Lockdown-Lockerungen in England kommen zu früh

Die Menschen genießen den Sonnenschein am Strand von Southend-On-Sea in Essex. Foto: epa/Neil Hall
Die Menschen genießen den Sonnenschein am Strand von Southend-On-Sea in Essex. Foto: epa/Neil Hall

LONDON: Britische Wissenschaftler haben vor den Folgen der für kommende Woche geplanten Lockerungen der Kontaktbeschränkungen in England gewarnt. Befürchtet wird, dass es zu einer zweiten Infektionswelle in der Coronavirus-Pandemie kommen könnte.

Mit geschätzt etwa 8000 Neuinfektionen pro Tag habe der größte britische Landesteil im internationalen Vergleich noch immer sehr hohe Fallzahlen, sagte John Edmunds, ein Experte für die Berechnung der Ausbreitung von Infektionskrankheiten an der London School of Hygiene and Tropical Medicine dem «Guardian» zufolge.

Dem schloss sich auch der Direktor des Wellcome Trust, Jeremy Farrar, an. «Covid-19 breitet sich zu schnell aus, um den Lockdown in England aufzuheben», schrieb er am späten Freitagabend auf Twitter. Zuerst müsse ein funktionierendes System zur Testung und Kontaktverfolgung vorhanden sein und die Infektionszahlen geringer sein, so Farrar.

Premierminister Boris Johnson hatte erst am Donnerstag angekündigt, die Kontaktbeschränkungen in England weiter zu lockern. Demnach sollen von kommender Woche an wieder Treffen von bis zu sechs Personen in privaten Gärten und Parks möglich sein, solange der Mindestabstand von zwei Metern eingehalten wird. Bislang waren nur Treffen von zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten möglich.

Auch Läden mit Verkaufsfläche im Freien sollen wieder öffnen dürfen. Zudem werden auch teilweise die Schulen wieder für eine größere Zahl von Kindern geöffnet. Ähnliche Regeln sollen auch in den anderen Landesteilen Schottland, Wales und Nordirland gelten.

Großbritannien hat offiziellen Statistiken zufolge die höchste Zahl an Todesfällen in Europa. Bis Freitag starben dort mehr als 38.000 Menschen, nachdem sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Johnson hatte bis Anfang Juni ein «Weltklasse-System» an Tests und Kontaktverfolgungen versprochen. Die Regierung stellte dafür 25.000 Mitarbeiter ein. Doch Berichten zufolge läuft es nur schleppend an, beispielsweise wird über Software-Probleme geklagt.

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