​Coronavirus: Aktuelle Meldungen der Luftfahrt

​Coronavirus: Aktuelle Meldungen der Luftfahrt

Fluggesellschaften wollen mehr Zeit für Ticket-Erstattungen

GENF: Die europäische Airline-Branche verlangt nach den Einbrüchen durch die Coronavirus-Krise mehr Zeit, um Passagieren schon bezahlte Tickets für ausgefallene Flüge zurückzuerstatten. Die europäischen Fluggesellschaften hätten über die verheerenden Umsatzeinbrüche hinaus zusammen Tickets im Wert von 10 Milliarden US-Dollar (rund 9 Mrd Euro) zu erstatten, sagte Rafael Schvartzman, Europachef beim Dachverband der Fluggesellschaften (IATA), am Donnerstag in Genf.

Die Airlines wollten ihren Verpflichtungen nachkommen, brauchten dafür aber wenigstens einen Monat statt die bislang erlaubten sieben Tage. «Wenn die Verpflichtung der Rückzahlung innerhalb von sieben Tagen bleibt, werden wir zahlreiche Konkurse sehen», warnte Schvartzman.

Der Verband hat seine Prognosen zu den Folgen der Corona-Krise noch einmal revidiert. Die Lage sei noch schlimmer als bislang erwartet. IATA geht jetzt davon aus, dass das Passagieraufkommen in Europa in diesem Jahr verglichen mit 2019 um 55 Prozent einbricht. Im März war der Verband für diese Region noch von einem Einbruch von 46 Prozent ausgegangen. Die Passagiererlöse dürften demnach verglichen mit dem vergangenen Jahr um 89 statt 76 Milliarden Dollar geringer ausfallen. In Deutschland rechnet IATA mit 103 Millionen weniger Passagieren und 17,9 Milliarden Dollar weniger Erlösen.


Lufthansa kann sich nicht aus eigener Kraft retten

FRANKFURT/MAIN: Die Corona-Krise bringt Airlines Milliardenverluste ein. Die Lufthansa setzt schon länger auf Staatshilfen.

Die Lufthansa kann sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der Corona-Krise retten. Diese Einschätzung veröffentlichte der Dax-Konzern am Donnerstag, nachdem er für das erste Quartal einen operativen Verlust von 1,2 Milliarden Euro vermeldet hatte. Für das laufende zweite Quartal werde ein noch deutlich höheres Minus erwartet, teilte das Unternehmen in Frankfurt mit. Es sei momentan nicht absehbar, wann der Flugbetrieb wieder ausgeweitet werden könne.

Aktuell verfüge Lufthansa nach erneuten Kreditaufnahmen insgesamt über 4,4 Milliarden Euro flüssige Mittel, die allerdings in den «nächsten Wochen» deutlich zurückgehen werden, hieß es weiter. «Der Konzern rechnet nicht damit, den entstehenden Kapitalbedarf mit weiteren Mittelaufnahmen am Markt decken zu können.»

Lufthansa steckt den Angaben zufolge daher «in intensiven Verhandlungen» mit den Regierungen der Airline-Heimatländer Deutschland, Schweiz, Österreich und Belgien. Es geht um verschiedene Finanzierungsinstrumente, um kurzfristig die Zahlungsfähigkeit zu erhalten. Neben Bürgschaften, Krediten und stillen Beteiligungen wird auch über direkte Staatsbeteiligungen diskutiert. Die Gespräche dauerten an. Der Lufthansa-Vorstand zeigte sich zuversichtlich, zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen.

Europas größter Luftverkehrskonzern hat allein im März knapp 1,4 Milliarden Euro Umsatz verloren, hieß es in einer Pflichtmitteilung an die Börse. Im gesamten Quartal lagen die Erlöse mit 6,4 Milliarden Euro damit in ähnlicher Größenordnung unter dem Vorjahreswert von 7,8 Milliarden Euro. Den operativen Verlust (bereinigtes Ebit) bezifferte das Unternehmen auf 1,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte der Verlust in dem traditionell schwachen Quartal zu Jahresbeginn noch 336 Millionen Euro betragen. Zusätzlich werden nun ungünstige Treibstoffverträge und Wertminderungen der Flugzeuge auf den Gewinn drücken. Details dazu will Lufthansa Mitte Mai veröffentlichen.

Ryanair-Chef Michael O'Leary warf der Lufthansa vor, die Corona-Krise zu missbrauchen. «Ich denke, dass Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air France die Covid-Krise nutzen, um sich mit unglaublich hohen Summen vom Staat zu bereichern», sagte der stets meinungsstarke Airline-Manager dem «Handelsblatt» (Freitag). Für sein eigenes Unternehmen schloss O'Leary Staatshilfen aus, weil man über ausreichende Bargeldreserven verfüge. Ryanair werde wahrscheinlich deutlich länger als jede andere Airline überleben, behauptete er.


Italien will Alitalia im Frühsommer verstaatlichen

ROM: Die Regierung in Rom will die seit Jahren insolvente Fluggesellschaft Alitalia im Frühsommer verstaatlichen. Eine neue Gesellschaft mit öffentlichen Geldern solle innerhalb der ersten Juni-Wochen entstehen und Alitalia übernehmen, sagte Arbeitsminister Stefano Patuanelli am Donnerstag im Parlament in Rom. Dabei schloss er Stellenstreichungen nicht aus.

Alitalia macht seit 2002 keinen Profit. Zahlreiche Versuche, einen privaten Käufer - darunter etwa Delta oder Lufthansa - zu finden, scheiterten. Das Unternehmen wurde 2008 privatisiert, brauchte aber immer wieder staatliche Hilfen. Laut Branchenanalyst Andrea Giuricin kostete dies den Steuerzahler in den vergangenen zwölf Jahren rund zehn Milliarden Euro. Das Unternehmen ist seit 2017 insolvent.

Der Staat hatte dem Traditionsunternehmen mit rund 10.000 Arbeitsplätzen in jüngerer Zeit Überbrückungskredite von zusammen rund 1,5 Milliarden Euro gewährt.


Air Mauritius meldet Insolvenz an

PORT LOUIS: Die nationale Airline des Touristenparadieses Mauritius gerät inmitten der Corona-Krise in die Insolvenz. Wie die Air Mauritius Limited am Mittwoch in einer Erklärung bekanntgab, haben die Beschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus eine Sanierung der Airline erschwert.

Da zudem unklar sei, wann der eingestellte Flugverkehr wieder aufgenommen werde, könne das Unternehmen seinen finanziellen Verpflichtungen voraussichtlich nicht mehr nachkommen und melde daher eine Insolvenz in Eigenverwaltung an. Ein Insolvenzverwalter soll nun versuchen, das angeschlagene Unternehmen zu sanieren.

Die einstige französische und britische Kolonie Mauritius mit 1,3 Millionen Einwohnern liegt 2000 Kilometer östlich des afrikanischen Kontinents im Indischen Ozean. Der Inselstaat gilt als Urlaubsparadies, der Airline kommt bislang beim Transport der Touristen eine wesentliche Bedeutung zu.


Chef von Air France-KLM verzichtet nach Protest auf Bonuszahlung

AMSTERDAM/PARIS: Nach Protest in den Niederlanden verzichtet der Chef der in der Corona-Krise auf Staatshilfe hoffenden Fluggesellschaft Air France-KLM, Benjamin Smith, auf Bonuszahlungen. Für 2020 verzichte er auf den variablen Teil seiner Vergütung, zuvor habe er für die Dauer der Krise bereits auf ein Viertel seiner Festbezüge verzichtet, teilte Smith am Donnerstag in Paris mit. Zuvor hatte der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra einen möglichen Bonus für Smith kritisiert.

«Wir finden Bonuszahlungen in dieser Krisenzeit nicht vernünftig und nicht mit einer Hilfe aus Steuergeldern vereinbar», sagte der Minister der Zeitung «De Telegraaf». «Das werden wir dem Unternehmen deutlich machen, auch während der Aktionärsversammlung.» Die Modalitäten einer Bonuszahlung seien noch Anfang April angepasst worden seien, so die Zeitung. Wie der Rundfunksender NOS berichtete, hätte ein Bonus für Smith demnach davon abhängen können, wie viel Geld die Airline am Ende des Jahres in der Kasse hat.

Da dies im wesentlichen vom Umfang der erhofften Staatshilfe aus den Niederlanden und Frankreich abhängig sei, wäre der Bonus für den Spitzenmanager mit steigender Staatshilfe gestiegen. In welchem Umfang die Airline mit Staatshilfe rechnet, ist bislang nicht präzisiert worden. In Frankreich war von Milliardenbeträgen die Rede.


Kanzler Kurz: Flüge nur zwischen Ländern mit Anti-Corona-Erfolgen

WIEN: Eine Wiederaufnahme des internationalen Flugverkehrs hält Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mittel- und langfristig zuerst zwischen Staaten mit einer erfolgreichen Anti-Corona-Strategie für möglich.

Er rechne mit einem Szenario, dass international Staaten ihre Grenzen zueinander wieder öffnen werden, die das Virus besiegt oder ganz niedrige Ansteckungszahlen hätten, sagte Kurz an Dienstag in Wien. «Wie ein Club, bei dem man nur dabei sein kann, wenn keine Gesundheitsgefährdung gegeben ist.» Der Luftverkehr ist durch die Einreiseverbote in der Corona-Krise praktisch zum Erliegen gekommen. Viele Airlines kämpfen ums Überleben.


United Airlines kündigt Kapitalerhöhung an

CHICAGO: Die angeschlagene US-Fluggesellschaft United Airlines will sich mit einer Kapitalerhöhung in der Corona-Krise dringend benötigtes frisches Geld besorgen. Das Unternehmen kündigte am Dienstag nach US-Börsenschluss die Ausgabe von 39,25 Millionen neuen Aktien an, was gemessen am letzten Schlusskurs gut eine Milliarde Dollar (rund 920 Mio Euro) einbringen könnte. Die Airline ist wegen der Corona-Pandemie in Not geraten, die den Flugverkehr zum Erliegen gebracht hat.

Die US-Regierung hat zwar bereits zugesichert, die heimischen Airlines in der Krise mit einem milliardenschweren Rettungspaket zu stützen, doch die Lage bleibt kritisch. United rechnet für das erste Quartal mit einem Verlust von 2,1 Milliarden Dollar vor Steuern. Bei Anlegern kam die angekündigte Kapitalerhöhung nicht gut an, Uniteds Aktie reagierte nachbörslich zunächst mit deutlichen Verlusten. Seit Jahresbeginn ist der Kurs schon um fast 70 Prozent gefallen.



Delta Air Lines macht halbe Milliarde Dollar Quartalsverlust

ATLANTA: Die Corona-Krise hat der US-Fluggesellschaft Delta Air Lines den ersten Quartalsverlust in fünf Jahren eingebrockt. In den drei Monaten bis Ende März fiel ein Minus von 534 Millionen Dollar (493 Mio Euro) an, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Im Vorjahr hatte Delta noch 730 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Die Erlöse gingen um 18 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar zurück.

Die Corona-Pandemie hat den internationalen Flugverkehr nahezu zum Erliegen und die US-Airlines in eine schwere Krise gebracht. Deltas Cash-Reserven lagen zum Quartalsende bei sechs Milliarden Dollar, doch das Unternehmen verbrannte pro Tag 100 Millionen Dollar. Bis Ende Juni will Delta die Verlustrate auf 50 Millionen Dollar begrenzen und die Liquidität auf rund 10 Milliarden Dollar erhöhen.

Die US-Regierung hat ein großes Rettungsprogramm für die angeschlagenen heimischen Fluggesellschaften aufgelegt, aus dem Delta 5,4 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern erhielt. Die Staatshilfen für die Branche sind jedoch umstritten, da die Airlines in den vergangenen Jahren viel Geld an ihre Aktionäre ausschütteten, anstatt damit größere Sicherheitspuffer für Krisenzeiten zu bilden.

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Siegfried Mucker 25/04/2020 11:04
ticketauszahlung
ahh 7 tage frist in europa?ich warte nun schon 1 monat auf mein geld von thaiairways.der flug wurde von thaiair storniert.warum wird dann nicht gleichzeitig der ticketpreis erstattet.?