Hamilton mitten im Champions-Club - Gehört Rosberg am Sonntag dazu?

Foto: epa/Srdjan Suki
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AUSTIN (dpa) - Nico Rosberg bleibt auch nach seinem zweiten Platz in Austin und vor dem möglichen Titelgewinn seiner Maxime treu: nicht an den WM-Coup denken oder davon reden. Verfolger Lewis Hamilton verspricht nach seiner US-Show mit Karriere-Sieg Nummer 50: «Ich gebe nicht auf.»

Lewis Hamilton genoss den exquisiten Champions-Club. Nico Rosberg musste nach dem verpassten Premieren-Sieg in den USA dagegen um Aufmerksamkeit kämpfen. In einer Woche könnte das ganz anders sein, nach ein bisschen Durchatmen in Austin geht es für den 31 Jahre alten Deutschen zur möglichen Titelentscheidung der Formel 1 nach Mexiko.

Gewinnt Rosberg wie vor einem Jahr bei der Premiere, und Hamilton wird maximal Zehnter, ist Rosberg Weltmeister. «Natürlich bin ich mir dessen bewusst, es ist eine offensichtliche Rechnung, die jeder anstellt», sagte Rosberg mit lauter Stimme.

Unruhe hatte sich breitgemacht im Motorhome von Mercedes. Skistar Lindsey Vonn hatte die Teamunterkunft nach Hamiltons ruhiger, aber entschlossener Kampfansage am Sonntag knapp zwei Stunden nach Rennende verlassen, Tennis-Ass Venus Williams widmete sich ihrem Essen. Von einem Sessel aus beobachtete die ehemalige Hürdenikone Edwin Moses Rosbergs Ausführungen. Hamilton, gut gelaunt inmitten von Freunden und Bekannten in seiner zweiten Heimat USA, hatte sich nach nebenan zurückgezogen.

Sieben Punkte machte Hamilton durch seinen Sieg vor Rosberg und Daniel Ricciardo von Red Bull sowie dem viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel im Ferrari gut. Sieben von 33. 26 Punkte Vorsprung hat Rosberg damit vor den abschließenden drei Rennen am Sonntag in Mexiko sowie danach in Brasilien und Abu Dhabi. So kurz vor dem großen Ziel will er seine Herangehensweise weiterhin nicht ändern und keine Gedanken an den WM-Titel verschwenden. «Ich will mich auf Mexiko und den Sieg dort beim Rennen konzentrieren», betonte er.

In Austin klappte es nicht. «Ich wollte ihn gewinnen, aber das hab' ich nicht, das muss ich akzeptieren.» Platz zwei ordnete Rosberg als Schadensbegrenzung ein, nachdem er neun der 18 bisherigen Saisonrennen für sich entschieden hat. Hamilton kommt nun auf sieben Saisonsiege, in Austin gewann er vier der fünf bisherigen Rennen.

Dieser Erfolg in den USA war dennoch ein besonderer. «Ich hatte ganz vergessen, dass es der 50. sein würde», meinte der 31-Jährige, der zuletzt am 31. Juli ausgerechnet Rosbergs Heimrennen in Deutschland gewonnen hatte. «Es ist ein bisschen surreal», meinte Hamilton - nur Michael Schumacher mit 91 und Alain Prost mit bloß einem Sieg mehr als Hamilton standen in ihren Karrieren öfter auf dem obersten Podestplatz.

Beim 18. Saisonrennen verteidigte Hamilton seine Pole. Ein Jahr nach seinem Titelgewinn in Texas leitete er mit einer souveränen Fahrt zum Sieg womöglich wieder eine Wende im WM-Duell ein. «Lewis hat wieder Oberwasser bekommen», meinte Mercedes-Teamaufsichtsratschef Niki Lauda.

«Es geht immer hin und her zwischen den beiden. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht», sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff und stellte sich selbst und seinem Team die wichtigste Aufgabe: «Unser Hauptaugenmerk liegt erneut darauf, beiden Jungs zwei zuverlässige Autos zur Verfügung zu stellen, damit sie den WM-Kampf weiter auf sportliche Art und Weise auf der Strecke ausfechten können.»

Vor allem Hamilton wurde in diesem Jahr von Motorschäden und technischen Problemen immer wieder gebremst. Nachdem ihm in Malaysia zwei Rennen zuvor in Führung liegend der Motor kaputt gegangen war, habe er nun auf jedes kleinste Geräusch geachtet, gab er in der Teamunterkunft seines Rennstalls am frühen Abend zu. «Wenn Defekte vorkommen, dann ja mit höherer Wahrscheinlichkeit an meinem Auto», sagte Hamilton vor dem bemerkenswerten Publikum, das selbst ihn begeisterte: «So viele Champions hier.»

Rivale Rosberg könnte schon am Sonntag dazugehören. Er wäre «ein würdiger Champion», meinte Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone in der «Bild» zwar. Hamilton sei aber der bessere Botschafter. «Für die Formel 1 und für mich als Promoter der Formel 1 gibt es keinen Besseren», bekräftigte der Hamilton-Landsmann.

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