Nachrichten aus der Wirtschaft am Donnerstag

Aus den Schornsteinen des Industriegebiets Kakogawa in der Stadt Kakogawa steigt Rauch auf. Foto: epa/Dai Kurokawa
Aus den Schornsteinen des Industriegebiets Kakogawa in der Stadt Kakogawa steigt Rauch auf. Foto: epa/Dai Kurokawa

Japans Industrieproduktion im September weiter gestiegen

TOKIO: Japans Industrieproduktion zieht nach den schweren Einbrüchen in Folge der Corona-Pandemie weiter an. Der Ausstoß der vor Deutschland drittgrößten Volkswirtschaft der Welt stieg im September um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie die Regierung am Freitag auf Basis vorläufiger Daten bekanntgab. Damit setzte sich die moderate Erholung der Produktion in Japan im nunmehr vierten Monat in Folge fort. Im August hatte Japan laut revidierten Daten einen Anstieg der Produktion um 1,0 Prozent verzeichnet. Japans Industriekonzerne rechnen für den Monat Oktober mit einem weiteren Produktionsanstieg von 4,5 Prozent und von 1,2 Prozent im November. Derweil verharrte die Arbeitslosenquote im September bei 3,0 Prozent.

Japans Wirtschaft hatte im Zuge der Corona-Krise einen Rekordeinbruch erlitten. Zwar rappelt sich die asiatische Wirtschaftsmacht inzwischen langsam wieder auf. Experten rechnen jedoch damit, dass es noch Jahre dauert, bis sich Japan vollständig von den Auswirkungen der globalen Pandemie erholen wird. Nach Einschätzung der Bank von Japan (BoJ) dürfte die wirtschaftliche Leistung in dem noch bis zum 31. März 2021 laufenden Fiskaljahr um 5,5 Prozent rückläufig sein.


Starbucks erleidet Gewinneinbruch - hohe Belastung durch Corona-Krise

SEATTLE: Die Corona-Krise hat die weltgrößte Café-Kette Starbucks im vergangenen Geschäftsquartal weiter stark belastet. In den drei Monaten bis Ende September brach der Gewinn gegenüber dem Vorjahreswert um 51 Prozent auf 393 Millionen Dollar (337 Mio Euro) ein, wie Starbucks am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Die Erlöse sanken um gut acht Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar.

Starbucks bezifferte die aufgrund von teilweisen Filialschließungen, eingeschränkten Öffnungszeiten und geringerem Kundenaufkommen durch die Pandemie entgangenen Einnahmen quartalsübergreifend auf rund 1,2 Milliarden Dollar. Vorstandschef Kevin Johnson zeigte sich dennoch zufrieden. Auch Analysten hatten mit noch schlechteren Zahlen gerechnet. Dennoch geriet die Aktie nachbörslich leicht ins Minus.


Trump: Wir machen nie wieder einen Lockdown

TAMPA: US-Präsident Donald Trump hat ungeachtet weiter steigender Coronavirus-Infektionen neue weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens in den USA ausgeschlossen. «Wir werden nie wieder einen Lockdown machen», verkündete Trump am Donnerstag bei einem Wahlkampfauftritt in Tampa im Bundesstaat Florida. Er nahm dabei auch ausdrücklich Bezug auf die in Deutschland und Frankreich angekündigten Einschränkungen.

Während die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA zuletzt wieder auf rund 79.000 an einem Tag angestiegen war, beharrt Trump weiterhin darauf, dass man bald über den Berg sein werde. Er verweist darauf, dass bald wirksame Arzneimittel wie Antikörper-Medikamente sowie Impfstoffe verfügbar sein würden. Experten auch aus Trumps Regierung warnen allerdings, dass bis dahin noch Monate vergehen dürften. Deshalb setzten sie sich unter anderem für das Tragen von Masken ein.


IWF-Chefin ruft zur Einigung im Streit um Brexit-Handelspakt auf

LONDON: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Großbritannien und die Europäische Union dazu aufgefordert, sich doch noch auf einen Brexit-Handelspakt zu einigen. Großbritannien stünden mit Blick auf eine zweite Coronawelle schwere wirtschaftliche Zeiten bevor. «Wir befinden uns in einer Zeit hoher Unsicherheit. Wir rechnen nicht mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau im Jahr 2021», sagte IWF-Chefin Kristalina Georgieva am Donnerstag bei einem Pressebriefing mit dem britischen Finanzminister Rishi Sunak.

Großbritannien hatte die Staatengemeinschaft Ende Januar verlassen, doch gilt noch bis zum Jahresende eine Übergangsphase, in der sich praktisch nichts geändert hat. Gelingt bis zum Fristende kein Abkommen, drohen Zölle, verschärfte Warenkontrollen an den Grenzen und andere Verwerfungen für die Wirtschaft. London hatte die Verhandlungen zeitweise sogar für beendet erklärt, war dann aber vergangene Woche an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Die Zeit ist nun extrem kurz, weil der Text noch ratifiziert werden müsste.


Dax bleibt im schwierigen Fahrwasser

FRANKFURT/MAIN: Der Dax ist am Donnerstagnachmittag bereits vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) ins Minus gerutscht. Nach dem Entscheid dämmte der Leitindex den Verlust dann etwas ein auf zuletzt 0,15 Prozent mit 11.543,35 Punkten. Der MDax der 60 mittelgroßen Börsentitel verbuchte einen Abschlag von 0,32 Prozent auf 25.801,58 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,7 Prozent. Der Euro kostete zuletzt 1,1708 US-Dollar. Am Rentenmarkt verharrte die Umlaufrendite auf minus 0,64 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,01 Prozent auf 146,59 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,10 Prozent auf 176,28 Punkte.


Klinikbetreiber Fresenius schlägt sich gut in Corona-Krise

BAD HOMBURG: Der Krankenhaus- und Medizinkonzern Fresenius hat die Folgen der Corona-Pandemie im dritten Quartal gut verkraftet. Zwischen Juni und September erzielte Fresenius 8,9 Milliarden Euro Umsatz, ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie der Dax-Konzern mitteilte. Der bereinigte Konzerngewinn lag mit 427 Millionen Euro zwar um vier Prozent unter dem Vorjahr, Analysten hatten jedoch einen stärkeren Rückgang befürchtet.


Millionen Menschen in Deutschland von Wohnkosten überlastet

WIESBADEN: Teure Mieten und hohe Wohnungspreise machen vielen Menschen in Deutschland schwer zu schaffen. Rund 11,4 Millionen Personen lebten 2019 in Haushalten, die von hohen Wohnkosten finanziell überlastet waren, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Das seien knapp 14 Prozent der Bevölkerung. Eine Überbelastung bei Wohnkosten sieht die Behörde, wenn ein Haushalt mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens für Wohnen ausgibt.


Samsung: Gewinnsprung durch gute Geschäfte mit Chips und Smartphones

SEOUL: Das robuste Chip-Geschäft und die anziehende Nachfrage nach Smartphones seiner Galaxy-Reihe haben beim Elektronikriesen Samsung für eine Gewinnsprung gesorgt. Die Verkäufe von Smartphones seien im dritten Quartal 2020 im Vergleich zu den drei Monaten davor um nahezu 50 Prozent gestiegen, teilte der südkoreanische Konzern mit. Der Überschuss stieg zwischen Juli und September um 49 Prozent auf 9,36 Billionen Won (7 Milliarden Euro). Der Umsatz kletterte um 8 Prozent auf knapp 67 Billionen Won.


Corona und Jobabbau reißen Airbus ins Minus - Mittelabfluss gestoppt

TOULOUSE: Die Corona-Pandemie und der geplante Abbau Tausender Jobs haben den Flugzeugbauer Airbus im Sommer tief in die roten Zahlen gerissen. Doch Airbus-Chef Guillaume Faury sieht in der wohl bisher schwersten Krise der Luftfahrtbranche Grund zur Hoffnung. Im dritten Quartal lieferte der Konzern wieder mehr Flugzeuge aus als in den ersten Monaten der Pandemie. Zudem konnte das Management den Geldabfluss im laufenden Geschäft stoppen, wie der Konzern mitteilte. Faury hält es für denkbar, die gedrosselte Flugzeugproduktion im nächsten Sommer wieder etwas hochzufahren.


VW-Konzern hat Corona-Einbruch vorerst überwunden

WOLFSBURG: Der VW-Konzern bekommt die Folgen des Corona-Einbruchs besser in den Griff. Nach den drastischen Rückgängen des Frühjahres meldete der weltgrößte Autohersteller für die Monate Juli bis September eine stabilere Entwicklung. Der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn pendelte sich im dritten Quartal bei knapp 2,6 Milliarden Euro ein, wie das Unternehmen berichtete. Auch beim Umsatz, den Auslieferungen und im laufenden Geschäft entspannte sich die Lage. Verglichen mit den Vorjahreswerten macht sich die Pandemie wegen zurückhaltender Nachfrage aber weiter bemerkbar.


EZB bleibt in Corona-Krise in Alarmbereitschaft

FRANKFURT/MAIN: Die Europäische Zentralbank (EZB) hält sich in der Corona-Krise weitere Notfallmaßnahmen offen. Zunächst bleiben sowohl das milliardenschwere Anleihenkaufprogramm als auch die Zinsen unverändert, wie der EZB-Rat am Donnerstag entschied. Die seit einem Jahr amtierende Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde hatte jedoch kürzlich betont: «Wenn mehr getan werden muss, werden wir mehr tun.»


US-Wirtschaft ist im dritten Quartal stark gewachsen

WASHINGTON: Nach dem Konjunktureinbruch wegen der Corona-Krise im zweiten Quartal ist die US-Wirtschaft im dritten Vierteljahr stark gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von Juli bis September aufs Jahr hochgerechnet um 33,1 Prozent, wie die US-Regierung am Donnerstag in ihrer ersten Schätzung mitteilte. Umgerechnet in die in Europa übliche Betrachtungsweise entspräche das einem Plus von etwa 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.


Gastrobranche fordert schnelle und unbürokratische Hilfen

BERLIN: Angesichts neuer Schließungen für Kneipen, Bars und Restaurants fordert die Gastro-Branche umfassende Hilfen. «Es ist mehr als konsequent, dass hier eine Entschädigung erfolgt, wenn unsere Branche geschlossen wird, damit die allgemeine Wirtschaft keinen Lockdown erfährt und Schulen geöffnet bleiben», sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. Die Auskunftei Crif Bürgel warnt vor einer Pleitewelle. Stand Ende Oktober seien mehr als 8300 Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés in Deutschland insolvenzgefährdet. Das seien 14,5 Prozent der untersuchten Betriebe.


Arbeitslosigkeit sinkt im Oktober - Kurzarbeit geht zurück

NÜRNBERG: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist ungeachtet steigender Corona-Infektionszahlen im Oktober noch einmal zurückgegangen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit vom Donnerstag waren 2,760 Millionen Menschen arbeitslos, 87.000 weniger als im September, aber 556.000 mehr als im Oktober 2019. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zu September um 0,2 Punkte auf 6,0 Prozent. Die Zahl der Kurzarbeiter ist im Sommer weiter gesunken.


EZB bereitet weitere Schritte gegen Corona-Schock vor

FRANKFURT/MAIN: Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet angesichts der Verschärfung der Corona-Krise weitere Notfallmaßnahmen vor.

Die Notenbank sei dabei, alle ihre Instrumente unter die Lupe zu nehmen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach Beratungen des EZB-Rates am Donnerstag in Frankfurt. Es gehe darum, den «richtigen Mix» zu finden, der der Lage am besten gerecht werde. Die Risiken für die Konjunktur nähmen eindeutig zu. In der Dezember-Sitzung des EZB-Rates (10.12.) werden Entscheidungen erwartet. Volkswirte halten eine Ausweitung des Notkaufprogramms für Staats- und Unternehmensanleihen (PEPP) für wahrscheinlich.


Chinas Führungselite bringt neuen Fünf-Jahres-Plan auf den Weg

PEKING: Nach viertägigen Beratungen hinter verschlossenen Türen hat die Führungselite der Kommunistischen Partei Chinas den neuen Fünf-Jahres-Plan auf den Weg gebracht. Zum Abschluss ihres Plenums am Donnerstag in Peking billigte das Zentralkomitee den vorgeschlagenen Wirtschaftskurs, der China angesichts der Spannungen mit den USA und des globalen Konjunkturabschwungs durch die Corona-Pandemie weniger abhängig vom Rest der Welt machen soll.

Im Mittelpunkt steht die neue Strategie der «dualen Kreisläufe», die zwar weiter die Öffnung der zweitgrößten Volkswirtschaft betont, aber stärker die Förderung des heimischen Marktes als Hauptmotor und der eigenen Innovation für mehr Selbstständigkeit hervorhebt. Experten sprachen in chinesischen Staatsmedien von einer «wesentlichen Wende in Chinas Wirtschaftspolitik», die auch als Antwort auf den Druck der USA und auf Anti-Globalisierungs-Tendenzen erklärt wurde.

Der neue Kurs soll die heimische Nachfrage sowie Forschung und technologische Entwicklung für die «interne Zirkulation» als «Hauptstütze der Wirtschaft» fördern. Dem «externen Kreislauf» - also internationaler Handel und Investitionen aus dem Ausland - wird eine unterstützende Rolle zugesprochen. Der Fünf-Jahres-Plan für die Zeit von 2021 bis 2025 soll auf der Jahrestagung des Volkskongresses voraussichtlich im März gebilligt werden.


Shell erholt sich nach Milliardenverlust

DEN HAAG: Der Ölkonzern Shell hat sich im dritten Quartal erholt. Dennoch blieb der Gewinn weit hinter dem Vorjahreswert zurück, wie das Unternehmen am Donnerstag in Den Haag mitteilte. Ursache waren eine geringere Nachfrage sowie Preisdruck bei Öl und Gas sowie niedrigere Raffineriemargen. So sank die Produktion um 14 Prozent, wie es weiter hieß. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 489 Millionen US-Dollar hängen. Das war nur ein Bruchteil der rund 5,9 Milliarden Dollar, die Shell im Vorjahr erzielt hatte.

Im zweiten Quartal hatte der Ölmulti wegen eines beispiellosen Nachfrage- und Preisverfalls einen Milliardenverlust verzeichnet. Bereinigt betrug der Nettogewinn in den Monaten Juli bis September 955 Millionen Dollar, ein Einbruch von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Shell will eine Dividende für das Quartal von 16,65 US-Cents zahlen, was etwas mehr ist als die 16 Cents im Vorquartal. Im Vorjahr hatte Shell noch 47 Cents ausgeschüttet.


Euro stabil über 1,17 US-Dollar

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat sich am Donnerstagmorgen zunächst wenig verändert. Im frühen Handel kostete die Gemeinschaftswährung 1,1755 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1727 Dollar festgesetzt.

Am Donnerstag stehen an den Finanzmärkten zwei wichtige Ereignisse an. Die EZB entscheidet über ihren geldpolitischen Kurs. Fachleute rechnen überwiegend nicht mit einer Reaktion auf die zunehmend angespannte Corona-Lage. Es wird vermutet, dass sich die Notenbank bis zu ihrer nächsten Sitzung im Dezember Zeit lässt. Ein Grund dafür ist der ausreichende Spielraum, den das riesige Wertpapierkaufprogramm PEPP noch bietet.

In den USA gibt die Regierung eine erste Schätzung für das Wirtschaftswachstum im Sommerquartal bekannt. Nach dem drastischen Einbruch im Frühjahr infolge der ersten Corona-Welle wird mit einer starken Gegenbewegung gerechnet. Zukunftsweisend dürfte eine solche Entwicklung aber nicht sein, da sich auch in den Vereinigten Staaten die Corona-Lage wieder verschärft.

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