Corona-Überblick: Meldungen am Mittwoch

Foto: Pixabay/Christo Anestev
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Trotz Anstieg der Neuinfektionen sagt Trump: Virus wird verschwinden

WASHINGTON: Trotz eines dramatischen Anstiegs der täglichen Neuinfektionen in den USA glaubt Präsident Donald Trump weiter an das Verschwinden des Virus. Die Wirtschaft werde sich bald wieder erholen und «das Virus wird irgendwann gewissermaßen einfach verschwinden», sagte der Republikaner Trump am Mittwoch im Gespräch mit dem Fernsehsender Fox Business. Die Demokraten werfen Trump angesichts solcher Äußerungen vor, im Kampf gegen das Coronavirus kapituliert zu haben - und das obwohl die Pandemie in den USA zunehmend eskaliert.

Daten der Universität Johns Hopkins zufolge meldeten die US-Behörden zuletzt jeden Tag rund 40.000 Neuinfektionen, vor allem aus den südlichen Bundesstaaten Florida, Texas, Arizona, Georgia und Kalifornien. Die aktuellen Zahlen der Neuinfektionen sind damit höher als jene im April und im Mai, dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie. Den Daten vom Mittwoch zufolge wurden etwa am Dienstag fast 45.000 Neuinfektionen gemeldet. Mehrere Bundesstaaten haben daher bereits Lockerungen der Corona-Auflagen verschoben oder rückgängig gemacht.


Corona-Flaute am US-Automarkt - VW mit deutlichem Absatzminus

HERNDON: Die Corona-Pandemie hat den US-Automarkt im zweiten Quartal kräftig ausgebremst - das bekam auch Volkswagen deutlich zu spüren. In den drei Monaten bis Ende Juni wurden nur 69.933 Neuwagen mit dem VW-Logo verkauft, wie das Unternehmen am Mittwoch am US-Hauptsitz in Herndon, Virginia, mitteilte. Das entspricht einem dicken Absatzminus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2020 verzeichnete VW einen Verkaufsrückgang um 22 Prozent.

Auch der Rest der Branche musste während des Lockdowns - trotz kräftiger Rabatte - starke Abstriche machen, weil Autohäuser geschlossen wurden und Kunden zu Hause blieben. Beim US-Marktführer General Motors (GM) brachen die Verkäufe um 34 Prozent auf 492.489 Autos ein. Fiat Chrysler meldete einen noch stärkeren Rückgang um 39 Prozent auf 367.086 Fahrzeuge, Toyota ein Minus von 35 Prozent auf 398.029 Neuwagen. Ford will seine Zahlen erst am Donnerstag vorlegen.


Kalifornien nimmt einige Corona-Lockerungen zurück

SACRAMENTO: Kalifornien reagiert auf den Anstieg der Coronavirus-Neuinfektionen mit einer Rücknahme von Lockerungen. In 19 stark betroffenen Bezirken, darunter auch Los Angeles County, müssen Restaurants ihre Innenbereiche wieder schließen. Das gelte auch für den Betrieb von Kinos, Weingütern, Museen und Zoos, teilte Gouverneur Gavin Newsom am Mittwoch mit. Die Einschränkungen sollen mindestens drei Wochen lang gelten. Bereits am Sonntag hatte Newsom die erneute Schließung von Bars in vielen Teilen Kaliforniens angeordnet.

Am kommenden Feiertagswochenende will der Staat die Parkplätze an Stränden in den dicht besiedelten Räumen um Los Angeles und San Francisco schließen. Los Angeles County hatte zuvor bereits angekündigt, Strände, Fahrradwege, Parkplätze und Piers am Wochenende um den Nationalfeiertag (4. Juli) zu sperren. Newsom forderte die 40 Millionen Einwohner auf, Veranstaltungen und Ansammlungen zu vermeiden und stattdessen im kleinen Familienkreis Zuhause zu bleiben.

Kalifornien hatte im März als erster US-Staat strikte Corona-Beschränkungen erlassen, diese zuletzt aber langsam gelockert. Nach Informationen vom Mittwoch sind in Kalifornien mehr als 232.000 Infektionen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen, es starben bislang mehr als 6000 Menschen.


Chile verlängert Corona-Quarantäne

SANTIAGO DE CHILE: Angesichts der weiter steigenden Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus hat die chilenische Regierung die strengen Ausgangsbeschränkungen in Teilen des südamerikanischen Landes erneut verlängert. Die Quarantäne für den Ballungsraum rund um die Hauptstadt Santiago de Chile sowie einige weitere Bezirke im Rest des Landes gelte noch mindestens bis Ende kommender Woche, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. In den betroffenen Gebieten lebt mehr als die Hälfte aller Chilenen.

Bislang haben sich in Chile 282.043 Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Damit liegt Chile nach Brasilien und Peru an dritter Stelle in Südamerika. 5753 Patienten sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Viele Krankenhäuser haben ihre Belastungsgrenze bereits erreicht.


Mehr Corona-Fälle: Wieder striktere Maßnahmen

LUXEMBURG: Angesichts einer Reihe von neuen Coronavirus-Infektionen nimmt Luxemburg einen Teil seiner Lockerungen wieder zurück. Für Treffen von mehr als 20 Menschen sollen die bisher geltenden Abstandsempfehlungen durch verbindliche Vorschriften ersetzt werden, teilte der luxemburgische Premierminister Xavier Bettel mit. Am Mittwoch habe es bei knapp 6000 Tests 46 Neuinfektionen gegeben. «Diese Zahlen sind nicht alarmierend, aber wir müssen verhindern, dass wir in der Zukunft eine Verschlechterung der Lage bekommen.» Bei den Neuinfektionen handele es sich vor allem um jüngere Leute.

Seit Ende vergangener Woche steigt die Zahl der Neuinfektionen stärker an. In der vergangenen Woche wurden knapp 150 neue Fälle gezählt. Der Anstieg wird unter anderem mit privaten Feiern in Zusammenhang gebracht, die in Luxemburg wieder erlaubt sind. Bettel sagte, unter anderem habe es in einem Lokal eine Feier gegeben, die als privat deklariert worden und daher ohne verbindliche Regeln abgelaufen sei. Dies habe zu 24 Neuinfektionen geführt. «Deshalb werden wir künftig bei Treffen von mehr als 20 Personen wieder verpflichtende Regeln haben, egal ob es sich um private oder öffentliche Treffen handelt», sagte Bettel.

In Luxemburg liegt die Zahl der positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Personen mittlerweile bei insgesamt 4345 (Stand Mittwoch 17.30 Uhr). Es gab bislang 110 Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus. Seit Beginn der Krise wurden insgesamt 191.282 Personen getestet.


Corona-Neuanstieg: Palästinenser verkünden fünftägigen Lockdown

RAMALLAH: Wegen eines deutlichen Neuanstiegs von Corona-Infektionen im palästinensischen Westjordanland soll dort von Freitag an ein fünftägiger Lockdown gelten. Der palästinensische Regierungssprecher Ibrahim Milhem teilte am Mittwoch mit, in den Autonomiegebieten sollten Ausgangsbeschränkungen verhängt werden. Mit Ausnahme von Supermärkten, Bäckereien und Apotheken müssten Geschäfte geschlossen bleiben.

Die Pandemie in den Palästinensergebieten war zunächst sehr glimpflich verlaufen, nach Lockerungen stiegen die Zahlen im vergangenen Monat jedoch stark an. Besonders betroffen ist die Stadt Hebron. Auch in Israel sind wegen eines Neuausbruchs Beschränkungen geplant.

Im Westjordanland gibt es nach Angaben des Gesundheitsministeriums bisher 2636 bekannte Infektionsfälle mit dem Coronavirus, im Gazastreifen mehr als 70, in den Palästinensergebieten starben insgesamt acht Infizierte.


Weiterer Rückgang der US-Arbeitslosenquote erwartet

WASHINGTON: Die US-Regierung gibt am Donnerstag (14.30 Uhr MESZ) die Arbeitslosenquote für den Monat Juni bekannt. Angesichts der landesweiten Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen in der Corona-Pandemie rechnen Analysten mit einem weiteren Rückgang auf etwa 12,5 Prozent. Im Mai lag die Quote bei 13,3 Prozent. Im April war eine Quote von 14,7 Prozent verzeichnet worden - was einen sprunghaften Anstieg um zehn Prozentpunkte im Vergleich zu März darstellte.

Die Corona-Pandemie hat die US-Wirtschaft empfindlich getroffen. Mehr als 45 Millionen Menschen verloren seit Mitte März mindestens zeitweise ihren Job - so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit. Infolge der allmählichen Lockerung der Ausgangsbeschränkungen gingen die Zahlen der wöchentlichen Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe zuletzt zurück - bewegen sich aber weiterhin auf hohem Niveau.

Die Arbeitslosenquote in der größten Volkswirtschaft der Welt hatte im Februar noch bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Die Regierung hofft, dass sich der Arbeitsmarkt in der zweiten Jahreshälfte wieder stabilisieren wird. Experten gehen jedoch davon aus, dass ein Teil der Jobverluste dauerhaft sein könnte.


Hochzeitssäle und Internetcafés öffnen wieder

ISTANBUL: Die Türkei lockert weitere Corona-Maßnahmen: Internetcafés und Hochzeitssäle können nach einer Anweisung des Innenministeriums ab diesem Mittwoch wieder öffnen. Auch Kinos und Theater sollen laut Präsident Recep Tayyip Erdogan Besucher empfangen dürfen. Allerdings gelten auch in der Türkei weiter Hygieneauflagen wie Mindestabstand oder Maskenpflicht.

Die Türkei hatte zahlreiche Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie erlassen, wie etwa Ausgangssperren und Reisebeschränkungen. Am 1. Juni hatte Ankara zahlreiche Restriktionen wieder gelockert. So wurden Reisebeschränkungen zwischen Städten aufgehoben. Cafés, Restaurants und Sportanlagen sind unter Auflagen wieder geöffnet. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen stieg daraufhin wieder. Die Türkei hat bisher knapp 200.000 Corona-Infektionen und 5131 Todesfälle im Zusammenhang mit der Epidemie registriert.


Türkei kritisiert Aufrechterhaltung von EU-Einreisebeschränkungen

ISTANBUL: Ankara hat die Aufrechterhaltung der Einreisebeschränkungen aus der Türkei in die Europäische Union kritisiert. Man sei «enttäuscht» darüber, dass die EU die Türkei nicht in die Liste der Länder aufgenommen habe, aus denen Menschen ab diesen Mittwoch wieder einreisen dürften, teilte der Sprecher des Außenministerium in Ankara, Hami Aksoy, am Mittwoch mit. Die Türkei erwarte, dass dieser «Irrtum» sobald wie möglich aufgehoben wird.

Die EU-Staaten hatten am Dienstag beschlossen, dass wegen der Corona-Krise eingeführte Einreisebeschränkungen in die EU für zahlreiche Länder, darunter die Türkei, über den 1. Juli hinaus aufrechterhalten werden. Lediglich Menschen aus 14 Ländern dürfen wieder einreisen. Diese Liste soll alle zwei Wochen überarbeitet werden.

Für die Türkei gilt wegen der Corona-Krise zudem noch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Ankara dringt auf deren Aufhebung und wirbt sei langem um deutsche Touristen. Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy reisen am Donnerstag nach Berlin. Nach Angaben türkischer Medien wollen die beiden Minister mit der Bundesregierung über das Thema Reisewarnung sprechen. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige in der Türkei.


Tschechen nehmen die Maske ab - Festbankett auf Karlsbrücke

PRAG: Tschechien hat nach mehr als drei Monaten die Mundschutzpflicht fast ganz abgeschafft. Sie gilt seit Mittwoch flächendeckend nur noch in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. Die Regierung in Prag begründete die Lockerung mit der stabilen Entwicklung bei den Coronavirus-Fallzahlen. Ausgenommen sind einige Corona-Hotspots im Osten des Landes sowie die Prager U-Bahn. Die Pflicht, selbst im Freien eine Maske zu tragen, war bereits vor mehreren Wochen ausgelaufen. Tschechien war mit der Einführung des Maskenzwangs Mitte März einer der Vorreiter in Europa gewesen.

Bereits am Dienstagabend feierten rund 2000 Menschen auf der historischen Prager Karlsbrücke einen symbolischen Abschied von der Corona-Krise. Sie nahmen an einem Festbankett an einem mehr als 500 Meter langen Tisch teil, zu dem sie selbst Speisen und Getränke mitbrachten. Initiiert wurde die Aktion von dem als exzentrisch geltenden Kaffeehausbesitzer Ondrej Kobza. Der Rückgang des Tourismus habe den positiven Effekt, dass die Stadt wieder den eigenen Einwohnern diene, teilte Prags Oberbürgermeister Zdenek Hrib mit. In der Hauptsaison wäre eine solche Aktion unter normalen Umständen nicht möglich.

Bis Mittwoch meldeten die Behörden des Landes 11954 bestätigte Coronavirus-Infektionen. Es gab 349 Todesfälle in Verbindung mit der Erkrankung.


Australien erhöht Verteidigungsausgaben - Welt ist «gefährlicher»

CANBERRA: Australien erhöht seine Verteidigungsausgaben angesichts einer im Zuge der Corona-Pandemie «gefährlicher» gewordenen Welt. Premierminister Scott Morrison kündigte am Mittwoch 270 Milliarden Australische Dollar (165 Mrd Euro) an zusätzlichen Militärausgaben über die nächsten zehn Jahre an. Unter anderem sollen erstmals Waffen mit langer Reichweite angeschafft werden. Australien müsse sich für eine Welt nach der Corona-Pandemie rüsten, die «ärmer, gefährlicher und ungeordneter ist», sagte Morrison. Eine solche wirtschaftliche und strategische Unsicherheit in der Region habe sein Land seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen, sagte er.

Die Ankündigung zusätzlicher Verteidigungsausgaben erfolgt vor dem Hintergrund angespannter Beziehungen mit China, dem wichtigsten Handelspartner Australiens, sowie den Spannungen zwischen den USA und China. Zwar nannte Morrison China nicht explizit als Grund für die erhöhten Militärausgaben. Doch müsse sich sein Land rüsten, da die indopazifische Region das «Epizentrum» eines zunehmenden strategischen Wettstreits sei. Die Beziehungen zwischen China und den USA nannte er «bestenfalls brüchig», da beide Mächte um politische, wirtschaftliche und technologische Vorherrschaft wetteifern würden.

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Benno Schönholzer 02/07/2020 14:37
Es ist ja nicht so, dass ein Präsident das ganz alleine sagt!! Er hat seinen Beraterstab!! Er ist nur das Sprachrohr!! Aber die westlichen Zeitungen haben es nun mal auf ihn abgesehen und möchten ihn am liebsten beerdigen, auch weil er zurecht gesagt hat, dass er gegen die Medien vorgehen will!!