Nachrichten aus der Wirtschaft am Freitag

Fotomontage: DER FARANG
Fotomontage: DER FARANG

Trotz Hickhack: LVMH beantragt Erlaubnis für Tiffany-Kauf bei EU

PARIS: Der Luxusgüterkonzern LVMH hat die kartellrechtliche Erlaubnis für den Kauf der US-Edeljuwelierkette Tiffany bei der Europäischen Kommission beantragt. LVMH habe den Schritt unternommen, wie der Konzern es immer vorgehabt habe, teilten die Franzosen am Freitagabend in Paris mit. Acht von zehn Wettbewerbsbehörden hätten den Kauf bereits erlaubt.

LVMH wollte ursprünglich Tiffany kaufen, hat den Deal aber dann abgeblasen - unter anderem wegen des Handelsstreits zwischen den USA und Frankreich. Daraufhin ist ein Streit zwischen den beiden Unternehmen entbrannt. Tiffany will die Übernahme vor Gericht durchsetzen. Die US-Amerikaner hatten LVMH vorgeworfen, den Deal noch nicht bei den Wettbewerbsbehörden angemeldet zu haben.

So sieht Tiffany den jetzt erfolgten Antrag als Beleg für die eigene Sicht: Tiffany sei erfreut über den Schritt, teilte der Konzern in einer eigenen Mitteilung mit. Dass LVMH jetzt so schnell handle, zeige nur, dass die Gegenpartei sich vorher nicht in Übereinstimmung mit der Fusionsvereinbarung verhalten hatte.


Bahn und EVG vereinbaren Entgeltplus von 1,5 Prozent

BERLIN: Löhne und Gehälter bei der Deutschen Bahn sollen zu Jahresbeginn 2022 um 1,5 Prozent steigen. Das sieht der Tarifvertrag vor, auf den sich der Konzern mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft verständigt hat, wie beide Seiten am Freitag mittteilten. Die Bahn sprach von einem wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise. Die Verluste infolge der Pandemie könnten dadurch gemildert werden.

Bis zum Ende der Laufzeit Ende Februar 2023 sind demnach betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Außerdem verpflichtet sich der Konzern darin, im nächsten und übernächsten Jahr jeweils 18.000 neue Mitarbeiter einzustellen. Für dieses Jahr hatte das Bundesunternehmen die Einstellung von bis zu 25.000 Kollegen angekündigt.

Die Bahn beschäftigt in Deutschland knapp 215.000 Mitarbeiter. Angesichts der Corona-Krise hatte die EVG eingewilligt, frühzeitig einen neuen Tarif zu verhandeln. Der bisherige Vertrag läuft bis Ende Februar 2021. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer war nicht beteiligt. Sie sieht keine ausreichende Begründung, warum das Personal einen Sparbeitrag leisten soll.


Verkäufe des VW-Konzerns im August wieder stärker abgerutscht

WOLFSBURG: Der Volkswagen-Konzern hat im August nach der zwischenzeitlichen Erholung im Juli wieder deutlich weniger Neuwagen verkaufen können. Im Vergleich zum Vorjahresmonat rutschten die weltweiten Auslieferungen um 6,6 Prozent auf 792.200 Fahrzeuge ab, wie das Unternehmen am Freitag in Wolfsburg mitteilte. Ein Grund dafür dürfte auch ein Sondereffekt sein: Der August 2019 war wegen vorgezogener Autokäufe vor der nächsten Stufe verschärfter Regeln für Abgastests in Europa zum September-Beginn stark verlaufen. Im Juli dieses Jahres hatten die Auslieferungen des größten Autokonzerns verglichen mit dem Vorjahr nur noch um 0,2 Prozent im Minus gelegen.

Insgesamt brach der Absatz wegen der Corona-Krise seit dem Frühjahr stark ein. Besonders in China, dem Ursprungsland der Pandemie, lief es zuletzt aber wieder deutlich besser. Hier meldete Volkswagen ein Verkaufsplus von 3,5 Prozent zum August 2019, auf Jahressicht ist der Rückgang mit 11,6 Prozent aber immer noch beträchtlich. Konzernweit liegen die Auslieferungen seit dem Jahresbeginn um mehr als ein Fünftel (-21,5 Prozent) unter dem Wert für 2019. Bezogen auf den Monat August ist das Minus besonders groß in Nordamerika (-18,7), Westeuropa (-16,6) und Südamerika (-15,5). Im Nahen Osten und in Afrika waren die Werte mit plus 11,6 Prozent klar besser - hier sind die verkauften Stückzahlen aber vergleichsweise gering.

Innerhalb des Konzerns schnitt die Kernmarke VW Pkw um 6,5 Prozent schlechter ab als im August 2019. Besonders stark waren die Rückgänge bei Seat (-24,5) und dem Lkw-Hersteller Scania (-32,4). Audi lag 2,4 Prozent im Minus, Skoda 6,8 Prozent. Deutlich besser lief es bei Porsche, wo ein Zuwachs um 7,9 Prozent gelang. Auch die übrigen Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini verkauften mehr Autos.


Dax im Plus - Anleger überstehen «Hexensabbat» bislang gut

FRANKFURT/MAIN: Anleger am deutschen Aktienmarkt haben den «Hexensabbat» am Freitag bislang ohne größere Blessuren überstanden. Der Dax lag am Nachmittag mit 0,16 Prozent im Plus bei 13.229 Punkten. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel lag mit 0,12 Prozent im Plus bei 27.654 Punkten. Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone gab leicht nach. Am Devisenmarkt legte der Euro etwas zu, er wurde zuletzt mit 1,1835 US-Dollar bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,1797 Dollar festgelegt. Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von minus 0,48 Prozent am Donnerstag auf minus 0,50 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,09 Prozent auf 145,61 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,12 Prozent auf 174,33 Zähler zu.


Umfrage: Nur noch jeder fünfte Betrieb fühlt starke Corona-Belastung

NÜRNBERG: Die Corona-Pandemie entlässt viele deutsche Unternehmen allmählich aus ihrem Klammergriff. Nur noch jeder fünfte Betrieb sei stark negativ von den Folgen betroffen, ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Im Mai hatte noch jeder dritte Betrieb angegeben, stark unter der Pandemie zu leiden. Das IAB befragt alle drei Wochen 1500 Betriebe in Deutschland zu ihren Erfahrungen mit Corona.


US-Regierung will Downloads von Tiktok und WeChat blockieren

WASHINGTON: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump erhöht im Ringen um die Zukunft der populären Video-App Tiktok den Druck. Ab Sonntag soll es in den USA nicht mehr möglich sein, Tiktok und den Chat-Dienst WeChat herunterzuladen, wie aus einer Mitteilung des Handelsministeriums am Freitag hervorging. Tiktok soll zudem ab dem 12. November für Nutzer in den USA nicht mehr funktionieren, während dies im Fall von WeChat ab Sonntag der Fall sein soll. Trump habe jedoch eine Frist bis zum 12. November gesetzt, innerhalb der die Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit noch ausgeräumt werden können, erklärte Handelsminister Wilbur Ross.


Aufsichtsratschef Vetter: Commerzbank muss effizienter werden

FRANKFURT/MAIN: Der neue Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter dringt auf einschneidende Veränderungen bei dem Institut. «Die Commerzbank ist kein Sanierungsfall, die Commerzbank muss aber effizienter werden», sagte Vetter in einem im Intranet des MDax-Konzerns veröffentlichten Interview. Der frühere Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hatte an der Aufsichtsratsspitze der teilverstaatlichten Bank Anfang August die Nachfolge von Stefan Schmittmann angetreten. Schmittmann hatte ebenso wie Konzernchef Martin Zielke nach Kritik von Investoren den Rücktritt angekündigt. Zielkes Vertrag soll spätestens zum Jahresende aufgelöst werden.


Bundesregierung bessert bei Hilfen für den Mittelstand nach

BERLIN: Die Bundesregierung bessert in der Corona-Krise bei der Unterstützung von kleinen und mittelständischen Firmen nach. Die bisher langsam abfließenden Überbrückungshilfen werden bis Jahresende fortgesetzt, wie das Wirtschafts-, Finanz- sowie das Innenministerium am Freitag in Berlin mitteilten. Je nach Höhe der betrieblichen Fixkosten könnten Unternehmen für die Monate September bis Dezember bis zu 200.000 Euro an Förderung erhalten, hieß es. Bisher wurden für die Monate Juni bis August fixe Betriebskosten wie Mieten von insgesamt bis zu 150.000 Euro erstattet, wenn Firmen erhebliche Umsatzausfälle nachweisen konnten. Für die Zuschüsse hatte der Bund 25 Milliarden Euro eingeplant. Die Auszahlung der Gelder über die Länder aber lief schleppend an, auch weil das Verfahren komplex ist.


Bahn-Mitarbeiter bekommen mehr Geld

BERLIN: Nur etwas mehr Geld im Portemonnaie, dafür sichere Arbeitsplätze: Für Beschäftigte der Deutschen Bahn ist in der Corona-Krise ein neuer Tarifvertrag vereinbart worden. Danach steigen Löhne und Gehälter bei dem hoch verschuldeten Staatskonzern zu Jahresbeginn 2022 um 1,5 Prozent. Bis zum Ende der Laufzeit Ende Februar 2023 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, wie die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und die Bahn AG am Freitag mitteilten. Die Bahn beschäftigt in Deutschland knapp 215.000 Mitarbeiter. Anders als die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte die EVG eingewilligt, die Tarifverhandlungen vorzuziehen.


Grenke gibt nach Vorwürfen Sonderprüfung in Auftrag

BADEN-BADEN: Der Leasingkonzern Grenke will die gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit einem Sondergutachten der Wirtschaftsprüfer von KPMG entkräften lassen. Das habe der Aufsichtsrat beschlossen, teilte Grenke am Freitag mit. «Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet», hieß es in einer Stellungnahme. Die Behauptungen der Investorengruppe Viceroy entbehrten jeder Grundlage, man verwahre sich gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard.


Euro stabil über 1,18 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat am Freitagmorgen stabil über der Marke von 1,18 US-Dollar notiert. Im frühen Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1850 Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1797 Dollar fest.

Vor dem Wochenende stehen eher wenige Konjunkturdaten auf dem Programm, die an den Finanzmärkten Kursbewegung hervorrufen könnten. Am interessantesten dürften Zahlen zur Verbraucherstimmung in den USA sein, die am Nachmittag veröffentlicht werden.

In der Eurozone werden einige Auftritte ranghoher Notenbanker erwartet, darunter eine Rede von EZB-Vizepräsident Luis de Guindos. Die EZB hatte in letzter Zeit verstärkt vor einer aus ihrer Sicht zu deutlichen Aufwertung des Euro gewarnt.


Ölpreise bauen Gewinne aus

SINGAPUR: Die Ölpreise haben am Freitag ihre Aufschläge vom Vortag ausgebaut. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 43,62 US-Dollar. Das waren 32 Cent mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 30 Cent auf 41,27 Dollar.

Am Donnerstag waren die Erdölpreise deutlich gestiegen, nachdem Saudi-Arabien einen scharfen Appell an die Mitglieder des Ölverbundes Opec+ gerichtet hatte. Die Saudis sind unzufrieden mit der vereinbarten Förderdisziplin. Einige Länder, zu denen Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate zählen sollen, setzen sich offenbar über die verabredeten Förderschranken hinweg. Auch deutete Saudi-Arabien an, dass die Produktion des Verbunds falls nötig verringert werden könnte.

Schon das alteingesessene Ölkartell Opec ist durch eine teils sehr gegensätzliche Interessenlage seiner Mitglieder gekennzeichnet, beispielsweise der Länder Saudi-Arabien und Iran. Dem erweitertem Verbund Opec+, dem unter anderem Russland angehört, ergeht es ähnlich. Trotzdem wurden die in der Corona-Krise verabredeten Förderbeschränkungen bis auf einige Ausnahmen relativ gut eingehalten. Im August wurden die Schranken jedoch etwas gelockert.

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