Leid des Opfers mit Urteilen nicht vorbei

Prozess um Gruppenvergewaltigung

Ein Angeklagter (M) hält eine Mappe als Sichtschutz vor sein Gesicht, während im Vordergrund zwei Verteidiger stehen. Wegen der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg Mitte Oktober 2018 sind die meis... Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Ein Angeklagter (M) hält eine Mappe als Sichtschutz vor sein Gesicht, während im Vordergrund zwei Verteidiger stehen. Wegen der Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg Mitte Oktober 2018 sind die meis... Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

FREIBURG: Kaum vorzustellen, was die junge Frau durchmachen muss. Vergewaltigt von mehreren Männern. Der Prozess zieht sich über rund 13 Monate hin. Es gibt mehrjährige Haftstrafen. Doch das Leid des Opfers endet damit nicht.

Juristisch endet die Gruppenvergewaltigung von Freiburg für die meisten der elf Angeklagten mit mehrjährigen Freiheitsstrafen. Der Haupttäter soll für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Doch für die damals 18 Jahre alte Frau, die im Oktober 2018 mehr als zwei Stunden Vergewaltigungen und Missbrauch erdulden musste, geht der Leidensweg weiter.

«Die Tatfolgen sind schwer», sagte der Vorsitzende Richter des Freiburger Landgerichts, Stefan Bürgelin, bei der Urteilsverkündung am Donnerstag. Zu einer zweiten Befragung in dem Prozess, der sich seit Juni 2019 über 43 Verhandlungstage hingezogen hat, war die junge Frau nicht mehr in der Lage. Sie leidet einem ärztlichen Attest zufolge weiter unter der Tat, die für Empörung weit über Freiburg hinaus gesorgt hatte. Bis heute habe sie mit einer posttraumatischen Belastungsstörung und Schlafproblemen zu kämpfen.

Der Prozess gegen die Angeklagten, überwiegend Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, dauerte mehr als ein Jahr. Sie waren zum Tatzeitpunkt zwischen 18 und 30 Jahre alt. Das Gericht hörte zahlreiche Zeugen und Sachverständige und versuchte, die Tatbeteiligungen der Angeklagten exakt zu bestimmen. Bürgelin schilderte den Ablauf der Tatnacht mit zahlreichen Vergewaltigungen in einem Gebüsch noch einmal detailliert.

Die 18-Jährige hatte Ecstasy, Alkohol und Koffein im Körper und sei deswegen nicht in der Lage gewesen, einen entgegenstehenden Willen zu bilden und zu äußern. Sie habe jegliches Zeitgefühl verloren und nicht mehr das Gefühl gehabt, in ihrem eigenen Körper zu sein. Die Aussagen von Angeklagten, es habe sich um einvernehmlichen Sexualverkehr gehandelt, wies Bürgelin als reine Schutzbehauptung zurück. «Das ist in so einem Fall eine Standardeinlassung, die nicht originell ist», sagte er.

Dem Hauptangeklagten hielt Bürgelin vor: «Sie haben die Sache ins Rollen gebracht und ausgenutzt.» Er habe sie unter dem Vorwand ins Freie gelockt, um ihr seine Tattoos zu zeigen. Der Mann habe die Frau nach der ersten Vergewaltigung dann ganz bewusst den anderen Tätern zugeführt. «Deshalb haben Sie die höchste Strafe verdient.»

Immer wieder redete der Vorsitzende Richter den Verurteilten ins Gewissen. Einem sagte er: «Wenn Sie nicht Ihren Lebenswandel ändern, werden Sie einen großen Teil Ihrer Zeit hier in Deutschland im Gefängnis verbringen.» Er erinnerte daran, das gerade Sexualstraftäter in den Haftanstalten in der Hierarchie der Gefangenen ganz unten stünden und zum Teil Gewalt ausgesetzt sein.

Anderen bescheinigte er zumindest das Bemühen, sich eine neue Existenz aufzubauen. «Das Verfahren soll auch eine Chance für einen Neuanfang sein.»

Die Rechtsanwältin der 18-Jährigen äußerte sich zufrieden über die Urteile, wies aber darauf hin, dass sie noch nicht rechtskräftig seien. «Im Endeffekt bin ich bin froh über die Verurteilungen. Mein Impetus, meine Hoffnung ist, dass die Geschädigte damit abschließen kann.» Sie rechne mit Revisionen.

Bereits 2016 war Freiburg wegen einer Gewalttat bundesweit in den Schlagzeilen. Ein junger Flüchtling hatte eine Studentin vergewaltigt. Sie ertrank anschließend im Flüsschen Dreisam. Der Täter wurde 2018 wegen Mordes verurteilt. Damals begann eine Phase der Verunsicherung in der Stadt, die seitdem in Zusammenarbeit mit der Polizei zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt hat.

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Rudolf Lippert 25/07/2020 12:07
@Wurst
Jemand der in seinem eigenen Land schwere Verbrechen gegen ihn befürchten muss, ist sicherlich berechtigt auf Asyslbasis oder rein der Menschlichkeit wegen gerne aufgenommen. Nur eben würde ich dann erwarten, dass er in seinem Zufluchtsland keine Verbrechen und schwere Straftaten begeht. Er weiss doch woher er kommt und dass er nicht riskieren sollte dorthin zurückkehren zu müssen. Dass er keine schweren Straftaten begeht liegt in s e i n e m Interesse. Ausserdem sollte grade er doch wissen wie sich so etwas auf der Opferseite anfühlt. Wir reden hier nicht über Ladendiebstahl usw.
Hans-Dieter Volkmann 25/07/2020 00:37
Kurt Wurst 24.07.20 21:57
Werter Herr Wurst, mit ihrem Beispiel haben Sie eine Möglichkeit erwähnt welche sicherlich im einen oder anderen Fall möglich ist. Aber, oberstes Gebot muss heißen: Die eigenen unschuldigen Menschen vor Schwerstkriminellen zu schützen. Was ihre Befürchtung (Genickschuss) betrifft, auch hier gäbe es im Vorfeld einer Auslieferung politische Möglichkeiten. Zum Beispiel könnte die Vollstreckung einer zu erwartenden Todesstrafe in Haftstrafe ,durch politische Verhandlung, ersetzt werden. Die Politik müsste es nur wollen. Aber alles in Allem, ein Krimineller muss wissen das seine Handlung Folgen hat die ihm niemand abnimmt.
Peter Spranz 24/07/2020 22:37
In denen ihren Herrkunfts Länder werden solche erst von den Angehörigen angestochen ( Leber und Nieren ) und an den Füßen aufgehangen bis es vorbei ist , bei uns werden die Armen mit Luxus Knast und Familien zusammen führung noch belohnt .
Unser eins wird schon wenn man Falsch parkt nee Stunde belehrt von den Ordnungshüter .
Natürlich ohne zu zahlen geht da nix , egal wie Reumutig man auch ist .
Da läuft das gesockse ins Gericht und Lacht dem Opfer noch vor aller Leute ins Gesicht .
Wann wird dem mal ein Ende gesetzt , und Respekt bei gebracht .
Kurt Wurst 24/07/2020 21:57
2 Jahre Knast = abschieben @ Herr Volkmann
Falls die Person ein tatsächlich Verfolgter im Heimatland sein sollte, und beim ersten Schritt im Heimatland den Genickschuss kassiert; was würden Sie sagen? "Hat er halt Pech gehabt, er hätte sich ja bei uns benehmen können"?
Hans-Dieter Volkmann 24/07/2020 21:22
Leid des Opfers
Asylanten, gleich welcher Nation, die in Deutschland straffällig werden und mit z.B. mehr als zwei Jahren Haft bestraft werden, sollen ihr Recht auf Asyl verwirkt haben. Dies zu verwirklichen ist Sache des Gesetzgebers.
Dann wäre auch die Abschiebung in ihre Heimatländer, durch entsprechende Zahlung an deren politische Machthaber, kein Problem. Warum aber tut sich die deutsche Gesellschaft das an. Es wird Rücksicht auf bösartige Kriminelle genommen ( Resozialisierung ) . Und die Opfer ? Sie werde viele Jahre, vielleicht den Rest ihres Lebens sich selbst überlassen.