Lachnummern oder Trauerspiele?

 Foto: Orlando Bellini / Fotolia.com
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Beginnen wir das neue Jahr mit auf den ersten Blick erheiternden Themen. Die deutsche Bundesregierung ist in den letzten Monaten regelmäßig am Boden. Dies nicht, weil sie der politische Gegner in die Knie zwingt, sondern weil die Flugbereitschaft offensichtlich größere Schwierigkeiten mit Planung und Instandhaltung hat.

Aktuelle Beispiele: Im letzten Oktober strandete Vizekanzler Scholz auf Bali, da angeblich Nagetiere das Flugzeug beschädigt hatten. Ende November 2018 der bisher peinlichste Vorfall. Die Kanzlerin wollte zum G20-Gipfel nach Südamerika, als sie kurz nach Abflug erfahren muss, dass es technische Probleme gibt, die den Piloten zur Umkehr zwingen. Inzwischen hatte man eine Ersatzmaschine von Berlin nach Köln geflogen, da man die Kanzlerin nebst Delegation ja unbedingt doch noch zum Gipfel bringen wollte. Der Plan zerschlug sich allerdings, da man zwischenzeitlich merkte, keine weitere Besatzung zur Verfügung zu haben. Die Crew, die das Ersatzflugzeug nach Köln geflogen hatte, konnte angeblich nicht weiterfliegen, da dies gegen vorgeschriebene Ruhezeiten verstoßen hätte. Die Kanzlerin fliegt daraufhin Linie, erst nach Madrid und macht sich dann mit einer anderen Linienmaschine auf nach Südamerika. Sie schafft es immerhin noch anzukommen, bevor der Gipfel vorbei ist.

Imageschaden für „Made in Germany“

Auf den ersten Blick eine echte Lachnummer, in Wahrheit allerdings ein Trauerspiel und Imageschaden für Deutschland. Auch Wohlmeinende schütteln nur noch den Kopf. Keine gute Werbung für „Made in Germany“. Wir können nicht mehr Flugbereitschaft, wir können nicht mehr Flughafen (BER) und wir können nicht mehr Bahnhof (Stuttgart 21). In Wahrheit also keine Lachnummer, sondern ein Trauerspiel. Im Januar 2019 dann die vorerst letzte Episode aus dieser Reihe: Entwicklungshilfeminister Gerd Müller strandete in Afrika. Das rechte Triebwerk seiner Maschine streikte, und brachte seine Reisepläne ordentlich durcheinander. Zunächst stieg auch dieser Minister auf Linie um und konnte seine Reise von Malawi nach Sambia fortsetzen. Einen Weiterflug nach Namibia gab es allerdings nicht per Linie, so dass der Minister diesen Besuch absagte und dafür auf die Reparatur seiner Maschine wartete. Traumhafte Zeiten für Kabarettisten, nicht so toll jedoch für den Ruf Deutschlands als High-Tech-Land.

Marketing-Hits statt echter Lösungen

Ähnlich erheiternd auf den ersten Blick der hilflose Versuch in Thailand, ab dem 3. Dezember 2018 – im Grunde von einen Tag auf den anderen – Plastiktüten zu verbieten ohne echte Alternativen anzubieten. Ein erstaunlich untauglicher Versuch, der genau zwei Tage währte, bevor wieder alles lief wie immer und die Einkaufenden die Villa- und Tops-Märkte des Landes vollbepackt mit Plastiktüten verließen. Ein Trauerspiel, dass so oft nicht zu Ende gedacht wird. Im Fall der Supermarkt-Tüten wird auch gerne übersehen, dass diese später als Mülltüten verwendet werden. Sollten in Zukunft folglich keine Plastiktüten in Supermärkten ausgegeben werden, ist anzunehmen, dass ein Großteil des positiven Effekts neutralisiert werden dürfte, falls die Menschen dann (meist noch schädlichere) Mülltüten aus Plastik kaufen.

Leider mangelt es daran, Dinge zu Ende zu denken und nicht nur Marketing-Hits zu landen. Der Handlungsbedarf ist unbestritten. In Thailand ist noch das Bild des Wals vor Augen, der im letzten Juni an der Grenze zu Malaysia Plastiktüten erbrach, bevor er elendig verendete.

In Deutschland brachte das Nachrichten Magazin „Der Spiegel“ vor kurzem eine Titelgeschichte, die den Wahnsinn der Augenwischerei in Deutschland in Sachen Recycling im Detail aufarbeitet. Im Kern geht es darum: Es ist einerseits richtig, dass die Deutschen Weltmeister bei der Mülltrennung sind. Leider wird nach der Trennung des Mülls nach Strich und Faden gemogelt, denn ein großer Teil des Mülls wird entweder nach Fernost oder Rumänien verfrachtet, wo er auf die eine oder andere Weise seinen Weg zurück zur Natur findet. Solange folglich nicht vom Anfang her gedacht wird, also Kunststoffe entwi­ckelt und verwendet werden, die kurze Halbwertszeiten haben, werden Kampagnen wie „Rettet die Ozeane“ reine Marketing-Hits bleiben.

Über den Autor

​​Christian Rasp ist Rechtsanwalt und seit 1992 in Thailand, Hongkong und China tätig. Er leitet ein spezialisiertes  Consulting-Haus, lebt und arbeitet in Hua Hin, Bangkok und Hongkong. Die Kolumne Nachgefragt“ beschäftigt sich vorwiegend mit aktuellen ökonomischen Fragestellungen, die es verdienen, etwas genauer unter die Lupe genommen zu werden. 

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