Eine Arznei, von der viel gesprochen wird

Ein Mädchen sitzt am vollen Schreibtisch und versteckt ihr Gesicht im gebeugten Arm.  Beim Lernen muss man sich konzentrieren können. Das fällt manchen Kinder sehr schwer. Foto: Philipp Brandstädter/Dpa
Ein Mädchen sitzt am vollen Schreibtisch und versteckt ihr Gesicht im gebeugten Arm. Beim Lernen muss man sich konzentrieren können. Das fällt manchen Kinder sehr schwer. Foto: Philipp Brandstädter/Dpa

BERLIN (dpa) - Ritalin ist ein Medikament, das müde Leute antreiben und aufgedrehte Leute beruhigen soll. Manche Menschen erhoffen sich, ihren Alltag damit besser zu meistern. Darunter sind aber auch Kinder und Erwachsene, die diese Arznei eigentlich nicht brauchen.

Ein Kind hat Probleme in der Schule: Es schafft es nicht, dem Unterricht zu folgen. Stattdessen zappelt es auf dem Stuhl herum und träumt vor sich hin. Solche Momente, in denen wir nicht bei der Sache sind, kennt jeder.

Aber was ist, wenn sich diese Situationen häufen und dauerhaft werden? Wenn Leute es versäumen, wichtige Dinge zu erledigen. Etwa den Schlüssel zu Hause vergessen oder die Verabredung zum Spielen.

Davon können Erwachsene und Kinder betroffen sein. Manchmal verschreiben Ärzte dann Medikamente mit einem bestimmten Stoff: Methylphenidat. Meist wird es aber Ritalin genannt.

«Ursprünglich wurde Ritalin verabreicht, um Leute wach zu machen und zu beleben», erklärt der Psychiater Eike Ahlers. Er hat viel mit Patienten zu tun, die Ritalin nehmen. «Doch obwohl der Stoff grundsätzlich aufputscht, hat er auf manche Menschen eine andere Wirkung: Unruhige werden durch Ritalin ruhiger.»

Mit Methylphenidat lassen sich bestimmte psychische Krankheiten behandeln. Forscher meinen: Ritalin wirkt dabei ziemlich zuverlässig. Jedoch wünschen sich auch manche Leute, dass die Arznei schon gegen leichte Unruhe oder Unaufmerksamkeit hilft. Deshalb kommt es auch vor, dass das Medikament missbraucht wird. An Universitäten ist etwa von Studenten die Rede, die Ritalin nehmen. So wollen sie vor Prüfungen stundenlang Texte lesen und lernen können ohne müde zu werden.

Manche Menschen nehmen also Ritalin, obwohl es nicht sein muss. Dabei bewirkt Ritalin keine Wunder. Es hilft vielmehr, das eigene Verhalten besser zu steuern. Ein Problem ist: «Wenn man Ritalin ohne ärztliche Behandlung einfach so einnimmt, werden schädliche Nebenwirkungen vielleicht nicht erkannt», sagt Eike Ahlers.

Auch Kindern wird die Arznei manchmal verschrieben. Habe ein Kind größere Schwierigkeiten, könne so ein Medikament gut helfen, erklärt der Experte. Doch ist Vorsicht geboten, wenn es darum geht, dass sich Kinder in der Schule nur besser konzentrieren können sollen.

Schließlich könne es manchmal sein, dass Kinder sich mit dem Medikament weniger wohl fühlen. «Sie haben dann weniger Spaß in ihrem Alltag. Eltern und Lehrer sehen hingegen, dass die Kinder in der Schule bessere Leistung bringen», erklärt Eike Ahlers.

Deshalb sollten Eltern mit ihren Kindern zunächst mit einem Kinderpsychologen sprechen, wenn es Probleme gibt. Und ein Arzt sollte genau untersuchen, was dann die beste Hilfe ist. Denn wenn ein Kind in der Schule nicht mitkommt, viel träumt oder zu aufgekratzt ist, kann es auch andere Möglichkeiten geben als ein Medikament.

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Thomas Mohr 20.06.19 00:56
Ritalin, eine arznei von der viel gesprochen wird
Herr Buetler: Es ist korrekt, wenn Sie schreiben, Ritalin sei ein Amphetaminderivat. Das aendert jedoch nichts am therapeutischen Nutzen. Ritalin ist durchaus indiziert bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit Syndrom im erwachsenen und Jugendalter) und dafuer ist es auch zugelassen. Zur Diagnostik stehen staendig ueberarbeitete Leitlinien fuer Kinderaerzte, Psychiater und/oder Aerzte fuer Kinder und Jugendpsychiatrie zur Verfuegung.. Wer einmal erlebt hat welchen Segen diese Substanz, richtig angewendet,Schulkind und Elternhaus gleichermassen, bringt, wird fortan anders darueber denken. Wie immer in der Behandlung jeglicher Erkrankungen macht die Dosis das Gift. Beispiele hierzu gibt es genug; es sei hier nur an den Fingerhut erinnert, der Digitalis enthaelt, was je nach Dosis schaedlich oder herzstaerkend (positiv inotrop) wirkt; Gleiches gibt es zu Rattengift zu berichten, welches in der richtigen Doiserung als Warfarin oder Phenprocoumon vielen Menschen mit Vorhofflimmern oder Thrombosen durch Blutverduennung (Antikoagulans) hilft. Im Bereich der Medizin heisst dieses "Gift" Marcumar. Dass die Indikation zur Verschreibung von Ritalin und aehnlichen Substanzen stimmen muss und eng definiert werden muss, steht ausser Frage. Die Gabe von diesen substanzen ersetzt natuerlich nicht das individuelle Eingehen auf das Kind /Jugendlichen, wie Sie bereits ausfuehrten.