Macrons Besuch im Reich der Mitte

Foto: epa/How Hwee Young
Foto: epa/How Hwee Young

PEKING (dpa) - Macron will China die Stirn bieten und trotzdem ein gutes Verhältnis pflegen. Er fordert mehr Marktzugang, bekommt aber zu hören, dass Frankreich erst bessere Produkte bauen müsse, wenn es mehr nach China verkaufen wolle. Da wird die Kanzlerin in Peking besser behandelt.

Am Ende gab sich Emmanuel Macron gewohnt selbstbewusst, aber so richtig viel hat der neue französische Präsident bei seinem ersten Staatsbesuch in China nicht erreicht. Er hat der aufsteigenden Großmacht seine Ehre erwiesen und als erster europäischer Führer die chinesische Initiative für eine «neue Seidenstraße» umarmt - dafür jedoch wenig Entgegenkommen geerntet. Der erwartete große Deal für den deutsch-französischen Flugzeugbauer Airbus blieb aus, obwohl die Chinesen bei jeder passenden Gelegenheit neue Flugzeugverkäufe unterschreiben. Aber dieses Mal schien es eben nicht zu passen, was Delegationskreise überraschte.

Zum Abschluss kehrte Macron mit dem vagen Versprechen heim, dass der Kauf von 184 Airbus-Maschinen «in Kürze» abgeschlossen werden soll. Woran es während seines Besuches hakte, blieb unklar. Dabei schien nach außen alles in Ordnung. Obwohl es schon eine gewisse Symbolik gab: Hatte Staats- und Parteichef Xi Jinping im November den US-Präsidenten Donald Trump und seine Frau Melania persönlich bei deren Besuch im Kaiserpalast begleitet, mussten der neue französische Staatsführer und seine Frau Brigitte alleine durch die «Verbotene Stadt» gehen.

China misst sich eben nur mit der Supermacht USA und fürchtet Trump. Da wird Frankreich ein anderer Rang zugewiesen. Dabei zog Macron alle Register. Er begann seine Reise in der alten Kaiserstadt Xi'an, wo die antike «Seidenstraße» nach Europa ihren Ausgang genommen hatte. Er erklärte seine Bereitschaft, sich an der sonst in Europa wenig ernst genommenen, mit Bedenken begegneten Plänen von Xi Jinping für neue Handelskorridore zu beteiligen.

Macron zitierte chinesische Gedichte, übte sogar ein paar Sätze auf Chinesisch ein und pries die «historische Freundschaft». Immerhin hatte Frankreich als erste westliche Macht die kommunistische Volksrepublik 1964 diplomatisch anerkannt. Als «Symbol» dieser Freundschaft schenkte Macron dem chinesischen Präsidenten sogar einen Wallach aus dem Stall der Republikanergarde.

Doch wo immer er sprach, setzte sich Macron auch für französische und europäische Interesse ein - und nahm kein Blatt vor den Mund. Für eine Beteiligung an der «neuen Seidenstraße» forderte der Präsident auch Mitsprache und die Einhaltung internationaler Standards. Aber hier lässt China wenig mit sich reden. Schon weil es selbst viele Milliarden investiert und seine eigenen Ziele verfolgt.

Vor Geschäftsleuten kritisierte Macron auch den Marktzugang in China als «unausgewogen» und «nicht zufriedenstellend». China müsse sich öffnen, sonst drohe eine Gegenreaktion, die Schließung von Märkten. Da konterte die chinesische Seite, dass Frankreich erst mal bessere Produkte herstellen müsse, wenn es mehr nach China exportieren wolle.

Um sein Handelsdefizit zu verringern, «muss Frankreich seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern», fasste Bai Ming von Chinas Akademie für Handel und Wirtschaftskooperation die Haltung in der «Global Times» zusammen. Abschätzig äußerte er sich über Frankreichs Hochgeschwindigkeitszüge, Autos und Telekommunikationsgeräte: «Französische Produkte können nicht mit denen aus Deutschland und den USA konkurrieren.»

Kein Zweifel, Angela Merkel wird in Peking besser behandelt. Zwar präsentierte Macron sich als «Stimme Europas», konnte sich aber in chinesischen Augen neben der - gerade mit der Regierungsbildung abgelenkten - Kanzlerin nicht als neue, maßgebliche Führungskraft in Europa etablieren. Diese Figur bleibe «definitiv» weiter Merkel, sagte Professor Ding Chun von der Fudan Universität in Shanghai.

«In den Beziehungen zu Europa sind China und Deutschland die wichtigsten Wirtschaftspartner», sagte Ding. Merkel sei mehr als zehnmal in China gewesen, habe «gute persönliche Beziehungen» zur Führung in Peking entwickelt. «Die deutsch-chinesischen Beziehungen sind die wichtigste strategische Partnerschaft in politischer, wirtschaftlicher Sicht und mit Blick auf die restliche Welt.»

Der neue, «junge Präsident» Frankreichs wolle sein Land und Europa wiederbeleben - und die politische und wirtschaftliche Weltordnung «neugestalten», äußerte der Professor Verständnis. «Er versucht, etwas zu verändern.» Ohne China gehe das aber nicht, was sich schon aus dessen Wirtschaftsmacht und durch die globale Lage ergebe.

Aufmerksam wurde in Peking auch vernommen, dass Macron kurz vor der Visite ein starkes, einiges Europa gefordert hatte, das es mit China und den USA aufnehmen kann. Und dass er die Handelsbeziehungen «ausbalancieren» will, wie Macron vor dem Rückflug bekräftigte, kann aus Pekinger Sicht nur auf Kosten Chinas gehen. Mit «Pferd schlägt Drache» wird Macrons chinesischer Name «Makelong» übersetzt, doch China will schon im Ansatz verhindern, dass daraus ein Programm wird.

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