«Kokoschka als Seelenaufschlitzer»

Wiener Museum zeigt 269 Exponate

Foto: epa/Ennio Leanza
Foto: epa/Ennio Leanza

WIEN (dpa) - Mit einer besonders umfangreichen Ausstellung würdigt das Leopold Museum in Wien das vielseitige Werk des Expressionisten Oskar Kokoschka (1886-1980). Unter dem Titel «Expressionist. Migrant. Europäer» zeigt das Museum 269 Exponate und versucht dabei, möglichst chronologisch die Schaffensphase des vielgereisten Künstlers darzustellen. Kuratorin Heike Eipeldauer würdigte Kokoschka am Freitag als einen Wegbereiter der Wiener Moderne. «Er war wahnsinnig wichtig für den Beginn des Expressionismus.»

Bekannt ist Kokoschka vor allem für seine ehrlichen und ungeschönten Porträts, von denen einige in der Schau zu finden sind. Unter der Überschrift «Kokoschka als Seelenaufschlitzer» werden dabei auch Bilder präsentiert, die den Porträtierten nicht gefielen. «Sein Unterstützer Adolf Loos hatte schon früh eine große Sammlung von Kokoschkas Werken», sagt Eipeldauer. Denn Loos hatte dem Künstler versprochen, alle diese missliebigen Porträts zu erwerben.

Kokoschka, so berichtete Eipeldauer weiter, träumte zudem von einer eigenen Porträtgalerie. Unter anderem wollte er historische Figuren wie Josef Stalin, Winston Churchill und Mahatma Gandhi abbilden - was ihm aber nicht gelang. Aber der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) stand für Kokoschka Modell, das Bild hängt nun hinter dem Schreibtisch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). «Wir haben eine Leihe angefragt, aber es gab einen amüsanten Absagebrief. Wegen Eigenbedarf», erzählt die Kuratorin.

Neben den Porträts finden sich zahlreiche Grafiken von Nackten, Landschaftsbilder und auch Darstellung von biblischen Szenen in der Ausstellung. Jeder neue Ausstellungssaal führt dabei in eine neue Welt, die Stilwechsel Kokoschkas werden dadurch besonders deutlich. Die Retrospektive ist vom 6. April bis zum 8. Juli zu sehen.

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