Djokovic und Kenin Australian-Open-Sieger

Foto: epa/Scott Barbour
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MELBOURNE (dpa) - Novak Djokovic hatte erhebliche Mühe, setzte am Ende aber seine imposante Serie bei den Australian Open fort. Im Herren-Tennis hält die Dominanz der Topstars an. Bei den Damen erfüllte sich dagegen eine Aufsteigerin überraschend ihren Kindheitstraum.

Nach seinem achten Triumph bei den Australian Open und auch ernsten Worten bei der Siegerehrung auf dem Platz feierte Novak Djokovic gelöst mit seinen begeisterten serbischen Fans. Einen Tag nach dem Premieren-Titel der Amerikanerin Sofia Kenin krönte sich Djokovic trotz erheblicher Probleme wie im Vorjahr am Sonntag zum Grand-Slam-Champion von Melbourne. «Ich bin gesegnet, diese Trophäe wieder in den Händen zu halten», sagte der 32-Jährige nach dem nächsten Erfolg seiner außergewöhnlichen Tennis-Karriere.

Mit dem 6:4, 4:6, 2:6, 6:3, 6:4 gegen den österreichischen Herausforderer Dominic Thiem sicherte sich Djokovic seinen 17. Grand-Slam-Titel und stieg wieder zur Nummer eins der Tennis-Welt vor dem Spanier Rafael Nadal auf. In einem packenden Schlussakt der zweiwöchigen Australian Open über fünf Sätze und fast vier Stunden musste sich der Serbe von einem 1:2-Satzrückstand befreien und Schwächephasen meistern. Am Ende blieb er auch in seinem achten Endspiel von Melbourne unbezwungen und baute seine imposante Serie aus.

Zärtlich küsste Djokovic seine Australian-Open-Trophäe - so wie dies am Samstag auch Kenin in ihrem bisher schönsten Moment ihrer Laufbahn getan hatte. Die Außenseiterin setzte sich in einem Überraschungsfinale der Damen mit 4:6, 6:2, 6:2 gegen die zweimalige spanische Grand-Slam-Turniersiegerin Garbiñe Muguruza durch und gewann erstmals einen Grand-Slam-Titel. «Mein Traum ist offiziell wahr geworden. Ich kann das Gefühl nicht beschreiben», sagte die 21-Jährige. Für sie sind Dankesreden noch längst keine Routine.

Djokovic wurde bei aller Euphorie auch ernst und lenkte den Blick auf Themen abseits von Tennis-Triumphen. «Dies ist eine Erinnerung an uns, dass wir mehr denn je zusammenhalten sollen», sagte er. Der Rekordsieger der Australian Open dachte an seinen kürzlich bei einem Helikopter-Absturz gestorbenen Freund und Mentor, den Basketballer Kobe Bryant. Ebenso wie an die Opfer der australischen Buschfeuer.

Thiem, der erste österreichische Australian-Open-Finalist, hatte den Favoriten stark unter Druck gesetzt. Seine Chance auf seinen ersten Grand-Slam-Titel nutzte er aber auch in seinem dritten Endspiel bei einem der vier wichtigsten Turniere nicht. Zwei Tage zuvor hatte der 26-Jährige den Hamburger Alexander Zverev im Halbfinale gestoppt.

Als eine Vorhand des 26-jährigen Thiem beim ersten Matchball des Titelverteidigers knapp seitlich im Aus landete, streckte Djokovic beide Zeigefinger nach oben und klopfte sich aufs Herz. «Es war definitiv eines der schwierigsten Endspiele, die ich hier hatte. Ich war kurz davor, dieses Match zu verlieren», räumte Djokovic ein.

Als Erster bei den Herren hat er nun in der Profi-Ära seit 1968 in drei Jahrzehnten Grand-Slam-Titel gewonnen und verdiente umgerechnet weitere rund 2,5 Millionen Euro. Mit seinem insgesamt 17. Titel rückte Djokovic wieder näher an Rekord-Grand-Slam-Turniersieger Roger Federer aus der Schweiz (20) und Nadal (19) heran. «Es ist unwirklich, was du all die Jahre machst», sagte Thiem. Drei Jahre dauert die Titelserie der «Big Three» an.

In dem Tennis-Krimi über vier Stunden wirkte Djokovic zwischenzeitlich körperlich und mental angeschlagen. Vom zweiten Satz an wackelte der Rekord-Turniersieger. Als der Serbe sich zum zweiten Mal bei einem Aufschlag zu viel Zeit ließ, kassierte er eine zweite Verwarnung und hatte nur einen Aufschlag. Die prompte Folge: das entscheidende Break für Thiem zum Satzausgleich. Djokovic patschte beim Seitenwechsel Schiedsrichter Damien Dumusois auf die Schuhe und schimpfte: «Du machst dich selbst berühmt, gut gemacht.»

Thiem dominierte auf einmal das Geschehen und sicherte sich ohne all zu viel Gegenwehr auch Satz drei. Der Vorjahressieger bekam medizinischen Rat, verließ beim Satzrückstand den Platz. Im vierten Satz hatte sich der frühere Schützling von Boris Becker wieder gefangen, ihm glückte das Break zum 5:3. Plötzlich drehte sich die Partie zugunsten des Favoriten, der am Ende wieder der bessere Spieler war und seine riesige Erfahrung ausspielte.

Thiem hatte im Viertelfinale gegen Nadal und danach gegen Zverev seinen Anspruch unterstrichen, für seinen ersten Grand-Slam-Titel reif zu sein. «Du warst nah dran, und du hast definitiv noch viel mehr Zeit in deiner Karriere. Und ich bin sicher, du wirst eine der Grand-Slam-Trophäen bekommen. Mehr als eine», sagte Djokovic zu Thiem.

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