Die Berge rufen, auf nach Chiang Dao!

Von Chiang Mai aus geht es nordwärts in die Berge, Höhlen und Wälder

Sehnsuchtsziel für Gipfelstürmer.
Sehnsuchtsziel für Gipfelstürmer.


CHIANG MAI: Mit dem Einzug der kühlen Jahreszeit beginnt im hohen Norden von Thailand die Bergsaison. Ein Sehnsuchtsziel in den Wintermonaten ist die märchenhafte Bergwelt von Chiang Dao. Wer sich den Wecker stellt, um im Morgengrauen eine Wanderung auf die Gipfel zu unternehmen, erlebt einen Sonnenaufgang in den schillerndsten Farben und wird mit einem grandiosen Blick auf die wabernden Nebelformationen in den Tälern belohnt.

Naturfreaks, Höhlenfans sowie Personen mit einer besonderen Vorliebe für schöne Aussichten werden bei diesem Trip voll auf ihre Kosten kommen. Erstaunlich, egal wen man in Chiang Mai fragt, die wenigs­ten waren bisher in Chiang Dao. Dabei ist es nur ein etwas größerer Katzensprung bis in diese einzigartige Bergwelt, im Norden der Provinz Chiang Mai. Ein Tagestrip für Anfänger könnte wie folgt aussehen:

Der riesige Hanuman im hinteren Teil vom Wat Mae Ead in Chiang-Dao-Stadt. Selbst von hier „unten“ hat man eine super Aussicht in alle Richtungen.  Fotos: Moos
Der riesige Hanuman im hinteren Teil vom Wat Mae Ead in Chiang-Dao-Stadt. Selbst von hier „unten“ hat man eine super Aussicht in alle Richtungen. Fotos: Moos

Linsen geputzt und genügend Speicherplatz frei? Dann kann es losgehen! Machbar ist die Strecke nach Chiang Dao mit allem, was rollt. Die Navigationssysteme bleiben kalt, denn vom Nord-Tor der Chiang Mai Altstadt aus, geht es direkt auf den Highway 107, diesen dann stetig nordwärts fahren bis ins Zielgebiet hinein. Wer Chiang Dao verpasst, wacht etwas später im Amphoe Fang auf, hier endet der 107er.

Alle halbe Stunde fährt ein Bus vom Chang-Pheuak-Terminal in Chiang Mai (Altstadt, Nord-Tor) zur Busstation in Chiang Dao Stadt. Das dauert eineinhalb Stunden und ist für 50 Baht möglich. Vor Ort muss man sich dann halt überlegen, wie es weiter gehen soll. Zu Fuß kann es etwas anstrengend werden. Motorradtaxis, Songthaews, Zweiradverleihs oder auch private Fahrer, alles lässt sich hier organisieren. Da es auf dem Weg und auch in Chiang Dao mindestens zwei Checkpoints gibt, sollte man zur Sicherheit den Reisepass mitnehmen.

Gut zu wissen?

Amphoe Chiang Dao (Stadt der Sterne, früher Piang Dao) ist ein Distrikt der Provinz Chiang Mai. Zur Orientierung ein paar Erklärungen vorab. Der Doi Luang Chiang Dao ist mit seinen 2.225 Metern der dritthöchste Berg Thailands, nach dem Doi Inthanon (2.565 m) und dem Doi Pha Hom Pok in Fang (2.285 m). Fast egal, wo man sich in Chiang Dao aufhält, der Doi Chiang Dao, wie er auch kurz genannt wird, ist herausragend. Ob mit oder ohne Wolken, in unendlich vielen Ansichten und Bildkompositionen, er macht einfach immer eine extrem gute Figur. Seine Kalksteinfelsen blitzen hervor bis in die letzten Höhenmeter und verstärken seine eindrucksvolle Erscheinung. Er ist Teil des Chiang Dao Wildlife Sanctuary, oft auch Chiang Dao National Park genannt. Obwohl dieser, nunmehr als Pha Daeng National Park, im Norden von Chiang Dao liegt, an der Grenze zu Myanmar. Mittendrin übrigens die Quelle des Mae Nam Ping. Der Doi Luang National Park liegt weiter östlich, in Chiang Rai und hat ebenfalls nichts mit unserem Doi Luang Chiang Dao zu tun. Es ist etwas verwirrend und vor Ort letztendlich auch unwichtig.

Erst einmal ankommen

Dafür, dass sich in Chiang Dao so viel Faszinierendes entdecken lässt, geht es dort erstaunlich gemäßigt touristisch zu. Geradezu angenehm, wenn man sich vom Touristentrubel in und um Chiang Mai herum erholen möchte. Dennoch gibt es in dieser grandiosen Berglandschaft eine moderate Mischung aus attraktiven Resorts, urigen Home- und Farmstay-Möglichkeiten sowie wenigen kleinen Bars und Restaurants. Bei einigen Bars scheint es eine Passion für Craft Beer zu geben und auch Western Food ist gelegentlich in angenehmer Zubereitung zu finden.

Idyllisch, ruhig und ursprünglich geht es an diesen Hotsprings zu. Sie befinden sich kurz vor dem Höhlentempel.
Idyllisch, ruhig und ursprünglich geht es an diesen Hotsprings zu. Sie befinden sich kurz vor dem Höhlentempel.

Es würde sich ganz bestimmt lohnen, zwei oder mehrere Tage in Chiang Dao zu bleiben, aber von Chiang Mai aus ist auch ein Tagestrip ein besonderes Erlebnis. Eine Rundtour drängt sich nicht auf, es sei denn, man mag über Pai zurückfahren. Doch das ist für einen Tag wieder recht ehrgeizig.

Die Yang Phu To Hot Springs, kurz vor dem Höhlentempel, laden zur Entspannung ein. Vielleicht ist es besser, sie auf dem Rückweg zu besuchen. Das Besondere daran ist wohl die Ursprünglichkeit. Tatsächlich sind dort lediglich einige Betonringe mit heißem Wasser aufgestellt, mitten in der Natur, zwischen Büffeln und Bäumen. Darin sieht man tagsüber immer ein paar Leute bei 40 bis 50 Grad wohlig vor sich hin simmern. Kostenlos, 24 Stunden und sieben Tage die Woche. Als Geheimtipp gilt ein Bad in der Nacht. Bestimmt ist es ein unvergessliches Erlebnis: Der Körper schwebt im warmen Badewasser, der Kopf liegt auf dem Wannenrand (ok, Betonringrand) und der Blick versinkt im berühmten Sternenhimmel von Chiang Dao. Am besten auf dem Hinweg mal kurz vorbeischauen und auf dem Rückweg dann vielleicht Sterne zählen (PS: Thai-Dresscode beachten!).

Ohne Tempel, ohne mich!

Auch dieses Mal wird man an Tempelbesuchen kaum vorbeikommen. Denn, wie so oft, stehen sie auch hier an den landschaftlich attraktivsten Plätzen. Darum müssen mindestens drei Tempeladressen erwähnt werden. Allen voran natürlich Wat Tham Chiang Dao, der Höhlentempel. Höhlenliebhaber werden auf ihre Kosten kommen. Aber so weit wie sie muss nicht jeder gehen. Auch der aufrecht zugängliche Teil ist faszinierend. All diese Felsformationen und Stalaktiten regen die Fantasie an, überall Nischen mit Figuren und Wandbildern, man sollte sich Zeit nehmen. Am Eingang ist ein Obolus von 40 Baht zu entrichten, für Strom, heißt es. Verständlich. Mitten drin in der Höhle warten einige Frauen, um die Mutigen weiter hinein zu begleiten. Rund hundert Höhlen soll es hier geben. Nur eine Handvoll davon sind öffentlich, mit Begleitung für rund 100 Baht bekriechbar.

Im Höhlentempel Wat Tham Chiang Dao konkurrieren zahlreiche Statuen mit den bizarren Felsformationen.
Im Höhlentempel Wat Tham Chiang Dao konkurrieren zahlreiche Statuen mit den bizarren Felsformationen.

Wer an außergewöhnlichen, medizinisch wirksamen, Rhizomen und Pflanzen interessiert ist, findet im Eingangsbereich dieser Tempelanlage eine große Auswahl. Einige Schilder sind phonetisch übersetzt und gelegentlich mit englischen Hinweisen versehen.

Im nahe gelegenen Wat Tham Pakpiang gibt es ebenfalls ein paar Felsen und Stalaktiten in einer kleineren Höhle zu sehen. Also, wenn man schon in der Nähe ist, einfach kurz anhalten und einen Blick riskieren.

Auf keinen Fall jedoch Wat Tham Pha Plong auslassen! Hier geht es rund fünfhundert einfach zu nehmende Stufen durch eine liebevoll gepflegte Anlage. Schilder mit buddhis­tischen Sprüchen säumen den Weg. Oben angekommen heißt es Zeit nehmen zum Staunen. Der Tempel selbst ist recht klein. Eine malerische goldene Pagode bietet einen reizvollen Kontrast zu den bewaldeten und felsigen Bergformationen. Die östlichen Bergketten in der Ferne sehen aus wie die EKG-Linie eines hyperaktiven Herzens.

Wer noch einen Tempelbesuch vertragen kann, besucht Wat Mae Ead, im Dorf am Fuße des Doi Luang. Hier gibt es einen frisch angestrichenen Gruselgarten, der mal wieder eindrucksvoll zeigt, was passieren kann, wenn man falsche Wege im Leben beschreitet. Ein großer Hanuman ist der perfekte Eyecatcher, um im Hintergrund den Doi Luang Chiang Dao ein weiteres Mal ins rechte Bild zu rücken.

Auf in die Natur

Dafür bietet es sich an, die wunderschöne, von Riesenbäumen gesäumte Straße (3024), die zu den Höhlentempeln führt, weiter längs zu fahren. Hier kommt man an einem Checkpoint vorbei. Der Eintritt in den Park beträgt 200 Baht für Farangs und noch einmal 30 Baht fürs Auto. Ein Guide ist für 300 Baht zu haben.

Weiter geht es dann auf der 3024, nunmehr eine schmale, gewundene und teilweise sehr steile Bergstraße, nach Baan View Doi Luang Chiang Dao. Ein Aussichtspunkt, der sich immerhin ohne strapaziöse Wanderung erreichen lässt. Eine atemberaubende Aussicht auf die Bergwelt! Von hier starten eindrucksvolle Wandertouren zu noch atemberaubenderen Aussichtsplattformen. Auch der Gipfel des Doi Luang, mit seiner spektakulären 360 Grad Sicht, lässt sich zu Fuß erobern. Auf eigene Faust ist es anscheinend möglich, aber verboten. Für die gut siebenstündige Tour, vom Basislager noch einmal knapp 1.000 Höhenmeter, ist es recht anspruchsvoll. Auf jeden Fall benötigt man Zeit für solche Unternehmungen und sollte mindestens eine Übernachtung einplanen. Ach, und noch drei Tipps für diese Art des Vergnügens: warme Kleidung, gutes Schuhwerk und nicht an Wochenenden den Gipfel stürmen! Viele Thais scheinen dieses Ziel auf ihrer Bucket List zu haben. Übernachtungsmöglichkeiten in Zelten oder Hütten gibt es dort in der Regel auch ohne vorherige Reservierung.

Achtung: Bis Anfang Dezember 2019 ist der Checkpoint der 3024 zum Aussichtspunkt wegen Renovierungsarbeiten gesperrt.

Rechts im Bild ist der gruselige und frisch gestrichene „Erziehungsgarten“ der Tempelanlage Wat Mae Ead zu sehen.
Rechts im Bild ist der gruselige und frisch gestrichene „Erziehungsgarten“ der Tempelanlage Wat Mae Ead zu sehen.

Aber immerhin lohnt es sich hier kurz zu parken, um Schmetterlinge zu beobachten. Schon von Weitem sieht man versprengte Personen in merkwürdig gekrümmter Haltung verharren, ihre Kameras auf den Boden ausgerichtet. Klar, sie wollen einen eindrucksvollen Schmetterling, möglichst in voller Breite, für sich (und die Welt) konservieren.

Von den Resorts im Tal aus, lassen sich unterschiedlich anspruchsvolle Wanderungen unternehmen, um die reichhaltige Flora und Fauna zu bewundern. Besonders hervorgehoben, als wildlebende Tiere, werden Großkopfschildkröten, asiatische Goldkatzen, spezielle Frosch- und Antilopenarten sowie eine artenreiche Vogelwelt. Auch einige Hilltribe Dörfer liegen in diesem Gebiet. Bekannte Anlaufstellen für Touren sind die Resorts Chiang Dao Nest 1 und 2 (Chiang Dao Nest).

Noch zwei weitere mögliche Stopps sollen hier am Schluss erwähnt werden: Jeden Dienstag gibt es einen Hilltribe-Markt, von früh morgens bis mittags, in Chiang-Dao-Stadt, in der Nähe der Busstation. Und das Makhampon Art Center (Makhampom), ein kreativer Tummelplatz, ist nicht weit vom Zentrum entfernt.

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