Internationale Beratungen über Corona

«Helden der Krise» gewürdigt

Denise Simon, Krankenschwester, hält in einem Behandlungszimmer der Corona-Ambulanz in der Paracelsus-Klinik ein Abstrichstäbchen in einem Reagenzglas. Foto: Sebastian Kahnert/Dpa-zentralbild/dpa
Denise Simon, Krankenschwester, hält in einem Behandlungszimmer der Corona-Ambulanz in der Paracelsus-Klinik ein Abstrichstäbchen in einem Reagenzglas. Foto: Sebastian Kahnert/Dpa-zentralbild/dpa

BERLIN: Eigentlich ist allen Beteiligten klar, dass die Corona-Pandemie international bekämpft werden muss. Trotzdem handeln viele Staaten isoliert. Möglicherweise gibt es jetzt mehr Koordinierung.

Die internationale Staatengemeinschaft verstärkt ihre Anstrengungen, um in der weltweiten Corona-Krise zu einer abstimmten Strategie zu kommen. Am Donnerstag befasste sich zunächst das Europaparlament in Brüssel in einer außerordentlichen Plenarsitzung mit der weltweiten Pandemie, die massiv in das Leben der Menschen eingreift und die Wirtschaft vor nie zuvor gekannte Probleme stellt. Am Nachmittag trafen sich die Spitzen der führenden Wirtschaftsmächte (G20) zu einem virtuellen Sondergipfel. Später berieten die Staats- und Regierungschefs der EU über den Kampf gegen die Seuche. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief in einer Videobotschaft zu nationaler und internationaler Solidarität auf und würdigte die «Heldinnen und Helden in der Corona-Krise».

VIDEOGIPFEL DER G20-STAATEN

Die Staats- und Regierungschefs der führenden Wirtschaftsmächte haben sich darauf verständigt, bei der Bekämpfung der Corona-Krise an einem Strang zu ziehen. «Wir bekennen uns nachdrücklich dazu, dieser gemeinsamen Bedrohung geeint entgegenzutreten», heißt es in der Abschlusserklärung eines G20-Videogipfel , die am Donnerstag von der Bundesregierung in Berlin verbreitet wurde. Man werde «weder einzeln noch gemeinsam Mühen scheuen», um Leben zu schützen und Arbeitsplätze und Einkünfte zu sichern. Saudi-Arabiens König Salman zeigte sich zuversichtlich, dass die Welt die Corona-Krise überwinden wird: «Wir sind sicher, dass wir diese Krise zusammen durchstehen werden.» Saudi-Arabien hat in diesem Jahr den Vorsitz in der «Gruppe der 20», die zwei Drittel der Weltbevölkerung, 85 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung und 75 Prozent des Welthandels repräsentiert.

AUßERORDENTLICHE SITZUNG DES EUROPAPARLAMENTS

Die Abgeordneten des Europaparlaments kamen in Brüssel zusammen, um über Verordnungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise zu entscheiden. Es ging unter anderem um Leerflüge von Airlines, die ihre Start- und Lande-Slots an Flughäfen nicht verlieren wollen. Außerdem wurde über Verordnungen entschieden, die den EU-Staaten bei der finanziellen Bewältigung der Covid-19-Krise helfen sollen. Allerdings war nur eine Handvoll Abgeordneter im Plenarsaal, die meisten verfolgten die Sitzung per Videostream. Abgestimmt wurde per E-Mail. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kritisierte im Europaparlament erneut nationale Alleingänge. Zu viele der 27 Mitglieder hätten zunächst nur an sich selbst gedacht.

SPAHN SPRICHT VON RUHE VOR DEM STURM

Im Kampf gegen das Coronavirus geht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von weiter steigenden Belastungen für Ärzte und Pfleger aus. «Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm», sagte der CDU-Politiker in Berlin. «Keiner kann genau sagen, was in den nächsten Wochen kommt.» Daher sei es weiterhin nötig, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und die Kapazitäten in den Kliniken zu erhöhen. Zugleich laufen in der Regierung schon erste Planungen für die Zeit nach dem weitgehenden Stillstand des öffentlichen Lebens. Vorerst rechnen fast zwei Drittel (64 Prozent) der Deutschen jedoch mit weiteren Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur.

GESCHLOSSENE GRENZEN ZUM SCHENGEN-JUBILÄUM

Zum 25. Jahrestag des Schengener Abkommens hat Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn gefordert, die im Zuge der Corona-Pandemie eingeführten Grenzkontrollen und Grenzschließungen «so schnell wie möglich» wieder aufzuheben. Arbeiter, «von denen viele im Kampf gegen das Virus an vorderster Front stehen», würden behindert, der Transport von lebensnotwendigen medizinischen Gütern und Lebensmitteln werde erschwert. Viele Länder hatten wegen der Corona-Krise ihre Grenzen dichtgemacht, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Am 26. März 1995 - also vor 25 Jahren - waren die Bestimmungen zum Schengener Abkommen in Kraft getreten.

NACHSCHUB AN SCHUTZKLEIDUNG FÜR EU-STAATEN

Der Nachschub an lebenswichtiger Schutzkleidung in der Corona-Krise ist nach Angaben von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen für die EU-Staaten gesichert. «Seit Dienstag wissen wir, dass ihr Bedarf an Masken, Handschuhen, Schutzbrillen und Schutzvisieren von den Herstellern gedeckt werden kann», sagte von der Leyen im Europaparlament. Die Lieferungen dürften in den kommenden Wochen anlaufen. Die EU-Kommission hatte eine gemeinsame Bestellung der Medizinprodukte eingeleitet und zudem den Aufbau einer strategischen Reserve für alle EU-Staaten angekündigt.

ZAHL DER INFIZIERTEN UND TOTEN STEIGT

In Deutschland sind bislang mehr als 41 300 Infektionen mit dem neuen Coronavirus registriert. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die gemeldeten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Besonders hohe Zahlen haben Nordrhein-Westfalen mit mehr als 10 800 Fällen sowie Bayern mit mehr als 8800 Fällen und Baden-Württemberg mit mehr als 7200 Fällen. Gerechnet auf 100 000 Einwohner verzeichnet Hamburg mit 87,7 die meisten Infektionen. Mehr als 230 mit Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben.

BUNDESPRÄSIDENT DANKT HELDEN DER CORONAKRISE

Angesichts der weltweiten Corona-Epidemie hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Bundesbürger und die Staatengemeinschaft zum Zusammenstehen aufgerufen. In einer am Donnerstag veröffentlichten Videobotschaft würdigte er zugleich die «Heldinnen und Helden in der Corona-Krise» wie Ärzte, Pfleger, Mitarbeiter von Supermärkten und Menschen, die anderen helfen. Der nun verordnete Verzicht auf viele Dinge falle schwer, ihm selbst auch, sagte Steinmeier. «Doch nur der Verzicht verhindert, dass wir dauerhaft verlieren, was wir lieben.»

GRÖNEMEYER MACHT SONG FÜR HELDEN DIESER ZEITEN

Auch der Musiker Herbert Grönemeyer hat sich bei allen Helfern in der Corona-Krise bedankt - mit einem kurzen Song auf Instagram. «Ein musikalischer Gruß und Dank an die 'Helden dieser Zeiten'», schrieb der Sänger am Donnerstag auf dem sozialen Netzwerk. Dazu postete er ein einminütiges Video, indem er die Arbeit der Menschen würdigte, die etwa «arzten, pflegen, transportieren, kassieren, bewachen, forschen, schützen». Außerdem rief er dazu auf, für diese Menschen zuhause zu bleiben. Denn sie seien «die Helden dieser Zeiten».

BOSCH ENTWICKELT CORONA-SCHNELLTEST

Der Technologiekonzern Bosch hat nach eigenen Angaben einen Coronavirus-Schnelltest unter anderem für Krankenhäuser und Arztpraxen entwickelt. Das vollautomatische Verfahren zum Nachweis von Virenerbgut soll von der Entnahme der Probe bis zum Ergebnis weniger als 2,5 Stunden brauchen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Bislang beträgt die reine Testzeit laut Robert Koch-Institut (RKI) etwa 4 bis 5 Stunden. Laut Bosch hat der neue Test auf Sars-CoV-2 eine «Genauigkeit von über 95 Prozent». Er erfülle der Test die Qualitätsstandards der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

VERBRAUCHERSTIMMUNG BRICHT EIN

Die Corona-Krise hat die Verbraucherstimmung in Deutschland auf den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise einbrechen lassen. In seinem monatlich ermittelten Konsumklimaindex prognostiziert der Nürnberger Marktforscher GfK für April einen Rückgang um 5,6 Punkte auf 2,7 Zähler. Nur im Mai 2009 auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise lag der Index mit 2,6 Punkten niedriger. «Ein so starker Rückgang ist seit Beginn der Erstellung des Konsumbarometers 1994 beispiellos», sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Handel, Hersteller und Dienstleister müssten sich auf eine Rezession einstellen.

BONUS FÜR MITARBEITER VON SUPERMÄRKTEN

Auch die 140.000 Mitarbeiter von Lidl und Kaufland bekommen einen Bonus für ihren anstrengenden Einsatz in der Corona-Krise. Jeder Mitarbeiter in Filialen, Logistik und Produktionsbetrieben erhalte im April eine Sonderzahlung von bis zu 250 Euro, teilte die Schwarz-Gruppe mit, zu der die beiden Ladenketten gehören. Insgesamt lässt sich der Handelsriese die Prämien rund 35 Millionen Euro kosten. Zuvor hatte bereits Rewe eine Prämie für seine Mitarbeiter und die Beschäftigten der konzerneigenen Discountkette Penny angekündigt. Der Bonus für die Beschäftigten werde als Warengutschein ausgezahlt, damit die Prämie möglichst als Netto-Zahlung bei den Beschäftigten ankomme.

CANDLE-LIGHT-DINNER TROTZ CORONA

Die große Mehrheit der Bundesbürger hält sich zwar an die strikten Beschränkungen, die die Ausbreitung des Coronavirus bremsen sollen. Es gibt aber nach wie vor Unverbesserliche: In Berlin-Kreuzberg hat die Polizei in einem Lokal ein Dinner bei Kerzenschein beendet, zu dem sich vier Freunde trotz Coronakrise und Kontaktverbot getroffen hatten. Sie ließen sich hinter abgeklebtem Fenster und bei ausgeschaltetem Licht mit Essen und Trinken bewirten, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Der Tisch sei voll gedeckt gewesen. Auf die Runde dürften nun Konsequenzen zukommen.

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