


Exxon mit weiterem Verlust - warnt vor hohen Abschreibungen

IRVING: Der größte US-Ölmulti ExxonMobil hat auch im dritten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben und vor milliardenschweren Abschreibungen gewarnt. Der Nettoverlust betrug 680 Millionen Dollar (582 Mio Euro), wie das Unternehmen am Freitag im texanischen Irving mitteilte. Vor einem Jahr hatte Exxon noch 3,2 Milliarden Dollar verdient. Auch wenn sich die Nachfrage nach Öl ein Stück weit erholt habe, leide die Weltwirtschaft weiter stark unter den Folgen der Corona-Pandemie, sagte Konzernchef Darren Woods. Exxons Umsatz ging im Jahresvergleich um 29 Prozent auf 46,2 Milliarden zurück.

Zudem warnte das Unternehmen vor möglichen Abschreibungen im Volumen von 25 bis 30 Milliarden Dollar. Im Gasgeschäft bestehe die Gefahr einer erheblichen Korrektur von Vermögenswerten. Angesichts der schwierigen Lage streicht Exxon seine Kosten weiter zusammen. Die Investitionen in Ausrüstung sowie Erkundungs- und Förderprojekte wurden im bisherigen Jahresverlauf um 6 Milliarden auf 16,6 Milliarden Dollar gekürzt. Im kommenden Jahr sollen sie von ursprünglich geplanten 23 Milliarden Dollar auf 16 bis 19 Milliarden sinken.

Bei Anlegern kam der Quartalsbericht zunächst nicht gut an, die Aktie reagierte vorbörslich mit Verlusten. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um mehr als 50 Prozent gesunken. Während das Minus in der Bilanz etwas geringer als erwartet ausfiel, blieb der Umsatz unter den Prognosen. Am Vortag erst hatte Exxon den Abbau von rund 1900 US-Jobs angekündigt und gewarnt, dass die weltweite Mitarbeiterzahl bis Ende 2022 um rund 15 Prozent reduziert werden könnte. Der Konzern hatte Ende 2019 inklusive freier Angestellter etwa 88.000 Beschäftigte.


Deutsche Wirtschaft trotz Rekordwachstums noch nicht über den Berg

WIESBADEN/BERLIN: Die deutsche Wirtschaft hat mit einem unerwartet kräftigen Wachstum im dritten Quartal einen Teil des coronabedingten Einbruchs wettgemacht. Trotz eines Rekordanstiegs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal ist Europas größte Volkswirtschaft aber noch nicht über den Berg. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet in seiner aktuellen Prognose im Gesamtjahr mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung von 5,5 Prozent. Wirtschaftsminister Peter Altmaier sieht die Entwicklung der Konjunktur angesichts der zweiten Corona-Welle am Scheideweg. Zwar erwartet der CDU-Politiker 2020 nun einen geringeren Konjunktureinbruch als zuvor und rechnet im kommenden Jahr mit einem Aufschwung. Er sagte aber am Freitag zugleich: «Das Pendel kann in die eine oder andere Richtung ausschlagen.»


Altmaier: Für 2021 moderat positive Wirtschaftsprognose

BERLIN: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet trotz anhaltender Corona-Pandemie für das kommende Jahr mit einer moderaten, aber positiven Entwicklung der Wirtschaft.

«Wir stehen an einem Scheideweg, das Pendel kann in die eine oder andere Richtung ausschlagen», sagte er am Freitag in Berlin. Allerdings habe die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Monaten bewiesen, dass sie auch unter Pandemie-Bedingungen wachsen könne. Die Wirtschaftsleistung war nach dem schwierigen Frühjahr im dritten Quartal kräftig um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen.


Spaniens Wirtschaft erholt sich im Sommer stärker als erwartet

MADRID: Die spanische Wirtschaft hat sich im Sommer stärker als erwartet von dem Corona-Einbruch erholt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im dritten Quartal um 16,7 Prozent zum Vorquartal gewachsen, teilte das nationale Statistikamt INE am Freitag in Madrid nach einer ersten Erhebung mit. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 13,5 Prozent gerechnet. Im zweiten Quartal war die spanische Wirtschaft noch um 17,8 Prozent geschrumpft.

Die Wirtschaft hat sich damit aber noch lange nicht vom Corona-Einbruch im ersten Halbjahr erholt. So lag die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 8,7 Prozent niedriger als im entsprechenden Vorjahresquartal.

Die Erholung dürfte sich im vierten Quartal nicht fortsetzen. Der spanischen Wirtschaft drohen im Herbst und Winter erneut schwere Belastungen. So wurde Spanien von der zweiten Welle von Corona-Neuinfektionen erneut besonders schwer getroffen, weshalb neue weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen wurden.


Ölpreise geben weiter nach

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Freitag im frühen Handel nachgegeben. Nach dem Preisrutsch der vergangenen Tage zeichnen sich am Ölmarkt die höchsten Verluste seit März ab. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 37,19 US-Dollar. Das waren 47 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 41 Cent auf 35,78 Dollar. Im Monatsverlauf sind die Preise für US-Öl damit um fast 12 Prozent abgerutscht.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen in Europa und den USA gehen Marktbeobachter inzwischen von einem Nachfrageschock in Europa aus. «Es wird klar, jetzt da Europa in die zweite Welle schlittert, dass die Erholung nicht so linear verlaufen wird, wie der Markt es eingepreist hat», erklärte Rohstoffanalyst Jeffrey Halley vom Analysehaus Oanda.

Wichtige Entscheidungen, die die trüben Nachfrageaussichten aufhellen könnten, stehen zudem so bald nicht an. Während ein potenzielles US-Konjunkturpaket zumindest verschoben wurde, steht Ende November die Entscheidung des Ölkartells Opec über eine Verlängerung der Förderbeschränkungen an. Zudem gab die Europäische Zentralbank am Donnerstag bekannt, über weitere Unterstützungsmaßnahmen erst im Dezember entscheiden zu wollen.


Euro bleibt unter 1,17 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Freitag im frühen Handel weiter unter der Marke von 1,17 US-Dollar notiert. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1680 Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1704 Dollar festgesetzt.

Belastet wurde der Euro zuletzt durch die Aussicht auf eine noch lockerere Geldpolitik im Währungsraum. Am Donnerstag hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde entsprechende Signale gesendet. Hintergrund ist die Verschärfung der Corona-Pandemie. Analysten erwarten für die nächste Sitzung im Dezember weitere geldpolitische Lockerungen.

Am Freitag werden neue Konjunkturdaten vorgelegt. In der Eurozone stehen aus zahlreichen Ländern Wachstumsdaten für das Sommerquartal an. Es wird zumeist mit einem starken Wirtschaftswachstum gerechnet, nachdem die Konjunktur im Frühjahr infolge der ersten Corona-Welle drastisch eingebrochen war.

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