Mindestens 13 Polizisten bei Taliban-Angriff getötet

Der stellvertretende Gouverneur von Kabul wurde bei einer IED-Explosion in Kabul getötet. Foto: EPA/Hedayatullah Amid
Der stellvertretende Gouverneur von Kabul wurde bei einer IED-Explosion in Kabul getötet. Foto: EPA/Hedayatullah Amid

KABUL: Bei einem Taliban-Angriff auf einen Polizei-Kontrollpunkt im Norden Afghanistans sind mindestens 13 Sicherheitsbeamte getötet worden. Drei weitere Polizisten wurden bei der nächtlichen Attacke der Islamisten in der Nähe der Stadt Pul-e Chumri in der Provinz Baghlan verletzt, wie Mitglieder der Gemeindeverwaltung der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch mitteilten. Während der Gefechte seien mehrere Polizeifahrzeuge in Brand gesetzt worden.

Unterdessen wurden in der Südprovinz Urusgan Angriffe der Extremisten auf Regierungstruppen gemeldet. Dort blieb die Zahl Opfer zunächst unklar. Aus einer dpa-Recherche in den 34 Provinzen Afghanistans vom August ging hervor, dass mehr als die Hälfte der Bezirke des Landes umkämpft ist. Unter voller Regierungskontrolle stehen knapp 40 Prozent der Bezirke; vor drei Jahren hatte die Regierung laut Daten des US-Generalinspekteurs für den Wiederaufbau in Afghanistan mit insgesamt 60 Prozent noch mehr Einfluss in den Bezirken.

Vielerorts haben die Taliban Schattenherrschaften etabliert. Sie fordern den Abzug aller internationalen Streitkräfte aus Afghanistan sowie eine rein islamische Regierung, ohne genauer zu definieren, wie sich diese von der derzeitigen Islamischen Republik Afghanistan unterscheiden soll.

Seit dem 12. September sprechen die Taliban im Golfstaat Katar mit Vertretern der Regierung über Frieden. Zuletzt hatten beide Seiten Fortschritte gemeldet. Trotzdem geht der Konflikt brutal weiter. Eine Waffenruhe lehnen die Taliban ab. Nach einer dreiwöchigen Pause sollen die Gespräche in Katar am 5. Januar wieder aufgenommen werden.

Ende Februar hatten die Taliban ein Abkommen mit den USA unterzeichnet, das einen schrittweisen Abzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan vorsieht. Die Friedensverhandlungen sind das wichtigste Zugeständnis, das die USA den Taliban abringen konnten. Im Gegenzug verpflichteten sich die Islamisten, Verbindungen zu anderen Terroristen zu beenden.

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Ingo Kerp 17/12/2020 14:07
Die momentan sinnlos erscheinenden Friedensverhandlungen gehen nach den Anschlägen in Katar weiter. Da wundert man sich, das beide Seiten Fortschritte vermelden. Worin die wohl bestehen moegen, wird leider nicht erläutert.