Frauen streiken in der Schweiz für mehr Gleichberechtigung

Foto: epa/Juan Ignacio Roncoroni
Foto: epa/Juan Ignacio Roncoroni

BERN (dpa) - Frauen verdienen meist weniger, sind schlechter abgesichert und sind stärker als Männer unbezahlt in Fürsorge und Pflege von Angehörigen eingespannt. Mit einem Frauenstreik machen Tausende Schweizerinnen jetzt Druck - und färben die Straßen violett.

Mit einem Frauenstreik im ganzen Land haben Zehntausende Schweizerinnen am Freitag für mehr Gleichberechtigung demonstriert. Sie forderten vor allem gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. In vielen Städten und Ortschaften hatten Gewerkschafterinnen, Unternehmerinnen und Politikerinnen Märsche und Kundgebungen organisiert. Allein in Bern beteiligten sich bis zum Mittag rund 10.000 Menschen an den Protesten.

Auf dem Berner Bundesplatz verschafften sich die Frauen um 11.00 Uhr mit Pfannendeckeln, Hörnern, Trillerpfeifen und Rasseln Gehör. Gegen Mittag legten die Demonstranten den Verkehr rund um den Züricher Hauptbahnhof zwischenzeitlich lahm. In Luzern kam es zu einem Sitzstreik.

Wie das Schweizer Fernsehen berichtete, hatten bereits in der Nacht Frauen mit Pfannenkonzerten und Autocorsos den Streiktag eingeläutet. Am Morgen wurde dem Parlament eine Petition mit 11.000 Unterschriften für eine geringere Besteuerung von Tampons überreicht. Um 11.00 Uhr legten dann viele Frauen kurzzeitig die Arbeit nieder, auch die Sitzung des Nationalrats wurde unterbrochen.

Die Gewerkschaft hatte zudem dazu aufgerufen, um 15.24 Uhr in den Feierabend zu gehen - nach ihrer Rechnung arbeiten die Frauen ab dann, ohne dafür bezahlt zu werden. Frauen verdienen in der Schweiz im Durchschnitt 6.491 Franken (5.770 Euro) brutto im Monat - das sind 18,3 Prozent weniger als Männer, wie das Bundesamt für Statistik 2016 errechnet hat.

Die Gewerkschaften forderten in einem Manifest neben Lohngleichheit eine Anerkennung und gerechte Verteilung von Haus- und Pflegearbeit. Eine weitere Forderung war eine generelle Verringerung der Arbeitszeit, damit bezahlte und unbezahlte Arbeit besser verteilt werden kann. Abtreibungen und Empfängnisverhütung sollte es nach Ansicht der Gewerkschaften zum Nulltarif geben.

Die Gleichberechtigung steht seit dem 14. Juni 1981 in der Schweizer Verfassung. Da es bei der Umsetzung haperte, wurde 1991 ein erster Frauenstreik organisiert. Damals gingen nach Angaben des Sozialarchivs hunderttausende Frauen auf die Straßen.

Vor dem Aktionstag gab es in der Schweiz wochenlange Diskussionen über die Situation der Frau. Unternehmerinnen hatten sich beschwert, dass die Gewerkschaften den Tag für sich in Anspruch nehmen wollten. Die konservative Wochenzeitung «Weltwoche» argumentierte, Frauen gehe es bestens, schließlich brauchten sie nicht zum Militär. Eine Journalistin schrieb dort: «Statt frei will man heute Opfer sein». Die Verbraucherzeitschrift «Beobachter» kam demonstrativ einmal als «Beobachterin» heraus.

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Franz Franz 15/06/2019 14:41
Ja Richtg..
Richtig Herr Hoehn. Fehlt noch die Pensionsalter-Gleichstellung, der Männer-Kinderurlaub, der MwSt.-freie Rasierschaum. und natürlich freie Abgabe von Preservativen.
Franz Franz 15/06/2019 13:08
Oh je..
Unternehmerinnen und Politikerinnen? Meine Güte! Wenn es um arbeitende Frauen geht, okay. Aber Unternehmerinnen, die den Lohn für die Angestellten machen? Von wem wollen denn diese den Lohn ihren Lohn? Eventuelle noch vom Staat? Politikerinnen? Es gibt eine Lohnvorgabe für diese, gleich wie bei Männern! Es gibt keine Lohnvorgabe für Männer oder Frauen es ist eine für beide.
Ernst Hoehn 15/06/2019 13:07
..einverstanden..
gleicher lohn für gleiche arbeit sollte eigentlich klar sein. gleichberechtigung.....natürlich!! also es wird langsam zeit dass auch für die frauen die militärpflicht gilt. will frau keinen dienst tun bezahlen sie wie die männer wehrpflichtersatz. damit wäre auch die sanierung der rentenversicherung ( AHV ) wohl geregelt.