Deutsche Schiffbauer erwarten Attacke aus China

Foto: epa/Focke Strangmann
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HAMBURG (dpa) - Erste Aufträge für Ostsee-Fähren sind schon nach China gegangen, große Kreuzfahrtschiffe könnten folgen. Die deutschen Werften werden in ihrer Paradedisziplin angegriffen, dem Bau von High-Tech-Schiffen.

Der deutsche Schiffbau steht aktuell glänzend da, schaut aber mit großen Sorgen nach Asien. «Die asiatischen Wettbewerber wollen mit aller Macht in den High-Tech-Schiffbau vordringen», sagte Harald Fassmer, Präsident des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), am Dienstag im Anschluss an die Jahresversammlung des Verbandes in Hamburg. Aufträge für neue Ostsee-Fähren würden derzeit nur noch an chinesischen Werften vergeben, die mit Fantasiepreisen im Markt auftreten. «Seit Jahrzehnten erleben wir solche Marktverzerrungen ohne Gegenmittel», sagte VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken. «Das muss sich ändern.»

Der deutsche Schiffbau hat bereits Erfahrung mit Dumping-Strategien aus Asien. Werften aus Korea und China haben in den vergangenen Jahrzehnten den Bau von Frachtschiffen an sich gezogen, indem sie teilweise unter ihren eigenen Kosten angeboten haben und dabei hohe Schulden aufbauten. Die wurden später von den jeweiligen Staaten übernommen. In der Folge schrumpfte der deutsche und europäische Schiffbau und verabschiedete sich schließlich komplett aus dem Bau von Frachtschiffen.

Nach ihrem erfolgreichen Wandel zu High-Tech-Unternehmen präsentieren sich die deutschen Werften in bestechender Form. Der Auftragsbestand sei auf 20,1 Milliarden Euro gestiegen und habe sich damit innerhalb von zehn Jahren ungefähr verdreifacht, sagte Fassmer. Die Unternehmen hätten ihre Belegschaften aufgestockt und in Innovationen investiert. «Vor allem die Zulieferunternehmen arbeiten an der Kapazitätsgrenze und es kommt vereinzelt zu Engpässen», sagte Fassmer. Die deutschen Unternehmen konzentrieren sich auf lukrative High-End-Nischenmärkte und produzieren Kreuzfahrtschiffe, Fähren, Luxusjachten und Spezialschiffe.

Damit konnten sich die deutschen Werften von der Entwicklung auf dem Weltmarkt abkoppeln, der seit Jahren unter Auftragsmangel leidet. Die asiatischen Werften können ihre Baudocks kaum noch auslasten. Weltweit sind von einstmals 1000 Werften rund zwei Drittel aus dem Markt wieder ausgeschieden. Daraus entsteht der Druck, nun auch die lukrativen Nischenmärkte zu erobern.

China baut bereits hochkomplexe Kreuzfahrtschiffe, aber zunächst nur für den heimischen Markt. Die Produktion für den Weltmarkt ist noch zu anspruchsvoll für die chinesischen Schiffbauer. Doch hat China in seiner offiziellen staatlichen Industriestrategie den Anspruch formuliert, auch in dieser Branche den Weltmarkt zu erobern, und will in wenigen Jahren so weit sein. «Es ist gut, dass jetzt endlich nicht nur über die Chancen in China geredet wird, sondern auch von dem Systemrivalen», sagte Lüken.

Bei der bevorstehenden 11. Nationalen Maritimen Konferenz in Friedrichshafen (22./23. Mai) sollte nach Ansicht des Verbandes die Herstellung eines fairen Welthandels im Schiffbau einer der herausgehobenen Punkte sein. Dazu müsse sich Deutschland gemeinsam mit den europäischen Partnern ins Zeug legen. Die überwiegend mittelständische deutsche Schiffbauindustrie könne das Problem nicht allein lösen.

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