Höher! Schneller! Weiter!

Höher! Schneller! Weiter!

Was einst den sportlichen Ehrgeiz anstacheln sollte, ist heute das Motto der globalen Welt. Der Umsatz soll höher werden. Natürlich auch der Gewinn. Es versteht sich von allein, dass man dafür nicht auf alle Umweltgebote Rücksicht nehmen kann. Um den Umsatz anzukurbeln, wird häufig die Verpackung verändert.

Der Konsument soll nicht merken, wenn einzelne Beigaben nicht mehr der ursprünglichen Qualität entsprechen. Aber sie erhöhen den Gewinn, und der ist das A und O der Industrie. Dabei werden oft Methoden angewandt, die gefährlich werden können für den menschlichen Verzehr. Und was in der Ersten Welt nicht mehr absetzbar ist wird in die Dritte Welt verschifft. Dort sind die Menschen weniger kritisch und weniger anspruchsvoll. Auch der Umsatz muss schneller werden nach dem Motto: Heute produziert, morgen verkauft, übermorgen konsumiert. Die Wege vom Produzenten zum Konsumenten müssen schneller werden. Man gründet Firmenableger dort, wo das Produkt gebraucht wird: Aus der Fabrik direkt zum Verbraucher. Das hat viele Vorteile. Vor allem für den Produzenten, denn der spart die Kosten für den Vertrieb. Ob er diese Einsparungen an die Kunden weiter gibt ist fraglich.

Falls die Konkurrenz groß ist, wird ihm wohl nichts anderes übrigbleiben. Und was bedeutet „weiter“ in dieser globalen Welt? Es bedeutet Ausdehnung, nach Möglichkeit weltweit. Es gibt Firmen, die haben Ableger in mehr als hundert Ländern gegründet. Sie engagieren billige Arbeitskräfte und entlassen sie bei der geringsten Absatzkrise. Während der Corona-Pandemie werden es viele Millionen sein. Wer kümmert sich um das Elend dieser Menschen? Die Produktionsfirma hat andere Sorgen. Täglich sieht sie auf ihren Bildschirmen wie die Umsätze steigen. Wenn die aber so weit zurückgehen, dass sich eine weitere Produktion nicht mehr lohnt, dann wird sie abgewickelt. Die Industrie ist schließlich kein Kuschelpark. Wer das nicht begreift, der gehört, wie ich, zu den Idealisten, den Träumern und Utopisten. Sie verstehen den Raubtier-Kapitalismus nicht.

Coca-Cola, Nestle, Unilever haben es längst geschafft und verdienen sich dumm und dämlich. Millionen, Milliarden. Menschen kaufen ihre Produkte. Gleichzeitig landet ein Drittel der verkauften Waren auf dem Müll. Es wird geschätzt, dass jährlich 12,5 Milliarden der verkauften Nahrungsmittel nach Ablauf des empfohlenen Verbrauchs- datums entsorgt werden. Damit könnte man alle Hungernde der Welt sättigen. Aber daran besteht in der globalen Welt kein Interesse. Empathie ist kein Geschäftsmodell. Es bringt mehr ein, wenn NGOs die überschüssigen Waren aufkaufen, um damit ärmere Bevölkerungsschichten zu versorgen. So wie der Spitzensport heute teilweise korrumpiert ist, so geht es auch in der Wirtschaft zu: Immer höher, immer schneller, immer weiter, und immer mehr und mehr. Auf dieser Strecke fallen Millionen Menschen hinten runter. Aber wen interessiert das schon? Der monetäre Fluss hat seine eigenen Gesetze und schafft sich sein nötiges Bett. Ich gebe zu, ich habe andere Vorstellungen von einer gerechten Welt, von einer Welt des Ausgleichs und der Nächstenliebe. Die Erfüllung dieses Traums werde ich nicht erleben. Dabei ist sie die einzige Chance für diese Welt um zu überleben.

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Francis Light 29.06.20 20:22
Wirklich? Ein Drittel aller verkauften Lebensmittel weltweit wird verworfen?

Zu den Tricks: Irgendwo las ich dass z.B. Procter und Gamble auf die geniale Idee kam, in der Hoffnung, die Kunden würden es nicht sofort überreissen, statt teurer zu machen einfach weniger in eine Verpackung zu geben. Statt 32 Pampers waren auf einmal nur noch 28 Stück drin, zum selben Preis.
Thomas Knauer 29.06.20 17:07
Kann ihnen hier voll zustimmen, lediglich der Ausblick ist für mich ein anderer.
Die Welt ist weder gut noch schlecht, es ist der Mensch alleine. Er ist für das System hier auf dem Planeten nicht systemrelevant, ja er verändert es massiv, nicht unbedingt zum Vorteil, er wird auch wieder verschwinden und der Planet wird weiter existieren.