Dystopischer Thriller «I Am Mother»

Meine Mutter ist ein Roboter

Mutter in einer Szene des Films «I am mother». Foto: -/Concorde Filmverleih/dpa
Mutter in einer Szene des Films «I am mother». Foto: -/Concorde Filmverleih/dpa

LONDON (dpa) - Nach der Auslöschung der Menschheit zieht ein Roboter namens Mutter in einem geschützten Labor ein Mädchen groß. Gegen den Willen von Mutter lässt das Mädchen heimlich eine verletzte Frau ins Labor. Die Fremde erzählt beunruhigende Dinge über Roboter.

Vom menschlich anmutenden Androiden Bishop in «Alien», dem fühlenden Roboter Sonny in «I, Robot» oder dem todbringenden «Terminator»: Science-Fiction-Filme mit Problem-Robotern erfreuen sich auf der Leinwand immer wieder großer Beliebtheit. Mit «I Am Mother» kommt ein weiterer dystopischer Thriller mit Oscarpreisträgerin Hilary Swank dazu.

Tag eins nach der Auslöschung der Menschheit. In einem geschützten Hochsicherheitsbunker an einem unbekannten Ort lagern 65.000 Embryonen in einem Labor. Ein Roboter namens Mutter (in der Originalfassung von Rose Byrne gesprochen) wählt eins aus. 24 Stunden später hält Mutter ein Baby in ihren mechanischen Armen. In der riesigen, sterilen Laborumgebung, in der es technisch an nichts mangelt, zieht die künstliche Intelligenz mit warmherziger Stimme und Wärmemodulen am Roboterkörper das Kind groß.

Schlaflieder, Kindergeburtstag, Heimunterricht - das ungleiche Duo hat, soweit es möglich ist, ein normales Mutter-Tochter-Verhältnis. Nach draußen darf das Mädchen (Clara Rugaard) aber auch als Teenagerin noch nicht gehen. In der post-apokalyptischen, vermeintlich menschenleeren Ödnis lauert angeblich große Gefahr. Doch eines Nachts, als sich Mutter gerade zum Aufladen abgeschaltet hat, hört das Mädchen ein merkwürdiges Klopfen.

Gegen Mutters ausdrückliche Anweisung öffnet der Teenager die Luftschleuse, um zu seiner Überraschung eine schwer verletzte Frau (Hilary Swank) vorzufinden. Neugierig lässt sie die Fremde, die behauptet, dass sie von einem Roboter angeschossen wurde, hinein und kümmert sich um sie. Die beunruhigenden Dinge, die die verstörte Frau über die Maschinen erzählt, erschüttern das Vertrauen des Mädchens. Womöglich sind die Dinge nicht so, wie sie sie von Mutter gelernt hat? Wem kann sie vertrauen? Bald bemerkt außerdem der Roboter die fremde Besucherin.

Visuell ist «I Am Mother», der im Januar beim Sundance Film Festival Premiere feierte, durchaus gelungen, weil Regie-Newcomer Grant Sputore offenbar ein gutes Auge für ästhetische Bilder und atmosphärisches Licht hat. Neben dem Laborkomplex sieht auch die Außenwelt, obwohl sie ein wenig gezeichnet wirkt, klasse aus.

Man ahnt als Zuschauer natürlich sofort, dass mit Mutter irgendetwas nicht stimmt. Der Roboter ist von Beginn an unheimlich. Bis die Geschichte in Fahrt kommt, dauert es allerdings. Und dann verschenkt der Film leider sein Potenzial: Für einen Thriller gibt es zu wenig wirklich spannende Szenen. Gleichzeitig wecken die Erzählungen der Protagonisten Erwartungen, die «I Am Mother» nicht erfüllt. Das hinterlässt ein Gefühl der Unzufriedenheit. Für einen Heimkino-Abend auf dem Sofa ist das in Ordnung, für ein echtes Kinovergnügen zu wenig.

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