Der unbekannte Tremmel

WM-Debüt und Volltreffer im Ski-Team-Event?

Foto: epa/Kimmo Brandt
Foto: epa/Kimmo Brandt

ARE (dpa) - Anton Tremmel kennen die meisten Skifans höchstens als Name weit hinten in den Slalom-Startlisten. Bei der WM in Are aber ist der 24-Jährige auf einmal ein wichtiges Mitglied für das Team-Event am Dienstag - davon erfahren hat er selbst aus den Medien.

Von seinem Ticket zu den Weltmeisterschaften nach Are erfuhr Anton Tremmel aus den Medien. Der 24 Jahre alte Skirennfahrer vom SC Rottach-Egern war überrascht, schließlich hat er im Weltcup nur ein Ergebnis vorzuweisen, einen 27. Rang im Slalom. Im Europacup wurde er am 1. Februar - zwei Tage vor der WM-Nominierung - in einem Parallel-Slalom Zweiter. Und Herren-Cheftrainer Mathias Berthold entschied wegen der Schulterverletzung von Stefan Luitz und den vielen Baustellen bei Felix Neureuther: Den brauche ich.

Vielleicht ist also ein bislang unbekannter Bayer der entscheidende Faktor für die erste deutsche Medaille bei dieser WM in Schweden.

«Mich freut es, dass der Toni dabei ist. Weil ich glaube, dass er ein extrem starker Mann ist für das Team-Event. Mit der Mannschaft können wir auch relativ weit kommen», sagte Linus Straßer über den Kerl, den Berthold erst auf dem Handy nicht erreichte und der dann seinerseits vergaß, den Anruf zu erwidern. Auch Straßer selbst hat mit den Resultaten im Weltcup in diesem Winter eigentlich keine Argumente für eine WM-Nominierung geliefert - zählt im Parallel-Slalom und damit auch im Team-Event aber dennoch zu den stärksten Fahrern der Welt.

Vor zwei Jahren holte Straßer seinen bislang einzigen Weltcup-Sieg im Parallel-Format. Ohne Neureuther in dessen schwerer Comeback-Saison und Luitz, der wegen einer zuletzt ausgekugelten Schulter geschont wird, sind Straßer und Tremmel im Team gesetzt. Dominik Stehle ist der Ersatzmann. Bei den Damen sind Christina Geiger und Lena Dürr als Stammbesetzung vorgesehen, Marlene Schmotz als Option. Dürr hat wie Straßer ihren einzigen Weltcup-Sieg in einem City Event errungen.

City Events werden wie das Team-Event als Parallel-Slalom gefahren, also mit Riesenslalom-Toren und kurzen Abständen dazwischen. 2018 war das Format erstmals olympisch, Deutschland schied in Pyeongchang im Viertelfinale gegen die späteren Sieger aus der Schweiz aus. Die Eidgenossen zählen wie Weltmeister Frankreich, Gastgeber Schweden und Österreich zu den stärksten Teams. Die deutsche Mannschaft rechnet sich aber etwas aus. «Ich denke wirklich, dass wir eine Chance haben, um die Medaille mitzukämpfen», sagte die formstarke Geiger. «Man darf uns nicht abschreiben, da ist wirklich alles möglich.»

Straßer und Tremmel profitieren auch von ihrer Körpergröße. Dadurch können sie direkter als kleinere Athleten auf die Tore zufahren und diese einfach mit beiden Händen wegboxen. «Wenn die Kurssetzung direkt ist, muss man so fahren, um schnell zu sein», sagte Tremmel.

Ansonsten ist von dem zurückhaltenden jungen Mann bei der ersten Pressekonferenz seiner Karriere nicht viel zu hören, tonangebend sind Straßer und Dürr, die beiden routiniertesten Parallel-Slalom-Fahrer. Doch für die erhoffte Medaille ist er womöglich der entscheidende Faktor - danach würden ihn dann auch ein paar Menschen mehr kennen.

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