Koh Tao-Mordurteil fällt an Weihnachten

Sprach gestern von stundenlanger Folterung durch die Polizei der Station Phunpin bei Surat Thani: Der Angeklagte Nummer 2 Wai Phyo, hier bei seiner Vorführung
Sprach gestern von stundenlanger Folterung durch die Polizei der Station Phunpin bei Surat Thani: Der Angeklagte Nummer 2 Wai Phyo, hier bei seiner Vorführung

KOH SAMUI: Ausgerechnet am Weihnachtstag des 24. Dezember will das Provinzgericht Koh Samui das Urteil gegen die beiden Angeklagten Zaw Lin und Wai Phyo (22) aus Myanmar im Doppelmordprozess von Koh Tao fällen. Dieser Termin wurde gestern Abend nach Abschluss der 21 Verhandlungstage bekanntgegeben.

Mit der stundenlangen Einvernahme des zweiten Beschuldigten Wai Phyo erlebte der spektakuläre und bis heute ungeklärte Mord an den zwei britischen Urlaubern Hannah Witherdige (23) und David Miller (24) seinen Schlussakt. Wai Phyo schilderte wie zuvor sein Freund und Mitangeklagter die Folterung durch die Ermittlungsbeamten nach seiner Festnahme am 2. Oktober 2014. Wai Phyo war am Morgen dieses Tages direkt auf dem Nachtboot von Koh Tao nach Surat Thani verhaftet worden, als er sich auf dem Weg zu einer neuen Arbeitsstelle auf dem Festland in Südthailand befand.

Auch Wai Phyo schilderte laut Prozessbeobachtern glaubhaft, wie er von den Polizeibeamten auf der Station Phunpin bei Surat Thani stundenlang verhört worden war. Er habe sich nackt ausziehen müssen, sei massiv geschlagen worden, die Vernehmungsbeamten hätten ihm außerdem gedroht ihm Gliedmaßen abzuschneiden, ihn mit Elektroschocks gefügig zu machen und ihm eine ‚Seebestattung‘ zu bescheren. Schließlich habe er aus Angst sein Geständnis gemacht und ein Dokument unterschrieben, das er nicht habe lesen können. Auch Wai Phyo soll sein Geständnis erleichert worden sein. Die Polizisten hätten ihm versichert, er müsse lediglich vier bis fünf Jahre absitzen, wenn er mit ihnen kooperiere.

Negativpunkte sammelte Wai Phyo hingegen wegen des mutmaßlichen kurzzeitigen Besitzes des Mobiltelefones von Mordopfer David Miller. Er gab zu, am 15. September 2014 gegen 4 Uhr morgens auf dem Nachhausweg am Sairee Strand ein Handy gefunden und mitgenommen zu haben. Dessen Batterie sei leer gewesen und er habe dem Fund zunächst keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Als ein burmesischer Mitbewohner das Telefon aufgeladen habe, sei es wegen eines Pin-Codes nicht zu öffnen gewesen. Erst später – als die Nachricht von den beiden Morden Koh Tao erschütterte – habe sein Bekannter das Telefon kaputt geschlagen und hinter das Wohnhaus geworfen, sagte Wai Phyo aus.

Die Staatsanwaltschaft und die Polizeiermittler behaupten, dieses Telefon habe nach eindeutigen Zeugenaussagen von Freunden David Millers dem Mordopfer gehört. Eine 100prozentige Identifizierung gab es bis heute nicht, da sich britische Behörden weigern, ihre eigenen Ermittlungsresultate bekannt zu geben und Informationen mit den thailändischen Kollegen auszutauschen. Laut britischem Recht ist es untersagt in einem Gerichtsfall zu kooperieren, in dem Angeklagten die Todesstrafe droht.

Die Verteidigung äußerte Zweifel an der Wichtigkeit des Telefonfundes am Sairee Strand. Hätte ihr Mandant tatsächlich die Morde begangen, wäre er sicher nicht so naiv gewesen ein Mobiltelefon des Mordopfers mit nach Hause zu nehmen und dort tagelang aufzubewahren.

Ob der Urteilsspruch definitiv am Heiligen Abend des Jahres 2015 fallen wird, ist noch nicht ganz sicher. Zunächst haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung noch 14 Tage Zeit zu prüfen, ob sie weitere Zeugen oder Beweismittel zu diesem Prozess beisteuern wollen. Bis zu diesem Termin müssen auch die schriftlichen Plädoyers eingegangen sein. Danach prüft die Generalstaatsanwaltschaft die gesamten Gerichtsakten und das Gericht tritt erst anschließend in die Urteilsberatung ein. Weshalb die beiden weiblichen Beisitzer des Vorsitzenden Richters am letzten Prozesswochenende ausgetauscht worden sind, konnte gestern niemand erklären. Am Samstag und Sonntag saßen plötzlich zwei ältere, männliche Richter neben dem Verhandlungsführer.

Fotos: Gruber, Archiv
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Jürgen Franke 12/10/2015 13:50
Bedauerlich,
dass das britische Rechtssystem verbietet, mit den thailändischen Behörden zusammen zu arbeiten. Da auszugehen ist, dass die beiden Angeklagten nicht die Mörder sind, wird wohl nie ganz geklärt werden, wer die Täter waren, da andere Spuren offensichtlich nicht weiter verfolgt wurden. Aber ebenso geheimnisvoll ist der überraschende Austausch der beiden Beisitzer des Verhandlungsführers.