Jurassic Park mitten im Isaan

Kalasin ist das Land der Dinosaurier, Natur- und Kulturschätze

Spurensuche im Dinoreich. Foto: phoopanotpics/Adobe Stock
Spurensuche im Dinoreich. Foto: phoopanotpics/Adobe Stock

THAILAND: Die Dinosaurier sind vor rund 65 Millionen Jahren von der Erde verschwunden. Doch in Kalasin im thailändischen Nordosten kann man in die Fußstapfen der geheimnisumwitterten Landwirbeltiere treten. Die Isaan-Provinz ist die Heimat der sagenumwobenen „Echse von Phu Wiang“, dem größten Sauropoden, der je auf unserem Planeten gelebt hat und beherbergt mehrere Fußabdrücke weiterer Urzeitkreaturen.

Das Sirindhorn Museum in Kalasin ist besser bekannt als „Dinosauriermuseum“. Denn es gibt Thailands Urzeit-Fossilien ein Zuhause. Fotos: Tourism Authority of Thailand
Das Sirindhorn Museum in Kalasin ist besser bekannt als „Dinosauriermuseum“. Denn es gibt Thailands Urzeit-Fossilien ein Zuhause. Fotos: Tourism Authority of Thailand

Hunderte Kilometer entfernt von den ausgetretenen Pfaden des Massentourismus befindet sich Kalasin. Die Provinz liegt mitten im Herzen des Isaan und ist bekannt für ihren Reichtum an archäologischen sowie kulturellen Schätzen. Da in keinem anderen Landesteil so viele Dinosaurierfossilien wie in Kalasin entdeckt wurden, genießt die Region den Ruf als thailändischer „Jurassic Park“. Wer sich nicht davor scheut, als Selbstfahrer das Königreich zu bereisen, dem werden in der Nordostprovinz alle Voraussetzungen für einen abenteuerlichen Road Trip durch ein „Land vor un­serer Zeit“ geboten.

Manch ein Besucher mag durchaus erstaunt sein, wie modern sich das Museum im ländlichen Isaan präsentiert.
Manch ein Besucher mag durchaus erstaunt sein, wie modern sich das Museum im ländlichen Isaan präsentiert.

Forscher und Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis heute rund 500 Millionen Tierarten ausgestorben sind, beziehungsweise über 99 Prozent aller bekannten Spezies. Das eine Prozent ist das, was wir als „heile Welt“ heute kennen. Und zu dieser gehören unbestritten Hunde, Katzen und Vögel – aber eben keine Dinosaurier mehr! Wer in Thailand lebt und sich für spannungsgeladene Fossilien der Erdgeschichte interessiert, für den ist ein Besuch in Kalasin Pflicht.

Museum für urzeitliche Kreaturen

Das Sirindhorn Museum, das wegen seiner vielen urzeitlichen Ausstellungsstücke im Volksmund zumeist nur „Dinosauriermuseum“ genannt wird, ist das allererste seiner Art in ganz Thailand. Das Museumsprojekt wurde 1995 initiiert, nachdem der Abt des Wat Sakawan – Phra Kru Vijitsahassakun – 1994 in den Phu-Kum-Bergen (Phu Kum Khao) auf Dinosaurierfossilien stieß. Paläontologen der Abteilung für Bodenschätze untersuchten die Entdeckung und fanden heraus, dass Phu Kum Khao der größte Fundort für pflanzenfressende Dinosaurier in Thailand ist. Ein Großteil der mehr als 120 Millionen Jahre alten Fossilien stammt von den langhalsigen Sauropoden, den größten Tieren, die je die Erde bewohnten.

Am Museumseingang werden die Besucher von einer „Echse von Phu Wiang“ (Phuwiangosaurus) begrüßt.
Am Museumseingang werden die Besucher von einer „Echse von Phu Wiang“ (Phuwiangosaurus) begrüßt.

Das Museum wurde im Dezember 1998 offiziell eröffnet und nach Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn benannt. Es ist in acht verschiedene Ausstellungsbereiche unterteilt: 1. Der Ursprung der Erde und des Universums. 2. Der Ursprung der Lebewesen. 3. Paläozoikum (Erdaltertum). 4. Mesozoikum (Erdmittelalter). 5. Thai-Dinosaurier. 6. Dinosaurier in Thailand. 7. Dinosaurier zum Leben erwecken. 8. Känozoikum (Erdneuzeit). Unter den Exponaten befinden sich Fossilien des Thai-Dinosauriers Phuwiangosaurus („Echse von Phu Wiang“), des Psittacosaurus sattayaraki und des Siamosaurus suteethorni. Darüber hinaus werden auch naturgetreue Nachbildungen des Tyrannosaurus Rex und anderer Dinosaurierarten ausgestellt.

Sirindhorn Museum, Non Buri, Sahatsakhan, Kalasin. Di.–So. von 09.00–17.00 Uhr.

Auf den Spuren der Dinosaurier

Auf Dino-Spurensuche können sich die Besucher des Phu Faek Forest Park begeben. Der Waldpark ist als Ausgrabungsstätte für Dinosaurierknochen bekannt und beherbergt vier massive Fußabdrücke von fleischfressenden Urzeitriesen, die hier vor 140 Millionen Jahren gelebt haben. Das üppige und mit sanften Hügeln durchzogene Waldgebiet ist charakteristisch für die malerische Naturvielfalt von Kalasin. Es ist reich an großen Bäumen wie Makha, Taengwood Balau sowie Rotes Meranti und dient Eichhörnchen, Spitzmäusen, Zibetkatzen und Kaninchen als Lebensraum.

Phu Faek Forest Park, Phu Laen Chang, Na Khu, Kalasin.

Überreste einer antiken Siedlung

Der Chedi Phrathat Yaku ist die wichtigste Ruine der antiken Siedlung Mueang Fa Daet Song Yang in Kamalasai.
Der Chedi Phrathat Yaku ist die wichtigste Ruine der antiken Siedlung Mueang Fa Daet Song Yang in Kamalasai.

Im Tal des Mae Nam Chi kann man die beeindruckenden Ruinen von Mueang Fa Daet Song Yang besichtigen, die von Erdhügeln auf einer Länge von fünf Kilometern umgeben sind. Archäologen vermuten, dass die antike Siedlung während der Dvaravati-Periode (6. bis 11. Jh.) eine blühende Stadt war, die von einem Wassergraben umschlossen wurde. Deren innerer Ring besteht aus verschiedenen dekorativen Sema-Steinen, die in der buddhistischen Welt als Markierungen für heilige Orte oder Bereiche gelten, weshalb die Siedlung von den Einheimischen auch Mueang Sema genannt wird. Die Steine sind mit Szenen aus dem Leben des Buddha versehen, doch zeigt ein Stein auch die alte Stadt, wie sie von einer Stadtmauer umgeben ist, die von Kriegern verteidigt wird.

Unbedingt probieren sollte man auch die kulinarischen Genüsse der Provinz, wie diesen säuerlich, scharfen Salat.
Unbedingt probieren sollte man auch die kulinarischen Genüsse der Provinz, wie diesen säuerlich, scharfen Salat.

Unter den archäologischen Überresten von Mueang Fa Daet Song Yang befinden sich mehrere religiöse Ruinen. Von besonderer Bedeutung ist Phrathat Yakhu, ein antiker, aus Ziegelsteinen errichteter Chedi, der architektonische Baustile aus drei verschiedenen Epochen aufweist. Diese Besonderheit legt die Vermutung nahe, dass Phrathat Yakhu während der Dvaravati-Epoche erbaut, jedoch im Laufe der Zeit zerstört wurde. Während der Ayutthaya-Epoche wurde der Original-Chedi durch einen achteckigen ersetzt und schließlich in der Rattanakosin-Epoche durch eine glockenförmige Spitze ergänzt. Er ist von Grenzsteinen umgeben, deren Basreliefs die Geschichte Buddhas erzählen. Gemäß dem Glauben der Einheimischen, soll der Chedi die Reliquien eines angesehenen Mönchs beherbergen. 

Muang Fa Daet Song Yang, Nong Paen, Kamalasai, Kalasin.

Einzigartige Königin der Seide

Phrae-Wa-Seide aus Kalasin genießt den Ruf als „Königin der Seide“. Das perfekte Souvenir für die Lieben daheim!
Phrae-Wa-Seide aus Kalasin genießt den Ruf als „Königin der Seide“. Das perfekte Souvenir für die Lieben daheim!

Neben Dinosaurier-Fossilien und antiken Ruinen ist Kalasin auch für seine unverwechselbare Phrae-Wa-Seide bekannt, ein kunsthandwerkliches Produkt des Phu-Thai-Volkes. „Phrae“ bedeutet „Tuch“ und „Wa“ steht für das Längenmaß des gesamten Tuches, das einer Wa-Länge bzw. einer Armlänge entspricht. Wegen ihrer prachtvollen Farben - rot, rosa, violett, blau und grün – gilt Phrae-Wa-Seide als weltweit einzigartig und genießt den Ruf, die „Königin der Seide“ zu sein, für deren Erhalt sich Ihre Majestät Königin Sirikit die Königinmutter persönlich einsetzt. Zentrum der Seiden-Produktion ist bis heute das Ban Phon Phrae Wa Silk Weaving Village im Bezirk Kham Muang. Selbstfahrer folgen ab Kalasin-Stadt dem Highway 227 70 Kilometer in Fahrtrichtung Norden.

Ban Phon Phrae Wa Silk Weaving Village, Ban Phon, Kham Muang, Kalasin.

Kultur der Phu-Thai-Minderheit

Traditionelle Darbietungen gehören zu den Programmhöhepunkten im Ban Khok Kong Phu Thai Cultural Village.
Traditionelle Darbietungen gehören zu den Programmhöhepunkten im Ban Khok Kong Phu Thai Cultural Village.

Wer sich für die kulturellen Gebräuche und Traditionen des Phu-Thai-Volkes interessiert, der sollte unbedingt noch einen Stopp im Ban Khok Kong Phu Thai Cultural Village im Bezirk Kuchinarai einlegen. Es beherbergt ein sehenswertes Lernzentrum, das über die Geschichte der vor mehr als 200 Jahren aus Vietnam eingewanderten ethnischen Minderheit informiert, einschließlich der Herstellung von Phu-Thai-Hemden, von Produkten aus Bambusgeflecht und von Khan-Mak-Beng-Näharbeiten aus Bananenblättern für Bai-Sri-Prozessionen. Abgerundet wird der Besuch mit volksmusikalischen und kulturellen Darbietungen.

Ban Khok Kong Phu Thai Cultural Village, Ban Khok Kong, Kuchinarai.

Kunstvolle Opfergaben für die Mönche

Einen Einblick in die kulturellen Besonderheiten und Gebräuche der Lokalbevölkerung erhält man auch im Ban Kutwa Phu Thai Cultural Village, das sich ebenfalls im Bezirk Kuchinarai befindet. Es konzentriert sich auf die traditionelle Herstellung von Malai Mai Phai – Bambusgirlanden, die den Mönchen zweimal im Jahr im Rahmen der buddhistischen Prozession Bun Khao Sak (auch Bun Khao Pradap Din und Bun Malai genannt) von der Bevölkerung als Opfergaben überreicht werden. Zuvor werden die Bambuskunstwerke jedoch noch mit Früchten, Gemüse, Snacks oder sogar Geld für die Mönche bestückt. Die Isaan-Tradition des Bun Khao Sak findet immer im neunten (Juli/ August) und im zehnten (September/ Oktober) Mondmonat statt.

Ban Kutwa Phu Thai Cultural Village, Ban Kutwa, Kuchinarai, Kalasin.

Besuch beim Erleuchteten

Luangpho Ong Dam lautet der Name der hochverehrten Buddhafigur im Wat Klang in Kalasins Bezirk Mueang.
Luangpho Ong Dam lautet der Name der hochverehrten Buddhafigur im Wat Klang in Kalasins Bezirk Mueang.

Besonders für thailändische Touristen gehört der Besuch in einem buddhistischen Tempel zum Pflichtprogramm eines jeden Ausflugs. Oftmals gleich zu Beginn des Trips, denn nach dem „Tambun“ (Erwerb religiöser Verdienste) und Segen beim Erleuchteten, kann auf der Reise schließlich nichts mehr schiefgehen. Zu den bemerkenswerten Tempeln und Pilgerstätten Kalasins zählen der Wat Klang im Bezirk Mueang, der die hochverehrte Buddhafigur Luangpho Ong Dam beherbergt; der Phra Mahathat Chedi Phuttha Nimit im Wat Phuttha Nimit (Phu Khao) im Bezirk Sahatsakhan, dessen Stupa von einer 30 Kilogramm schweren goldenen Spitze gekrönt wird, in der sich Buddha-Reliquien aus Thailand, Indien, Sri Lanka, Nepal und Myanmar befinden und der im unverwechselbaren Lan-Xang-Stil errichtete Wat Wang Kham im Bezirk Khao Wong, in dem sich mit Luangpho Wang Kham das wichtigste Abbild des Erleuchteten der Provinz befindet.

Spaß und Relaxen in der Natur

Auch an Naturattraktionen mangelt es in Kalasin nicht: Zum Schwimmen und Relaxen bietet sich ein Abstecher zum Lam-Pao-Staudamm an, dessen Dok Ket Beach ein beliebtes Ausflugsziel der Einheimischen ist.

Tiere, die man sonst selten zu Gesicht bekommt, wie rote Gaure, Affen und jede Menge exotische Tropenvögel, kann man in der Lam Pao Wildlife Conservation Development and Promotion Station (auch bekannt als Suan Sa-on) beobachten.

Den Spuren der Monarchie folgen kann man im Phu-Phan-Gebirge, wo 1954 Seine Majestät, der verstorbene König Bhumibol Adulyadej und seine Gemahlin, Ihre Majestät Königin Sirikit, die Königinmutter, auf der Klippe Pha Sawoei zu Mittag aßen, worauf auch ihr Name zurückführt: „Sawoei“ ist ein königlicher Begriff für Essen, „Pha“ bedeutet Klippe.


Die perfekte Unterkunft zum Road Trip

Moderne, barrierefreie Apartments mit westlicher Ausstattung in ländlicher Umgebung bietet EiDi Homestay.
Moderne, barrierefreie Apartments mit westlicher Ausstattung in ländlicher Umgebung bietet EiDi Homestay.

Die perfekte Unterkunft für Ausflüge durch die malerische Provinz ist das EiDi Homestay in Kalasin. Dieter Eppert und Walliya Poonakaow bieten ihren Gästen moderne und saubere Apartments in ihrem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Resort und kennen die Nordostprovinz wie ihre Westentasche. EiDi Homestay liegt idyllisch zwischen Reis-, Zuckerrohr- und Maniokfeldern an der Landstraße 2009, zwischen Nong Kung Si und Nong Hin. Mehr unter www.eidi-homestay.com.

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Stefan Couwelaers 09/08/2020 12:27
Isaan Kalasin
Wunderschöner Ort sind eigentlich jedes Jahr da nur halt dieses Jahr nicht wegen der Pandemie.
Kann nur jedem empfehlen dort hin zu fahren kaum Touristen und dann weiter zum Lam Pao Dam lecker Fisch essen chillen und Angeln